Aufgeben ist kein Thema

24.04.2017 • 18:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Jens Blum in Winterkluft Ende April. Die Natur meint es heuer mit ihm und den Kollegen nicht gut. Foto: VN/HOfmeister
Jens Blum in Winterkluft Ende April. Die Natur meint es heuer mit ihm und den Kollegen nicht gut. Foto: VN/HOfmeister

Obstbauer Jens Blum macht schwere Zeiten durch. Trotzdem liebt er seinen Job.

Höchst. (VN-hk) Als die VN vor fast zehn Jahren den größten Obstbauern des Landes schon einmal porträtierten, lautete der Vorspann: „Super Ernte – Jens Blum erlebt als Obstbauer derzeit glückliche Zeiten.“

Wie Hohn klingt das angesichts der momentanen Situation. Nach dem tiefen Frost der vergangenen Woche muss der mit 13 Hektar Anbaufläche größte Vollerwerbsobstbauer des Landes einen quasi Totalausfall seiner Ernte beklagen. Alles ist hin, die eisigen Temperaturen ließen den in voller Blüte befindlichen Bäumen keine Chance. Was das bedeutet, liegt auf der Hand: Blum muss trotz einer Versicherung enorme finanzielle Verluste hinnehmen.

Immer spannend

Viele würden in einer solchen Situation das Handtuch schmeißen. Zumal es die Natur schon im vergangenen Jahr mit den Obstbauern nicht gut meinte, sie mit Frost, Regen und Hagel malträtierte.

Aber ein Aufgeben ist für Jens Blum kein Thema. „Nicht eine Sekunde habe ich daran gedacht“, sagt der 51-jährige Familienvater, der den Betrieb vor mittlerweile 33 Jahren von seinem Vater übernahm und ihn zum Voll­erwerbsunternehmen ausbaute.

Gerade in Tagen wie diesen denkt Blum oft daran, was ihm sein Beruf auch schon Schönes beschert hat. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn dir in einem Frühling Bäume blühen, mit denen du nicht gerechnet hast. Es ist schön, wenn sich überraschend ein Nützling auf deiner Anbaufläche breitmacht und Läuse vernichtet. Es tut gut, mitzuerleben, wie sich junge Bäume prächtig entwickeln und dir Ertrag bringen.“ Das Leben eines Obstbauern kennt keinen geregelten Ablauf. „Es ist niemals langweilig. Es gibt immer wieder Überraschungen und neue Situationen, denen du dich stellen musst. Du lebst in, mit und von der Natur. Das muss dir immer klar sein.“

Auch dankbar

Natürlich zieht Blum die Konsequenzen aus dem heurigen Desaster mit dem Frost. „Ich werde eine Frostberegnungsanlage bei mir anbringen. Das kostet mich zwar einen Haufen Geld, aber diese Investition ist notwendig.“

Schon 1997, als es auch einen Frost gab, überlegte Blum, einen Frostberegner anzuschaffen. „Ich habe mich damals mit einem Kollegen aus dem Oberland unterhalten. Der hatte über 25 Jahre genaue Wetteraufzeichnungen gemacht und das Frostrisiko als sehr gering eingestuft. Deshalb habe ich damals noch Abstand von diesem Projekt genommen.“

Mittlerweile musste Blum jedoch konstatieren, „dass die Blüte immer früher kommt. Und das erhöht die Gefahr durch einen später einfallenden Frost natürlich beträchtlich.“ Die Erfahrung der letzten Tage räumten beim Höchster schließlich die letzten Zweifel aus. Geklärt hat er auf alle Fälle schon die Frage, woher er das Wasser bezieht. „Wir müssen keinen Brunnen schlagen. Es gibt die Möglichkeit, das Wasser vom See herzuleiten und dann wieder zurückzuführen.“

Sicher ist für den Landwirt jedenfalls: „Ein zweites solches Jahr darf es für mich nicht mehr geben. Das wäre nicht zu verkraften.“

Und wieder kehren seine Gedanken zu den positiven Seiten seines Berufs zurück. Dort hat auch Dankbarkeit ihren Platz. „Ich darf nicht vergessen, dass ich auch schon wirklich gute Jahre hatte und die Nachfrage nach meinen Früchten so groß ist, dass ich sie nicht immer bedienen konnte.“ Jetzt möchte er sein Hobby, das Akkordeonspielen, wieder forcieren. „Gerade jetzt tut mir das besonders gut.“

Ich will gerade jetzt auch die guten Zeiten nicht vergessen.

Jens Blum

Zur Person

Jens Blum

Geboren: 5. Juli 1965

Beruf: Obstbauer

Wohnort: Höchst

Familie: verheiratet, eine Tochter

Hobbys: Segeln, Akkordeon spielen

Lieblingsspeise: vieles, aber vor allem Spargel