Bürgermeister als Sicherheitskräfte

26.04.2017 • 17:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Polizei soll wieder bürgernäher werden. Foto: VN/Hofmeister
Die Polizei soll wieder bürgernäher werden. Foto: VN/Hofmeister

Vorarlbergs Ortschefs übernehmen die Rolle der Sicherheitsgemeinderäte im Projekt „gemeinsam sicher“.

Bregenz. (VN-mip) Laut Weltfriedensindex ist Österreich das drittfriedlichste Land der Welt. Die Aufklärungsquote liegt auf einem Rekordhoch. Dennoch fühlen sich Österreichs Bürger unsicherer als noch vor einigen Jahren; das subjektive Sicherheitsgefühl nimmt ab. Österreichs Politik will das ändern, und zwar mit dem Projekt „gemeinsam sicher“. Es soll die Hemmschwelle senken, die Polizei zu kontaktieren, und der Polizei wieder ein Gesicht geben. Der Dorfpolizist gilt als Vorbild. Quasi zurück zu den Wurzeln. Oder wie es Landesrat Erich Schwärzler formuliert: „Vom Bild des strafenden Polizisten zurück zum Bild des helfenden Polizisten.“ Wie das im Detail aussieht, präsentieren Landesrat und Landespolizeidirektor Hans-Peter Ludescher derzeit auf sogenannten Sicherheitsstammtischen im ganzen Land, am Dienstag etwa in Bregenz.

Alte Holztäfelung, ein Rednerpult aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts, Fotos honoriger Herren an den Wänden, unbequeme, aber schöne Stühle: Dem Stadtvertretungssaal im Bregenzer Rathaus ist seine Geschichte anzusehen. Hierher lud Bürgermeister Markus Linhart Vertreter der Polizei, der Bezirkshauptmannschaft und Bürgermeisterkollegen am Dienstagabend ein, um sich von Schwärzler und Ludescher die Zukunft der Polizeiarbeit vorstellen zu lassen. In Hard, Thüringen, Bludenz und Krumbach war die Runde bereits zu Gast, am Mittwoch folgte Schruns. Feldkirch und Dornbirn stehen ebenfalls auf dem Tourplan. „In Summe haben wir alle Bürgermeister erreicht“, erklärt Schwärzler. Die Ortschefs erfahren dabei, dass sie selbst die Rolle des Sicherheitsgemeinderats übernehmen werden.

Polizist auf Facebook

Der Plan sieht vor, dass in jeder Gemeinde ein Sicherheitsgemeinderat eingesetzt wird. Er soll als Schnittstelle zwischen Gemeinde und Sicherheitspersonal dienen. „Bei uns ist das Chefsache“, sagt Schwärzler. Jene vier Bürgermeister, die am Dienstag anwesend waren, widersprachen dem nicht. Das Herzstück des Projekts ist die Sicherheitspartnerschaft zwischen Polizei, engagierten Bürgern, den Bürgermeistern und den Sicherheitskoordinatoren. Hat ein Bürger ein Problem, soll er sich an seinen Polizisten wenden, dieser nimmt sich des Problems an. Er bringt die Sicherheitspartner und Betroffene an einen Tisch, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Deshalb sollte der Polizist bekannt sein, sprich: ein Gesicht bekommen. Das soll über Facebook geschehen, auch über WhatsApp und andere Kanäle wird der Dorfpolizist erreichbar sein. Auf den bodenständigen Weg wird aber nicht vergessen: „Polizisten sollen durch die Straße gehen, auch einmal in die Geschäfte gehen und fragen, wie es so läuft“, stellt sich Schwärzler vor.

Für die Koordination sind zwei zusätzliche Dienststellen in der Landespolizeidirektion geschaffen worden, Sicherheitskoordinatoren genannt. Modelle wie „gemeinsam sicher“ laufen unter dem Fachbegriff „Community Policing“. Erfahrungen aus der Schweiz zeigten, dass es bis zu fünf Jahre dauern kann, bis sich ein solches System etabliert, erklärt Hans-Peter Ludescher. Es kann also noch dauern, bis sich die Österreicher wieder so sicher fühlen, wie sie es tatsächlich sind.

Die Polizei soll weg vom Bild des strafenden Polizisten.

Erich Schwärzler