Altkleidersäcke als Fundgrube

16.05.2017 • 17:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schlüssel zählen zu den meistgefundenen Dingen im Sortierwerk, wie Standortleiter Engelbert Grabherr berichtet. Fotos: VN/Bernd Hofmeister
Schlüssel zählen zu den meistgefundenen Dingen im Sortierwerk, wie Standortleiter Engelbert Grabherr berichtet. Fotos: VN/Bernd Hofmeister

Zwischen den Kleidungsstücken tauchen im Caritas-Sortierwerk kuriose Dinge auf.

Hohenems. Jede Menge Schuhe stapeln sich neben Elisabeth Loretz (55). Mit einer schnellen Handbewegung greift sie nach einem Paar roter Sneakers. Ein kurzer Qualitätscheck – und schon landen die Treter bei einem Haufen anderer Turnschuhe. Rund 60 Menschen sind im carla Kleidersortierwerk in Hohenems im Rahmen eines vom AMS gestützten Projekts beschäftigt und sortieren in der 1000 Quadratmeter großen Halle die Kleiderspenden. „Die Arbeit macht Spaß“, sagt Loretz, „man bekommt die Chance, aus dem tiefen Loch herauszukommen und wieder zu sich selbst zu finden.“

Die 400 Container im Land werden einmal wöchentlich geleert. „Etwa zwölf Tonnen Altkleider werden pro Tag gebracht“, erklärt Standortleiter Engelbert Grabherr. Durch Rolltore werden die Säcke wagenweise in die Halle gekarrt. Unmittelbar neben Elisabeth Loretz sind gerade vier Frauen damit beschäftigt, Sachen auszupacken und vorzusortieren. Sie trennen etwa Stofftiere, Gürtel und Müll von der restlichen Ware. Über die Hälfte der Kleidung ist weiter tragbar. Ein Drittel wird recyclet. Ein kleiner Teil muss entsorgt werden.

Große Geldsummen

Immer wieder werden bei der Sortierung auch die kuriosesten Dinge zutage befördert. „Einmal wurde Fleisch gefunden. Manchmal kommen auch unanständige Dinge zum Vorschein“, berichtet Grabherr und schmunzelt. Biomüll sei glücklicherweise aber nur selten in den Säcken. Oft gefunden würden Schmuckstücke – darunter auch Eheringe – oder Schlüssel. Auch Geld fischen die Sortierer immer wieder aus Taschen. Wertgegenstände und Beträge ab 30 Euro werden werden zur Seite gelegt und es werde dokumentiert, in welchem Kleidungsstück diese gefunden worden sind. Meldet sich innerhalb eines Jahres niemand, fließe das Geld in Projekte der Caritas.

Manchmal kommen auch größere Summen zum Vorschein. An einen verzweifelten Anrufer erinnert sich Grabherr noch gut. Dieser vermisste ein Kuvert mit 10.000 Franken. „Er hatte sein Auto verkauft und das Geld ins Sakko gesteckt. Offenbar hatte seine Frau dieses versehentlich entsorgt.“ Sakko und Kuvert konnten tatsächlich noch gefunden und dem Besitzer wieder übergeben geben werden.

Grundsätzlich würden die Vorarlberger viele brauchbare Kleidungsstücke in die Container werfen. „In den vergangenen 20 Jahren haben die Mengen zugenommen. Hinzugekommen ist viel Discounter-Ware“, sagt der Standortleiter. Den Grund dafür sieht er darin, dass die Kleidung weniger lange getragen wird und viel mehr Neuware auf den Markt kommt. Gute Männersachen seien aber trotzdem eher Mangelware.

Etwa zwei Prozent der Kleidungsstücke – die „Creme-Ware“ – landet nach der Feinsortierung im hintersten Teil der Halle. Dort wird diese noch einmal geprüft und dann in die carla Shops gebracht. In den Kisten finden sich auch Faschingskostüme oder ein mit Perlen besetztes Brautkleid. „Wir hätten Brautkleider mit einem Gesamtgewicht von mehreren hundert Kilo“, sagt Grabherr.

Ein weiteres Problem sind unzusammengebundene Schuhe. Bei einer Menge von zwölf Tonnen pro Tag sei es schwierig, diese wieder zusammenzubringen. 10.000 Kilo Einzelschuhe fallen jährlich an.

Elisabeth Loretz ordnet die Paare den Kategorien zu. „Leider bin ich nicht mehr lange da“, erzählt sie. Denn ihr Vertrag war befristet. „Ich habe Bewerbungen geschrieben und warte noch auf eine Antwort. Aber mit über 50 ist es halt schwierig, eine Stelle zu bekommen.“ Sollte es nicht klappen, hofft sie, noch einmal im Sortierwerk arbeiten zu dürfen.  

Einmal wurde in einem der Säcke sogar Fleisch gefunden.

Engelbert Grabherr

Mit über 50 ist es halt schwierig, eine Stelle zu bekommen.

Elisabeth Loretz
Bei der Grobsortierung werden Stofftiere, Gürtel oder Müll von den  Kleidungsstücken getrennt.
Bei der Grobsortierung werden Stofftiere, Gürtel oder Müll von den  Kleidungsstücken getrennt.

carla Tex Sortierwerk

» Rund 60 Tonnen Kleidung aus 400 Containern werden wöchentlich in Hohenems angeliefert

» Sortiert wird von 60 Mitarbeitern, die im Projekt einen fixen oder befristeten Arbeitsplatz bekommen

» Der Großteil der Kleidung wird wiederverwertet, sie wird für Katastrophenfälle gelagert oder für Projekte im Ausland verwendet. Die „Creme-Ware“ wird in die carla-Shops gebracht

Link zum Video: http://VN.AT/suaksP