Dieb mit Bibel unterwegs

26.04.2017 • 20:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte wartet vor dem Verhandlungssaal auf seinen Prozess. Ihm wird räuberischer Diebstahl angelastet.  Foto: Eckert
Der Angeklagte wartet vor dem Verhandlungssaal auf seinen Prozess. Ihm wird räuberischer Diebstahl angelastet. Foto: Eckert

Als ihn Bewohner erwischten, wurde 26-jähriger Rumäne allerdings rabiat.

Christiane Eckert

Feldkirch. Der dreifache Familienvater verkaufte Zeitschriften auf der Straße. Damit verdiente er zwischen 15 und 25 Euro pro Tag. Im Februar kam ihm die Idee, sein Einkommen auf illegale Weise aufzubessern. Als Angeklagter beim Prozess am Landesgericht Feldkirch behauptet er, dass er sich gar nicht erinnern könne, warum er an jenem Tag in die Wohnung in einem Montafoner Hotel geschlichen sei.

„Ich entschuldige mich 1000 Mal“, lässt er die Rumänisch-Dolmetscherin übersetzen. Jedenfalls schlich er sich gegen 22 Uhr in die Wohnung eines Ehepaars und durchsuchte sie nach Wertgegenständen. Dabei wurde er überrascht. Die Frau alarmierte ihren Mann, der stellte den betrunkenen Einschleichdieb.

Über Balkon getürmt

Doch der Dieb gab seine Beute nicht kampflos auf, es kam zu einem Gerangel, der Wohnungsinhaber drängte den Mann mit einem Stuhl zur Seite. Dieser versuchte immer wieder, seinen Rucksack mitzunehmen. Einen Teil der Beute hatte er allerdings bereits in seinen Hosentaschen versteckt. Mit einer Anstecknadel, 100 Euro, einer Daunenjacke und sonst ein paar Kleinigkeiten floh der Rumäne über den Balkon. Aufgrund der Personenbeschreibung konnte der Mann allerdings am selben Tag ausfindig gemacht und in Haft genommen werden. Seinen Rucksack habe er holen wollen, weil dort noch eine Bibel und sein Pass drin waren, gibt der Mann an.

Verängstigt

„Es ist wie ein Albtraum. Die Leute kamen nach Hause, es ist dunkel und ein Fremder wühlt in ihren Sachen“, macht Staatsanwalt Heinz Rusch klar, dass es hier nicht um materielle Werte geht, sondern um das Unbehagen und die Angst, die die Opfer nicht so einfach wieder loswerden. „Mein Mandant war betrunken, wusste nicht genau, was er tat. Er ist bislang noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten“, plädiert Verteidiger Manuel Dietrich für ein mildes Urteil. Acht Monate Haft unbedingt plus 16 Monate auf Bewährung werden es dennoch. Räuberischer Diebstahl wird mit bis zu fünf Jahren bestraft.

„Derartige Vorfälle nehmen zu und es muss klar sein, dass man nicht zu uns kommen kann, um sich einfach zu nehmen, was man will“, begründet Richter Richard Gschwenter das Urteil.