“Jugendliche halten mich frisch”

Vorarlberg / 06.06.2017 • 19:28 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
"Jugendliche halten mich frisch"

Der neue Jugendseelsorger möchte “lebendige Gemeinschaften” erfahrbar machen.

Feldkirch. Nachdem Dominik Toplek im September 2016 in den Seelsorgeraum nach Dornbirn wechselte, war die Stelle des Jugend- und Jungscharseelsorgers vakant. Ab Herbst übernimmt nun Kaplan Fabian Jochum diese Position. Es ist eine Aufgabe, auf die sich der Hörbranzer sehr freut.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit mit Jugendlichen?

Jochum: Jugendliche sind die Zukunft. Junge Menschen stellen ganz ungeniert viele Fragen und provozieren gerne. Auch als Lehrer bin ich damit konfrontiert, da darf man nicht dünnhäutig sein. Sie fragen mich, wie ich als Priester lebe und wie ich verschiedene Themen in der Kirche sehe. Das hält mich selber frisch. Es gibt einen schönen Satz des deutschen Theologen Klaus Hemmerle: ‚Lass mich mit dir die Botschaft neu lernen, die ich dir verkünden soll‘. Das bringt es auf den Punkt. So sehe ich meine Arbeit mit den jungen Menschen.

Haben Sie schon Pläne, was Sie ab Herbst als Jugendseelsorger angehen möchten?

Jochum: Als erstes möchte ich die verschiedenen Pfarren besuchen, um zu sehen und zu hören, was junge Menschen brauchen. Dafür werde ich auch die jungen Pfarrgemeindegeräte im Land an einen Tisch holen. Zudem möchte ich, dass die Jugendlichen beim Diözesanjubiläum 2018 mit ihren Zukunftsvisionen Raum bekommen. Dann träume ich von einer App, mit der Jugendliche sehen können, wo sich junge Christen im Land treffen. Wir haben dafür bereits eine spirituelle Landkarte erstellt. Ich möchte auch einen Schwerpunkt in der Musik setzen. Denn eine Kirche mit schlechter Musik ist wie eine Geburtstagsparty, bei der der Kuchen nicht schmeckt (lacht).

Welche Bedeutung haben die sozialen Netzwerke für Sie?

Jochum: Das Christentum hat schon immer etwas Innovatives gehabt. Apostel Paulus hat damals von seinen Missionsreisen Briefe geschrieben. Hätte es zu dieser Zeit schon WhatsApp oder Facebook gegeben, dann hätte er das sicher genutzt, um sich mitzuteilen. Für mich ist es in der heutigen Zeit ganz normal, soziale Netzwerke zu nutzen. Darüber können Menschen unkompliziert in Kontakt bleiben. Aber ich finde es wichtig, dass man dann auch wieder die persönliche Begegnung erfährt. Es geht darum, Altes und Neues in Kontakt zu bringen. Wenn ich mit Jugendlichen beispielsweise ein Gebet vorbereite, dafür moderne Medien und Musik nutze, dann entfalten auch die alten Dinge wieder ihre Kraft. Weihrauch oder eine Kerze anzünden ist dann ein wohltuendes Kontraprodukt.

Warum haben Sie den Weg in die Theologie eingeschlagen?

Jochum: Mit war schnell klar, dass ich Theologie und Latein auf Lehramt studieren möchte. Mit 23 Jahren habe ich mich dann dazu entschieden Priester zu werden. Die Gründe dafür sind zum einen Vorbilder, wie meine Eltern, und mein Heimatpfarrer, bei dem es in der Kirche nie langweilig war. Zudem lebt mein Onkel als Mönch in einem Kloster. Zum anderen hat meine eigene Erfahrung mit der traditionellen katholischen Kirche und anderen modernen Gruppen zu der Entscheidung, Priester werden zu wollen, beigetragen. Was mich als Priester erfüllt, ist, für andere Menschen da zu sein und ihnen in bestimmten Situationen etwas mitgeben zu können.

Was sind Glaube und Kirche für Sie?

Jochum: Der Glaube ist eine Geschichte der Befreiung. Mir wird dabei die Geschichte von der Befreiung des Volkes Israel immer wichtiger. Denn wir sind heute zur Freiheit gerufen. Der Glaube ist auch eine persönliche Beziehung zu Jesus von Nazareth. Und die Kirche ist eine Gemeinschaft von Menschen, die von dieser Botschaft begeistert sind. Kirche ist viel mehr als eine Institution. Das ist auch etwas, was mich im Kontakt mit jungen Menschen sehr beschäftigt. Denn ich mache die Erfahrung, dass viele junge Menschen diese lebendige Gemeinschaft nicht erleben. Diese positive Erfahrung der Glaubensgemeinschaft, wo man sich engagiert und gemeinsam unterwegs ist, das kennen sie nicht. Wäre die Kirche ein Fußballverein, würden wir unseren Mitgliedern zwar vom Fußball erzählen, allerdings ohne sie selbst kicken zu lassen. Ein Fußballverein, der es nicht schafft, den Mitgliedern den Ball zu geben und sie spielen zu lassen, würde nicht funktionieren.

Warum ist der Heilige Johannes Don Bosco ein Vorbild für Sie?

Jochum: Er war der große Apostel für die Kinder und Jugendlichen. Seine Mission war es, für junge Menschen da zu sein. Was mich an ihm fasziniert, ist sein ganzes Projekt, das es bis heute gibt. Ich bin der Überzeugung, dass er eine Inspiration ist, wenn man mit jungen Leuten zusammenarbeitet.

Ich träume von einer App für junge Christen im Land.

Fabian Jochum
"Jugendliche halten mich frisch"

Zur Person

Fabian Jochum

Geboren: 6. Mai 1984

Laufbahn: Kaplan in der Dorfpfarre Feldkirch, Religionslehrer in der HAK HAS Feldkirch, Dekan-Stellvertreter im Dekanat Feldkirch, Jugendseelsorger

Hobbys: Lesen, Musik, Skifahren, Baden