Notruf nach dem Hausarzt

24.04.2017 • 18:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hausärzte sind Generalisten. Sie kennen meist die Menschen und dazu ihre ganze Familiengeschichte. Foto: vn/hofmeister
Hausärzte sind Generalisten. Sie kennen meist die Menschen und dazu ihre ganze Familiengeschichte. Foto: vn/hofmeister

Ärztekammer und Gemeindeverband starten gemeinsame Informationsoffensive.

Dornbirn. (VN-mm) Die Nachbesetzung von offenen Arztstellen im niedergelassenen Bereich wird immer schwieriger. Das betrifft vor allem Praktiker. Der Hausarzt macht sich rar. Derzeit gibt es im Land drei vakante Stellen, und das schon länger. Nun haben sich Ärztekammer und Gemeindeverband zusammengetan, um einen gemeinsamen Notruf nach dem Hausarzt abzusetzen. „Allgemeinmediziner braucht das Land“ nennt sich eine Informationsveranstaltung für Ärzte und Bürgermeister, die am Donnerstag startet. Ihr sollen noch weitere Aktionen folgen. Bis an die Medizinuniversitäten soll der Weg zur Überzeugung führen. „Weil 30 Prozent der Absolventen erst gar nicht ins heimische Gesundheitssystem kommen“, wie Ärztekammer-Vizepräsident Burkhard Walla verdeutlicht.

Wettbewerb um Ärzte

Dazu droht eine nicht unerhebliche Pensionierungswelle. Schon in drei Jahren gehen von den derzeit 159 niedergelassenen Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag 30 in Pension. Bis 2025 erreichen etwa 40 Prozent der Hausärzte das Pensionsalter. Auch in den Krankenhäusern und bei Fachärzten steigt aus eben diesem Grund der Personalbedarf.

Halbierte Studentenzahl

Gleichzeitig hat sich die Zahl der Medizinstudenten in den vergangenen 15 Jahren halbiert. Das provoziert laut Burkhard Walla einen schärferen Wettbewerb um die Ärzte. Dem soll jetzt gegengesteuert werden. „Wir müssen rasch handeln, wenn wir die medizinische Nahversorgung auch in Zukunft sicherstellen wollen“, begründen Walla und Gemeindeverbandspräsident Harald Köhlmeier den Gleichschritt.

Sowohl bei den Bürgern als auch bei den jungen Medizinern soll ein positives Bewusstsein für die Tätigkeit der Praktiker geschaffen werden. „Ein Arzt in der Gemeinde ist ein wesentlicher Baustein für Lebensqualität und Gesundheitsvorsorge“, gibt Köhlmeier ein Bekenntnis zum Gemeindearzt ab. Als Beitrag der Kommunen wäre für ihn die Bereitstellung der medizinischen Infrastruktur denkbar. Denn die Lebensmodelle der Ärzte haben sich verändert. In eine eigene Praxis zu investieren, erfordert viel Geld. „Gerade junge Ärzte wollen sich aber nicht mehr von vorneherein lange binden“, erklärt Burkhard Walla. Es brauche daher auch eine Flexibilisierung im Vertragssystem. Das will die Ärztekammer gemeinsam mit der Gebietskrankenkasse weiterentwickeln.

Neue Arbeitszeitmodelle

Außerdem sind neue Arbeitszeitmodelle gefragt, besonders in Hinblick auf den hohen Frauenanteil bei Ärzten, der schon rund 40 Prozent beträgt. „Es muss mehr Möglichkeiten geben, Familie und Beruf zu vereinen, etwa durch Jobsharing und Ärztepartnerschaften“, fordert Gabi Gort, Allgemeinmedizinerin in Wolfurt. Gort hat sich bewusst für die Allgemeinmedizin entschieden, zumal das Arbeitsfeld sehr vielfältig sei. „Als Hausarzt betreut man den Patienten wirklich von der Wiege bis zur Bahre, und oft muss das gesamte Familiengefüge einbezogen werden“, plaudert sie aus dem medizinischen Nähkästchen. Walla bedauert, dass viele junge Ärzte in den Spitälern kein richtiges Bild mehr von der Arbeit des Allgemeinmediziners bekommen. Die Aufklärungsoffensive soll dem abhelfen.

Ein Arzt in der Gemeinde ist ein Baustein für Lebensqualität.

Harald Köhlmeier

Ärzte wollen sich nicht mehr von vorneherein lange binden.

Burkhard Walla