Naturnahes Händchen für Pflanzen

26.04.2017 • 16:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Stephan Ludescher düngt diesen Tomatenstrauch mit einem biologischen Dünger aus Schafwollpellets. Foto: VN/Paulitsch
Stephan Ludescher düngt diesen Tomatenstrauch mit einem biologischen Dünger aus Schafwollpellets. Foto: VN/Paulitsch

Biologischer Dünger ist wie gesundes Essen für uns Menschen. Er macht die Pflanzen glücklicher.

Klaus. (VN-jun) Stephan Ludescher (50) teilt mit den Fingern eine Primelblüte. So kommt er an den Blütenstaub in der Mitte der Pflanze heran. Er streicht den Blütenstaub auf den sogenannten Stempel einer anderen Primel. „Jetzt ist die Blume bestäubt“, erklärt der Gärtner. „Genau das machen auch die Bienen. Allerdings machen sie das willkürlich, gehen ihrem Instinkt nach. Der Gärtner sucht sich die Pflanzen gezielt aus.“

Seit über 50 Jahren züchtet die Gärtnerei Ludescher in Klaus eigene Primeln. Die vier verschiedenen Serien umfassen insgesamt 150 Sorten, von leuchtenden Farben über Pastelltöne bis hin zu dunkelfarbigen Blüten ist alles dabei. Dafür werden alle zwei Jahre Tausende Primeln händisch bestäubt, sodass knapp eine halbe Million Pflanzen entstehen. „Die züchterische Arbeit ist sehr aufwendig und kostenintensiv. Dabei gibt es keine Garantie, dass man das Endprodukt wirklich brauchen kann“, sagt Ludescher.

Fachwissen notwendig

Bei der Züchtung neuer Sorten wird viel experimentiert. „Wir brauchen an die 3000 Versuche, bis eine neue Sorte herauskommt“, weiß der Experte. „Kreuzt man eine gelbe mit einer blauen Primel, kann sowohl Violett herauskommen als auch eine blaue Blume mit gelbem Rand. Das kann man nicht vorhersehen, und das macht die Arbeit so spannend.“ Für die Züchtung braucht man deshalb spezielles Fachwissen. „Man versucht, die guten Gene der Pflanze beizubehalten und die schlechten zu verlieren. Das funktioniert nur, wenn man die richtigen Partner für die Kreuzung aussucht“, erläutert der Experte. Für Hobbygärtner sei es deshalb sehr schwierig, selbst Pflanzen zu züchten.

Die Pollen wandern nach der Bestäubung in den Fruchtknoten der Pflanze, dort kommt es zur Befruchtung. Der Samen reift und der Fruchtknoten wächst. „Am Anfang sind die Samenkörner grün und unreif, am Ende sind sie dunkelbraun. Der Fruchtknoten platzt entweder von selbst auf oder der Gärtner hilft von Hand nach“, informiert Ludescher. Der Samen wird geerntet, gereinigt und getrocknet. Am Ende erhält man einen keimfähigen Samen für die Produktion neuer Pflanzen.

Gesunde Ernährung

Damit die Pflanzen gut wachsen und sich wohlfühlen, wird in der Gärtnerei Ludescher seit dieser Saison naturnah gegärtnert. „Wir verwenden organischen Dünger, natürlichen Pflanzenschutz und setzen Nützlinge gegen Schädlinge ein“, erklärt Ludescher. Er setzt auf Homöopathie, natürliche Pflanzenstärkungsmittel wie Knoblauch- oder Schachtelhalmextrakte und düngt unter anderem mit Schafwollpellets. „Durch die biologische Ernährung der Pflanzen wird ihre Zellstruktur intensiver, was beispielsweise die Farben bei Blumen kräftiger leuchten lässt“, betont der Gärtner. Zudem entwickeln die Pflanzen einen Schutzmechanismus gegen Krankheiten. „Seitdem wir naturnah produzieren, haben wir keinen flächendeckenden Lausbefall mehr, denn Pflanzen können untereinander kommunizieren und ihre Artgenossen vor Krankheiten oder Befall warnen“, erklärt Ludescher. Diese aktivieren dann ihre Schutzmechanismen. „Pumpen wir aber die Pflanzen mit chemischen Stoffen voll, sind sie wie gelähmt.“

Deshalb rät Ludescher auch allen Hobbygärtnern, organischen Dünger zu verwenden. „Gerade bei selbst angepflanztem Gemüse, das den ganzen Sommer wächst und im Herbst geerntet werden soll, muss man düngen, denn die Pflanzen brauchen Nährstoffe, um zu wachsen.“

Pflanzen können untereinander kommunizieren.

Stephan Ludescher

Naturnahes Gärtnern

» Pflanzenstärkungsmittel
mit Knoblauch- und Schachtelhalmextrakten werden Pflanzen vital stark gemacht

» Dünger
bei Schafwollpellets und Horndünger ist der Stickstoff nicht nur schnell wirksam, sondern wirkt auch lange

» Schädlingsbekämpfung
anstatt zum Pflanzenschutzmittel zu greifen, kann man Nützlinge gegen Schädlinge einsetzen

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