Das Ende der Gulaschkanone

03.05.2017 • 19:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
70 Feldküchen gibt es in Österreich. Die Verpflegung der Soldaten soll eine Zentralküche übernehmen.  BMLVS
70 Feldküchen gibt es in Österreich. Die Verpflegung der Soldaten soll eine Zentralküche übernehmen.  BMLVS

Ab 2020 werden die Vorarlberger Kasernen von einer Zentralküche in Salzburg versorgt.

Wien. Die Gulaschkanonen befinden sich im Bundesheer auf dem Weg zum Relikt. Zwar sind die Feldküchen und -köche in den Vorarlberger Kasernen noch im Einsatz. Das wird sich allerdings bald ändern. Ab 2020 ist „Cook and Chill“ angesagt. Also jenes System, mit dem auch schon die Landeskrankenhäuser von Feldkirch aus versorgt werden. Für die Vorarlberger Soldaten werden die Speisen künftig in Salzburg zubereitet, schockgefroren, mit einem Kühltransporter nach Bludesch und Bregenz gebracht und in den dortigen „Finalisierungsküchen“ für die Soldaten aufgewärmt. Die Umstellung ist längst beschlossen. Den Startschuss habe der frühere Verteidigungsminister Günther Platter (2003 bis 2006) gegeben, erklärt ein Sprecher des Verteidigungsressorts. Die bereits bestehenden Zentralküchen in Wien, Wiener Neustadt, Graz und Klagenfurt hätten sich bewährt. Die letzte Zentralküche soll 2019 oder 2020 in Salzburg voll in Betrieb genommen werden. Von dort aus würden die Kasernen in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg versorgt. Die Lieferabstände und -routen seien noch offen. Das Konzept werde erst erstellt. So könnte ein Kühltransporter jeden zweiten Tag oder auch nur einmal pro Woche ausfahren. Die Lieferungen nach Vorarlberg seien sowohl über Tirol als auch über das deutsche Eck möglich.

„Nur für Sonnenschein“

FPÖ-Wehrsprecher Reinhard Bösch gerät angesichts dieser Pläne in Rage. Das Bundesheer werde im wahrsten Sinne des Wortes ausgehungert. Sollte eine Katastrophe eintreten, könnten die Kasernen weder die Truppen noch die Zivilbevölkerung versorgen. „Jede Kompanie braucht eine Feldküche, die ohne Strom funktioniert. Nur so ist sie im absoluten Notfall einsatzfähig“, sagt Bösch: „Das ‚Cook and Chill‘-System ist was für Sonnenschein und Frieden, aber sicher nichts für eine Armee.“ Zudem würden unnötig Hunderttausende Kilometer im Jahr verfahren, nur um Speisen zu transportieren. Bereits kleinere Verkehrsbehinderungen könnten die Versorgung der Soldaten oder der Bevölkerung gefährden. Nicht auszudenken, was im Falle einer richtigen Katastrophe wäre, „wenn es keinen Treibstoff mehr gibt oder wichtige Wege abgeschnitten sind“, warnt der FPÖ-Wehrsprecher.

System hat sich bewährt

Laut Verteidigungsressort ist dieses Szenario unwahrscheinlich. „Da würden wir von einem Meteoreinschlag sprechen, der drei Bundesländer betrifft“, erklärte ein Sprecher. Er verwies auch darauf, dass sich das „Cook and Chill“-System sowohl in der US-Armee als auch im französischen Heer durchgesetzt habe. Beim Militäreinsatz im Tschad seien die Soldaten zum Beispiel von einem internationalen Caterer beliefert worden. „Die Zeiten, in denen man eine Feldküche aufgebaut hat, sind vorbei.“ Für Notfälle seien weiterhin 70 Gulaschkanonen in ganz Österreich verteilt. Auch gebe es zwei Containerküchen, die in Katastrophengebiete eingeflogen werden könnten.

Für Bösch ist das keine Beruhigungspille, zumal das Bundesheer schon zahlreiche Feldküchen verschleudert habe. Einer funktionierenden Selbstversorgung entspreche das jedenfalls nicht.

Jede Kompanie braucht eine Feldküche, die ohne Strom funktioniert. Nur so ist sie einsatzfähig.

Reinhard Bösch

Stichwort. Cook and Chill (Kochen und Kühlen)

In Vorarlberg ist „Cook & Chill“ bereits bekannt. So werden etwa die Landeskrankenhäuser mit diesem System versorgt. Das heißt, das Essen wird in Zentralküchen vorbereitet, der Garprozess aber kurz vor Fertigstellung unterbrochen. Noch im heißen Zustand werden die Speisen verpackt und schockgekühlt. Die Lagerung und der Transport der Lebensmittel erfolgt bei rund vier Grad Celsius. Zubereitet werden die schockgekühlten Speisen dann in sogenannten Finalisierungsküchen. Diese sollen auch in den Bundesheerkasernen in Bludesch und Bregenz eingerichtet werden. Die Zentralküche des Bundesheers, die Salzburg, Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg beliefert, wird in Salzburg stationiert.