Nach Unfall neuen Mut gefasst

Vorarlberg / 01.06.2017 • 19:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Luca mit seinen Eltern Sabine und Mario Lombardi und seiner Schwester Luciana.  Foto: VN/Hofmeister
Luca mit seinen Eltern Sabine und Mario Lombardi und seiner Schwester Luciana. Foto: VN/Hofmeister

Luca Lombardi verunglückte mit Moped so schwer, dass er wiederbelebt werden musste.

Nüziders. Das Leben von Sabine Lombardi (52) plätscherte in ruhigen Bahnen dahin. „Ich lebte wie in einer Luftblase. Mir und meiner Familie ging es gut, meine Kinder waren alle gesund“, erinnert sie sich an ihr wie in Watte verpacktes Leben.

Aber am 10. September 2014 wurde die dreifache Mutter aus ihrem behaglichen Leben katapultiert und wachgerüttelt. Ihr Nesthäkchen, Sohn Luca, verunglückte an diesem Tag mit dem Moped. Der Kellnerlehrling war auf der Fahrt zur Arbeit, als es passierte. Der 16-Jährige fuhr ungebremst auf einen stehenden Linienbus auf.

Vom Hals abwärts gelähmt

Dabei verletzte er sich so schwer, dass sein Herz aufhörte zu schlagen. Ein Notarzt konnte Luca am Unfallort erfolgreich wiederbeleben. Bei der Behandlung im Krankenhaus stellten sich die erlittenen Verletzungen des Jugendlichen als so schwerwiegend heraus, dass sein Körper vom Hals abwärts gelähmt war. Luca konnte nicht mehr selbstständig atmen und musste über Monate beatmet werden. Die Hoffnungen der Mutter zerschlugen sich jäh, als ein leitender Arzt ihr mitteilte, dass der Zustand ihres Sohnes sich nicht mehr verbessern würde. Aber im Reha-Zentrum ging es aufwärts mit Luca. Dieser hatte den Unfall relativ gut verkraftet. „Mama war immer da“, bringt er zum Ausdruck, dass ihre Unterstützung und Liebe ihm enorm halfen und Auftrieb gaben.

Ein Jahr waren Mutter und Sohn gemeinsam auf Reha. In dieser Zeit tat sich viel. Nicht nur, dass die Beziehung der beiden enger wurde, allmählich kehrte auch wieder Gefühl in seine Gliedmaßen zurück. Aber die Krise kam, als dem jungen Nüziger Ende 2015 eine künstliche Schädeldecke eingesetzt wurde. Gleich nach dem Unfall war dem Burschen wegen seines schweren Schädel-Hirn-Traumas ein Teil des Schädelknochens entfernt worden, um einen steigenden Hirndruck zu vermeiden.

Familie als Rückhalt

Die Kopf-OP löste bei Luca große Angst aus. Er stürzte in ein seelisches Tief. „Mein Sohn dachte an Selbstmord. Er wollte nicht mehr leben und hat auch nichts mehr gegessen“, erzählt Sabine mit feuchten Augen. Luca überwand die Krise mit Hilfe von Medikamenten und Gesprächen mit Psychologen. „Mir half aber auch meine Familie“, betont der junge Mann, der dankbar ist, dass er in ein gutes Umfeld eingebettet ist.

Der 18-Jährige, der seit dem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist, wohnt daheim bei seinen Eltern. „Ich möchte aber einmal in meiner eigenen Wohnung leben.“ Wie fast alle jungen Menschen will auch Luca einmal eine Familie gründen. Zunächst aber möchte er sich umschulen lassen. Ihm schwebt ein Bürojob vor. „Am liebsten würde ich im IT-Bereich arbeiten“, sagt er. Seine Mutter hört ihm entspannt lächelnd zu. Es freut sie, dass bei ihrem Sohn der Lebensmut zurückgekehrt ist und er Zukunftspläne schmiedet.