Historisches Gemäuer erhalten

Vorarlberg / 01.06.2017 • 17:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei hochsommerlichen Temperaturen wurde diese Woche ein weiteres Teilstück der Trockenmauern entlang der Vanovagasse zwischen Bludesch und Thüringen saniert. Fotos: VN/js
Bei hochsommerlichen Temperaturen wurde diese Woche ein weiteres Teilstück der Trockenmauern entlang der Vanovagasse zwischen Bludesch und Thüringen saniert. Fotos: VN/js

Zweite Sanierungsetappe der Trockensteinmauern entlang der Vanovagasse erfolgt.

Thüringen, Bludesch. (VN-js) Es wird abgemessen, gehämmert, positioniert, geklopft, neu ausgerichtet, noch einmal gespitzt, angepasst und nachgemessen. Dann sitzt einer der vielen Steine der Trockensteinmauern entlang der Vanovagasse zwischen Bludesch und Thüringen. Eine schweißtreibende Arbeit mit der 28 Studenten und Hochschüler der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien bzw. der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf im Rahmen einer international besetzten Sanierungsinitiative diese Woche beschäftigt waren. Ziel dabei ist es, unter fachkundiger Anleitung dreier Mauerbauexperten aus der Schweiz, die geschichtsträchtigen Mauern zu sanieren. Der besonders herausfordernde Mauerteil im mittleren Bereich der Gasse wurde außerdem unter der Bauleitung von Martin Lutz von Lehrlingen der Firma Gabriel Bau erneuert.

Bis zu 3,8 Meter hoch

Die rund 600 Meter lange Vanovagasse ist eine bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückreichende Wegeverbindung. Auf einer Länge von knapp über 400 Metern wird sie nordseitig von historischen Mauern flankiert, die Zeugnis längst vergangener Zeit sind. Früher stand hier das Jordanschloss, das den gesamten Hang oberhalb der Gasse zum Weinbau nutzte. „Heute machen vor allem ihre Bauhöhen von teilweise bis zu 3,80 Meter, bauliche Besonderheiten wie Wasserauslässe, Stiegenaufgänge, Strebepfeiler, Nischen und Bögen, aber auch ihre nach wie vor rege Nutzung durch Fußgänger den besonderen Wert aus“, beschreibt Lektor Stefan Locher von der Boku Wien.

Bedeutendes Bauwerk

„Die Mauern der Vanovagasse sind eines der bedeutendsten historischen Bauwerke der Vorarlberger Kulturlandschaft“, stellten Prof. Anita Drexel und ihr Team von der Boku Wien vor einigen Jahren fest. Diese ist seit acht Jahren im Auftrag des Landes mit der Erstellung des „Mauerinventars Vorarlberg“ beschäftigt. „Da die Mauern teilweise stark in Mitleidenschaft gezogen waren, wurde im Vorjahr mit den Sanierungsarbeiten begonnen“, informiert Stefan Locher.

Zweite Etappe

Nachdem im Vorjahr ein rund 20 Meter langes und etwa 1,3 Meter hohes Teilstück erneuert wurde, setzte man nun die begonnenen Arbeiten fort. Im Vorfeld der Sanierungsaktion war der Aufbau einer Arbeitsrampe sowie die Abtragung des Geländes hinter der Mauer erforderlich. Zu Wochenbeginn waren die Studenten zunächst mit der Abtragung der bestehenden Mauer beschäftigt. „Das alte Material kann teilweise wiederverwendet werden. Rund 50 Prozent der Steine müssen aber erneuert werden“, führt Locher aus. „Heuer waren dafür zwei Lieferungen mit je 13 Tonnen kompaktem Kalkgestein aus Andelsbuch erforderlich“, so der Landschaftsbauexperte. Finanziell wurde das Projekt übrigens von der Umwelt- und Kulturabteilung des Landes unterstützt als auch von der Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz, die seit 1976 Gruppeneinsätze zum Schutz und zur Pflege der Natur plant, vermittelt und betreut.

Bis über 3,5 Meter musste die Steinmauer aufgetürmt werden.
Bis über 3,5 Meter musste die Steinmauer aufgetürmt werden.

Stichwort. Trockensteinmauer

Trockensteinmauern sind Mauerwerke aus Bruch- bzw. Natursteinen, die ohne Zuhilfenahme von Mörtel errichtet werden. Die Stabilität einer Trockensteinmauer wird nur durch die Reibung der aufeinanderliegenden Steine erzielt. Ein Drittel der verbauten Steine sollte in der Regel als sogenannte Bindersteine eingebaut sein, die nach hinten ins Erdreich bzw. in die Hintermauerung zeigen. Ebenfalls ein Drittel der Mauerhöhe sollte die Mauerbasis betragen. Bei anspruchsvolleren Bauwerken kommen in der Regel möglichst rechteckige Steine zur Anwendung. Trockenmauerwerke werden heute vor allem im Gartenbau angewandt, hatten aber in der Baugeschichte verschiedene Anwendungsbereiche, wie etwa beim Haus- und Objektbau, Brunnenbau, im historischen Wasserbau, bei der Anlage von Feld- und Wehrmauern sowie im landwirtschaftlichen Terrassenbau.