Schiffssanierung wird viel teurer als erwartet

25.04.2017 • 17:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der 54 Meter lange Rumpf der alten „Österreich“ wurde in der Einhausung in Fußach gründlich saniert.  Foto: Grabher
Der 54 Meter lange Rumpf der alten „Österreich“ wurde in der Einhausung in Fußach gründlich saniert. Foto: Grabher

Erneuerung des Rumpfes des Nostalgieschiffes „Österreich“ abgeschlossen. Mehrkosten in Millionenhöhe.

Fußach. (gg) Seit August 2016 steht die 1928 gebaute „Österreich“ in einer vor Wind und Wetter schützenden Einhausung in der Fußacher Werft. In den vergangenen Monaten fauchten die Schweißbrenner und Sandstrahlgebläse, Hammerschläge dröhnten in der ausgehöhlten Schale des Rumpfes.

Die Spezialisten der Linzer Werft haben inzwischen ganze Arbeit geleistet. „Das Schiff steht da wie neu“, sagt Reinhard Rath, Prokurist der Österreichischen Schiffswerft an der Donau, die vom Verein „Freunde des MS Österreich“ den Sanierungsauftrag bekam. Nicht ohne Stolz schreitet auch Christian Kaizler, technischer Verantwortlicher des Vereins, über das wieder glatte Deck aus Schiffsbaustahl. Rund 50 Tonnen unbrauchbaren Schrott haben die Freunde der „Österreich“ unentgeltlich entsorgt, nur die Schale blieb übrig.

„Anfänglich glaubten wir, manche Teile könnten für die Erneuerung verwendet werden. Wir haben uns getäuscht, es blieben nur das Gerippe und die Außenhaut“, musste Kaizler einsehen. Nach einem alten Plan wurden alle 1100 Blechplatten, aus denen der Rumpf ursprünglich genietet war, durchleuchtet und auf Sicherheit überprüft. Rund 70 der Bleche mussten erneuert werden. „An manchen Stellen, besonders in den Bereichen der Ruderanlage und der Toiletten, zeigten sich gravierende Schäden. Nach dem Sandstrahlen waren an einigen Stellen nur noch Rost und ein bisschen Farbe übrig geblieben.“

An die acht Millionen Euro

Hatte der Verein ursprünglich die gesamte Renovierung aus Fachgutachten auf dreieinhalb bis vier Millionen Euro hochgerechnet, sieht man sich nun vor der ernüchternden Realität. Obmann Jürg Zimmermann, Finanzchef des Vereins, sieht sich nach Einholung von Offerten nun vor dem doppelten Betrag. „Die gründliche Renovierung des historischen Schiffes wird letztlich zwischen sieben und acht Millionen Euro kosten.“ Die Kostensteigerung sei darauf zurückzuführen, dass sich fast nichts mehr an Bord als wiederverwendbar erwies, auch die Antriebswellen, die Ruderanlage und die Propeller müssen erneuert werden. Die neuen Aufbauten, die in Linz angefertigt und in Sektionen nach Fußach transportiert werden, fallen schwerer ins Gewicht als erwartet.

Noch nicht vergeben ist die nobel geplante Inneneinrichtung, die von einem Tiroler Spezialbetrieb mit 1,6 Millionen Euro angeboten wird. „Das scheint uns denn doch etwas zu hoch“, sagt Obmann Zimmermann. Der Verein will versuchen, diesen Auftrag an Vorarlberger Tischlereibetriebe zu vergeben.

Neue Ruderanlage

Tief im Rumpf werken derzeit mit präzisen Messwerkzeugen zwei Ingenieure einer Rotterdamer Firma, die auf den Bau von Ruderanlagen spezialisiert sind. Das Unternehmen wird ein Angebot für eine moderne Ruderanlage, gekoppelt mit einem Autopilot, stellen. „Wir bauen weltweit Steuereinheiten in Schiffe ein“, sagt einer der Holländer. Derzeit modernisiere man die Anlagen von alten Frachtkähnen auf der Seine: „Aber die ,Österreich` ist das schönste Schiff, an dem wir im Moment tätig sind.“

Abgesehen von der Frage der Finanzen ist der mittelfristige Kurs der „Österreich“ absehbar. Bis Oktober darf das Schiff in Fußach bleiben. Über den Sommer werden die Aufbauten aus Linz durch das flexible Dach der Einhausung eingehoben. Dann wird das Schiff wieder in den Harder Industriehafen überstellt, wo es nach Zusage der Gemeinde bis zur Komplettierung liegen darf. Ein endgültiger Standort ist aber noch nicht gefunden. Eine Verlegung mit der „Hohentwiel“ ins Harder Binnenbecken löste eine heftige Kontroverse aus, der Bürgermeister setzte einen zu dieser Frage gebildeten Arbeitskreis ab und beauftragte damit ein Expertengremium.