Fischer kämpfen weiter

24.04.2017 • 18:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Unterschriftenübergabe: Dabei waren Obmann Albert Bösch und LR Erich Schwärzler (l.).  Fotos: GG
Unterschriftenübergabe: Dabei waren Obmann Albert Bösch und LR Erich Schwärzler (l.). Fotos: GG

Im Aufbegehren gegen sinkende Erträge 25.766 Unterschriften für mehr Nährstoffe im Wasser gesammelt.

Güttingen. (gg) Die Berufsfischer am Bodensee wollen nicht das Handtuch werfen und übergaben in der thurgauischen Seegemeinde Güttingen 25.766 Unterschriften aus der Bevölkerung, die mit einer Erhöhung der Phosphate im See die Existenz des alten Berufsstandes erhalten will. Die Fänge gingen in den vergangenen Jahren dramatisch zurück. Zur Vorgeschichte: Vor über 40 Jahren schrillten bei den Behörden, vor allem der Gewässerschutzkommission, die Alarmglocken. Der Bodensee wurde damals durch Abwässer überdüngt, der Phosphatgehalt des Wassers war auf rund 80 Milligramm pro 1000 Liter angestiegen, die Fänge waren üppig. Der See drohte aber zu „kippen“, tonnenweise sackte absterbendes Plankton auf den Grund, es entstanden infolge der Faulgase sauerstofflose Todeszonen, in denen der Fischlaich abstarb. Mit Milliardenaufwand wurden Kanalnetze und Kläranlagen an den Seeufern ausgebaut, Düngemethoden der Landwirtschaft verboten. Der Erfolg war schlagend: Der See wurde schnell sauberer, der Phosphatgehalt sank nach und nach auf heute nur noch sechs Milligramm. Parallel dazu sanken indes die Erträge der Berufsfischer drastisch, vor allem die Felchen und Barsche fanden nicht mehr ausreichend Nahrung, die Fänge gingen zurück. Viele Fischer gaben auf, die meisten müssen sich heute mit einem Nebenerwerb über Wasser halten.

Vor drei Jahren haben die Berufsfischerverbände Vorarlbergs, Bayerns, Baden-Württembergs und der Kantone Thurgau und St. Gallen die Kampagne „Der Bodensee – ein Juwel hungert“ ins Leben gerufen, die auch Unterstützung in der Bevölkerung und besonders in der Gastronomie am See fand.

Zielgröße formuliert

Nun wurde eine Petition mit einer Zielgröße von mindestens zehn Milligramm Phosphat formuliert und an maßgebliche Politiker der Anrainerländer übergeben. Für Vorarlberg, vertreten durch den Gaißauer Obmann Albert Bösch, wurde Landesrat Erich Schwärzler das Papier, untermauert mit den Unterschriften, übergeben.

Erich Staub, Leiter der Sektion Fischerei im eidgenössischen Amt für Umwelt, räumte mittlerweile ein: „Phosphat bleibt eine zentrale Stellschraube für das Wachstum der Felchen und den Ertrag der Berufsfischer. Die festgelegte Zielgröße von mindestens zehn Milligramm pro Kubikmeter für den Phosphorgehalt wird derzeit deutlich unterschritten. Hier braucht es rasch eine Zielanpassung.“ Staub wies auch darauf hin, dass, sollten die Maßnahmen nicht zielführend sein, man darüber nachdenken müsse, wie die der Gastronomie fehlenden 500.000 Kilo Bodenseefelchen mittels Aquakultur produziert werden könnten. Bereits im Vorfeld haben die Fischer Zuchtanlagen am oder im See mehrheitlich abgelehnt, sie wollen Fischer bleiben und nicht Züchter werden.

Von den mageren Fängen kann der Berufsstand nicht mehr leben.
Von den mageren Fängen kann der Berufsstand nicht mehr leben.