Für Rhesi ist Zuversicht am Wachsen

Vorarlberg / 05.05.2017 • 20:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Rhein bei den Mastrilser Auen. So soll er auch bei uns einmal sein. Foto: VN
Der Rhein bei den Mastrilser Auen. So soll er auch bei uns einmal sein. Foto: VN

Allmähliche Annäherungen zu Kompromiss bei Hochwasserschutzprojekt am Rhein.

Schwarzach. Rhein-Erholung-Sicherheit, kurz Rhesi: Das Jahrhundertvorhaben mit einem Investitionsvolumen von rund 500 Millionen Euro beschäftigt seit Jahren Experten, Kommunen, Politiker und gemeine Bürger auf Schweizer und österreichischer Seite des Alpenflusses. Große Interessensgegensätze prallen aufeinander: Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Ökologie, Naherholung. Rhesi soll letztlich den Rhein sicherer, naturnaher und erlebbarer machen – eine riesige Herausforderung

Nach fast sechs Jahren Projektentwicklung und Planung ist bis Ende 2017 die Präsentation des generellen Projekts vorgesehen. Und nachdem einerseits Schweizer Umweltverbände ihre Beeinspruchung des Projekts eingestellt und andererseits die verschiedenen Interessensgruppen ihre Dosis an Kompromissbereitschaft erhöht haben, scheint ein Durchbruch nahe.

Aufweitung bei Viscose?

„Wir bewegen uns immer mehr auf einem gemeinsamen und konstruktiven Weg. Mein Bauchgefühl ist viel besser als im Vorjahr zur selben Zeit“, liefert Projektleiter Markus Mähr (43) seine persönliche Einschätzung. Entscheidend aus Mährs Sicht sind die angestrebten Lösungen auf Höhe der Viscose in Widnau und im Bereich Hard/Fußach. „Bei der Viscose in Widnau besteht die Möglichkeit einer weiteren Aufweitung des Rheins – so wie es die Ökologen gerne sehen. Gleichzeitig sehe ich Möglichkeiten, die dort befindlichen sechs Brunnen zu halten. Damit wäre dem Wasserwerk Mittelrheintal gedient“, ergänzt Mähr. Was bei Hard/Fußach passieren oder nicht passieren soll, ist hingegen ungewisser. Mähr hat auch dort den ökologischen Ansatz noch nicht ganz aus den Augen verloren, es existiert aber auch eine Art Plan B mit der Schaffung von Ausweichkanälen zur Ermöglichung eines biologischen Austauschs zwischen Rhein und See. Fußachs Bürgermeister Ernst Blum (60) hat bezüglich einer möglichen Aufweitung des Flusses in seinem Gemeindegebiet eine klare Haltung. „Aus Hochwasserschutzsicht ist diese nicht notwendig, und die Gründe dafür sind nicht zu bekommen. Von daher meine ich: Man soll das abhaken und die Rhesi-Planungen zügig vorantreiben, ohne sich weiter mit dieser Variante zu beschäftigen.“

In Koblach wird beraten

Und in Koblach/Mäder? „Wir befinden uns gerade in der Entscheidungsfindung über die Annahme oder Ablehnung des jetzt vorliegenden Plans bezüglich Dammabrückung“, lässt Koblachs Bürgermeister Fritz Maierhofer (59) wissen. Eingebunden in diesen Prozess sind dort die Nutzungsberechtigten der betroffenen Grundstücke sowie die Gemeindevertreter. Auch die Agrargemeinschaft Meiningen ist in den Prozess involviert.

Im Juni soll eine Entscheidung zur von der Projektleitung vorgeschlagenen Lösung fallen. Fritz Maierhofer: „Ich möchte dieser Entscheidung nicht vorgreifen, aber ich habe irgendwie ein gutes Gefühl.“

Rhein-Vision

Auch in Lustenau regiert vorsichtiger Optimismus. „Rhesi kommt auf den Weg“, ist Bürgermeister Kurt Fischer (53) überzeugt. „Ich gehe davon aus, dass wir in absehbarer Zeit eine Variante auf dem Tisch haben. Die verschiedenen Interessen sind unter einen Hut zu bringen.“ Fischer fasziniert die Vision eines Rheins, „der wieder zu den Leuten kommt und als Freizeitgebiet zur Verfügung steht. Gleichzeitig wird er sicherer.“

Die Umgestaltung des Rheins zur Verbesserung von Hochwassersicherheit und Ökologie basiert auf einem sogenannten Trittsteinkonzept. Im Abstand von wenigen Kilometern soll der Rhein an mehreren Stellen aufgeweitet werden, um einerseits die Fließgeschwindigkeit zu verringern, andererseits neues Leben im Fluss zu ermöglichen. Die Durchflusskapazität soll von derzeit 3100 m3 pro Sekunde auf 4300 m3 pro Sekunde erhöht werden.

Bei der Viscose besteht die Möglichkeit einer Auf­weitung.

Markus Mähr

Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Gespräche gut verlaufen.

Fritz Maierhofer

Fakten zu Rhesi

» Rhesi: Kürzel für Rhein, Erholung und Sicherheit

» Projektinhalt: Hochwasserschutz-projekt für den Alpenrhein vom Illspitz bis zur Bodenseemündung auf 26 Kilometern Länge

» Ziel: Erhöhung der Durchflusskapazität von derzeit 3100 m3auf 4300 m3

» Planungsbeginn: 2011

» Geplante Umsetzungsdauer: 20 Jahre

» Betroffen: 26 Kommunen auf beiden Seiten des Rheins; 13 in der Schweiz, 13 in Österreich

» Ungefähre Gesamtkosten:
500 Millionen Euro