Schlagen und Treten an Schulen

23.05.2017 • 16:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

70 Buben und zehn Mädchen wurden im Vorjahr im Pflichtschulbereich suspendiert.

Schwarzach. In Vorarlberg werden jährlich zwischen 70 und 80 Schüler wegen „Gefahr im Verzug“ suspendiert und damit für bis zu vier Wochen von ihrer Schule verwiesen. Gewaltprobleme gibt es mittlerweile sogar in Volksschulen. Speziell im Bereich der Vorschule und ersten Klassen, wie Pflichtschul­inspektoren berichten.

„Suspendiert werden dürfen aggressive Schüler, wenn sie sich selbst oder andere gefährden“, erklärt Landesschulinspektorin Karin Engstler. Dabei handle es sich um Extremfälle und nicht um Dauerstörer. Vorübergehend von der Schule verwiesen werde erst, wenn zahlreiche andere Maßnahmen nicht gegriffen hätten.

Zahl gestiegen

Suspendierungen werden im Land seit 1994 statistisch erfasst. Damals wurden 14 Verweise ausgesprochen. Zehn Jahre später waren es schon über 40. Seit 2006 bewegt sich die Zahl zwischen 70 und 80. Der Großteil dieser Schüler besucht Schulen in den Bezirken Bregenz und Dornbirn.

Für dieses Schuljahr gibt es laut der Landesschulinspektorin noch keine Zahlen. Im vergangenen Jahr kam es zu 80 Suspendierungen im Pflichtschulbereich. Konkret handelte es sich um 70 Buben und zehn Mädchen. Wie viele Volksschüler sich darunter befanden, war nicht zu erfahren, da diese Gruppe in der Statistik nicht extra angeführt wird. 

Beißen, kratzen, schlagen

Kommt es zu Suspendierungen, landen die Akten auf dem Schreibtisch der Pflichtschulinspektoren der jeweiligen Bezirke. Zum Großteil handle es sich um Mittelschüler, aber mittlerweile seien zunehmend auch Vorschüler und Erstklässler unter den Suspendierten, wie der für den Bezirk Bregenz zuständige Pflichtschulinspektor Wolfgang Rothmund auf Anfrage mitteilt. „Dabei geht es um Kinder, die auf Mitschüler losgehen, beißen, kratzen und auf Lehrpersonen einschlagen“, berichtet er.

Mit vereinzelten Suspendierungen im Volksschulbereich hatten es in den vergangenen zwei, drei Jahren ebenso die für den Bezirk Feldkirch und Bludenz zuständigen Inspektorinnen Maria Kolbitsch-Rigger und Judith Sauerwein zu tun. „Wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt, wird so ein klares Signal an die Eltern gesendet“, sagt Sauerwein.

Kaum bewältigbar

Unabhängig vom Thema Suspendierung klagen Volksschulleiter generell immer häufiger über Auffälligkeiten im Sozialverhalten der Jüngsten. Die Gesellschaft wird immer bunter und verhaltenskreativer, sagt Sauerwein. Sozial-emotionale Schwierigkeiten der Kinder sind oft auch auf Eltern zurückzuführen, die zu wenig Zeit für die Erziehung haben. Die aktuelle Situation sei mit dem traditionellen Unterricht und mit Klassen mit bis zu 25 Kindern im Grunde nicht mehr bewältigbar, da „wir jetzt in einer individuellen Welt leben“. Suspendierte Schüler aus dem Pflichtschulbereich oder Schüler, die mit Problemen in der Schule konfrontiert sind, werden unter anderem von Mitarbeitern der „Zick Zack“-Schulsozialarbeit betreut. Im Falle einer Suspendierung kommt es unmittelbar zu einer Zuweisung durch den Bezirksschulrat.

Zick-Zack-Mitarbeiter nehmen Kontakt mit den Eltern des betroffenen Kindes beziehungsweise Jugendlichen auf. Im Rahmen der Suspendierungsbegleitung bearbeiten Schüler in einer Kleingruppe mithilfe unterschiedlicher Methoden wie etwa Rollenspiele, kreative Aufgaben oder Klettern ihre schulische Situation.

Der Großteil der Eltern nutzt diese freiwillige Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder, heißt es seitens der Pflichtschulinspektoren.

Eine bedenkliche Tendenz lässt sich laut Landesschulinspektorin Engstler aus der Statistik nicht ableiten. Schließlich gebe es in Vorarlberg im Pflichtschulbereich 36.000 Schüler. Aber in gesellschaftlicher Hinsicht habe sich viel verändert.

Es geht um Kinder, die auf Mitschüler losgehen, beißen, kratzen und auf Lehrpersonen einschlagen.

Wolfgang Rothmund

Stichwort. Suspendierung

Wenn ein Schüler seine Pflichten in schwerwiegender Weise verletzt und die Anwendung von Erziehungsmitteln gemäß Paragraph 47 oder von Maßnahmen gemäß der Hausordnung erfolglos bleibt oder wenn das Verhalten eine dauernde Gefährdung von Mitschülern oder anderer an der Schule tätigen Personen hinsichtlich ihrer Sittlichkeit, körperlichen Sicherheit oder ihres Eigentums darstellt, ist der Schüler von der Schule auszuschließen. An allgemein bildenden Pflichtschulen ist ein Ausschluss nur zulässig, wenn das Verhalten des Schülers eine dauernde Gefährdung von Mitschülern oder anderer an der Schule tätigen Personen darstellt und die Erfüllung der Schulpflicht gesichert ist. (Quelle: Schulunterrichtsgesetz)