Familiengeschichte in Grün-Weiß-Rot

Vorarlberg / 06.06.2017 • 18:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Maria Concin erzählt mit viel Humor auf Deutsch und Italienisch. Foto: cm
Maria Concin erzählt mit viel Humor auf Deutsch und Italienisch. Foto: cm

Maria Concin feierte ihren 99. Geburtstag im Kreise ihrer geliebten Familie.

Nüziders. (cm) Wenn die nunmehr 99-jährige Maria Concin Geburtstag feiert, gibt es Jahr für Jahr ein riesiges Familienfest. Kinder, Enkelkinder und Urenkel überbringen ihre guten Wünsche und freuen sich, wenn die geliebte Mama, Oma und Uroma von früher erzählt. Eine echte italienische Familie eben.

Maria Concin hat Humor, das merkt man vom ersten Moment an, wenn sie mit einem Lächeln und aufmerksamem Blick ihre Besucher willkommen heißt. An den Wänden sind viele Bilder von ihrer Familie bei gemeinsamen Reisen oder von besonderen Momenten. Auch ein Porträt von Padre Pio hat hier seinen Platz gefunden. Auf dem Tisch etwas Süßes und – typisch italienisch – starker Kaffee. Maria Concin ist stilvoll gekleidet, sitzt aufrecht in ihrem Rollstuhl und erinnert sich gerne an alte Zeiten, auch wenn diese für sie nicht immer ganz einfach waren.

Familiengeschichte

Aufgewachsen ist Maria Concin im Rom der 20er-Jahre. „Als ich zehn Jahre alt war, starb meine Mutter. Deshalb musste ich in das Istituto San Filippo Neri von den Schwestern San Vincenzo di Paoli. Von dort aus besuchte ich die nahegelegene Elementarschule Josè Carducci.“ Die Erinnerungen an jene Zeit sind nicht besonders positiv: „Das Essen war weder gut noch genügend, vor allem meine jüngere Schwester Adriana hat darunter sehr gelitten.“ Doch dann vermittelte eine nahe Verwandte der 15-jährigen Maria den Kontakt zu einem kinderlosen Ehepaar, das in Rom ein eigenes Haus besaß und bereit war, das Mädchen zu sich zu nehmen. Mit 18 Jahren begann die junge Frau die Ausbildung zur Krankenschwester, die sie im Oktober 1939 mit dem Diploma professionale erfolgreich abschloss. Die Freude an diesem Beruf sollte sie in der Zukunft an zwei ihrer sieben Kinder weitergeben, die Medizin studierten.

Die Liebe des Lebens

Ihren Mann lernte Maria in Rom kennen. Er war als Student der Rechtswissenschaften auf der Suche nach einer Unterkunft, fand ein passendes Zimmer im Haus der Ziehmutter von Maria und verliebte sich in die hübsche Römerin. 1943 heiratete das glückliche Paar und zog anschließend nach Bludenz zur Mutter von Alois Concin. „Am Anfang habe ich mich in Bludenz nicht sehr wohl gefühlt. Die Sprache war schwierig und die Menschen eher reserviert. Ich sage immer, es war „freddo“, also kalt, sowohl die Temperaturen als auch die fehlenden Beziehungen. Als meine Schwester mich einmal mitten im Winter besuchte, war sie von den hohen Schneewänden, dem Essen und den Umständen hier schockiert“, erinnert sich Maria lächelnd.

Reisepläne

Maria ist geblieben und hat gemeinsam mit ihrem Mann sieben Kinder großgezogen. Das Geld war immer knapp, vor allem als die Kinder größer wurden und die ersten zu studieren begannen. Sorgen gab es wie in jeder anderen Familie auch, meist die Konflikte und Schulnoten der Kinder. Mit ihrem offenen und fröhlichen Wesen überwand Maria Concin auch schwere Zeiten. „Padre Pio hat mir immer geholfen. Beispielsweise als mein Urenkelkind Hannah an Leukämie erkrankte. Da habe ich den Heiligen in der Not oft angerufen und er hat mich erhört.“ Der starke Glaube begleitet Maria Concin seit ihrer Kindheit.

Ihr größter Wunsch wäre es, noch einmal nach Rom zu reisen, so wie sie es früher mit vier ihrer Kinder jeden Sommer machte. Dazu hat sie auch schon genaue Pläne, wie sie erklärt. Sohn Leopold muss fahren, sie möchte ihre Nichte Anna und Großnichte Laura in Rom sehen und anschließend noch Station in Apulien machen. „Dort fühle ich mich wohl. Das Klima tut mir gut“, erklärt die 99-Jährige, die im Herzen immer eine Römerin geblieben ist, aber Nüziders als ihr Zuhause nennt. Und ihr schönstes Geburtstagsgeschenk? „Dass es meinen Kindern und ihren Familien gut geht, ganz einfach!“

Zur Person

Maria Concin

Geboren: 8. März 1918 in Rom

Familie: verwitwet, 7 Kinder (eine Tochter und sechs Söhne)