Bodenverbrauch stark reduziert

Vorarlberg / 13.06.2017 • 18:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Bodenverbrauch war in den letzten zehn Jahren enorm. Mittlerweile hat die Dynamik aber nachgelassen.
Der Bodenverbrauch war in den letzten zehn Jahren enorm. Mittlerweile hat die Dynamik aber nachgelassen.

Positiver Trend: Nach starken Zuwächsen hat der Verbrauch an Dynamik verloren.

Bregenz. Beim Bodenverbrauch ist Österreich Europameister in negativen Sinne. Zu diesem Schluss kommen Experten von Statistik Austria, Umweltbundesamt und Hagelversicherung bei der Auswertung jüngster Daten. Österreichweit wurden in den letzten zehn Jahren demnach durchschnittlich 20 Hektar an Äckern und Wiesen (rund 30 Fußballfelder) verbraucht. Der hohe Bodenverbrauch gefährde die Lebensgrundlage der nächsten Generationen, so die Experten.

Auch die Vorarlberg-Zahlen in den Langzeitmessungen bereiten Sorgen. Demnach sind seit 2006 laut VN-Recherchen täglich 12.000 Quadratmeter Boden verloren gegangen. Der Verbrauch hat allerdings zuletzt deutlich an Dynamik verloren. Der Rückgang ist mit 9000 Quadratmetern in der Dreijahres-Periode 2013/2015 auf 2000 Quadratmeter zwischen 2014 und 2016 beträchtlich. „Im Sinne eines verantwortlichen Umgangs mit Grund und Boden stimmt die Richtung“, so der zuständige Landesrat Karlheinz Rüdisser (62). Was neue Widmungen betreffe, sei das Land auf die Bremse getreten. Hier würden jüngste Zahlen einen Rückgang dokumentieren.

Viel Grund und Boden verbaut

Auch wenn die Entwicklung eine positive ist: In Vorarlberg ist bereits viel Grund und Boden verbaut. Die Bau- und Verkehrsfläche Vorarlbergs macht mittlerweile 159 Quadratkilometer aus (plus 34,7 Prozent in zehn Jahren). Der Flächenverbrauch am Dauersiedlungsraum in Vorarlberg lag im Vorjahr bei 28,7 Prozent. 2006 waren es noch 21 Prozent. Landesrat Rüdisser erklärt den hohen Verbrauch mit dem ebenfalls hohen Bedarf. Die Bevölkerung sei stark gewachsen, Haushaltsgrößen kleiner geworden und viele neue Arbeitsplätze seien entstanden. Was die Zukunft betrifft, will das Land einen effizienten Umgang mit Grund und Boden. „Insbesondere in Kerngebieten wollen wir vertretbar höhere Baudichten umsetzen“, spricht Rüdisser gegenüber den VN von einem bodensparenden Umgang.

Das hoffen auch Vorarlbergs Bauern. Trotz Rückgängen sei das Tempo im Bodenverbrauch zu hoch, so Josef Moosbrugger (51), Präsident der Landwirtschaftskammer. „Die Frage ist, wie wir weiter die Geschwindigkeit reduzieren können, um auch für kommende Generationen Entwicklungsmöglichkeiten zu erhalten.“ Lösungen sieht Moosbrugger im Verdichten nach innen und höherem Nutzen pro Quadratmeter. Die Notwendigkeit, mit der Ressource Boden behutsam umzugehen, ist unbestritten. „Es muss ein Grundziel sein, so viele Flächen wie möglich zu sichern, um auch in Zukunft die Nahrungsproduktion im Land zu sichern.“

Hochwassergefahr steigt

Mit dem Bauboom der letzten Jahre steigt auch die Gefahr von Überschwemmungen. Immer größere Flächen sind wasserundurchlässig geworden. Der Versiegelungsgrad der Flächen in Vorarlberg ist von 29,7 Prozent im Jahr 2006 auf 40,6 Prozent angestiegen. „Die größte negative Auswirkung dieser Entwicklung ist, dass es zusätzlich anfallendes Oberflächenwasser gibt, das nicht versickern kann“, erklärt Gerald Jäger (43) von der Wildbach- und Lawinenverbauung. Damit steige die lokale Hochwassergefahr, weil Bäche und Flüsse schneller anschwellen. Allerdings seien Maßnahmen zum Ausgleich geschaffen worden. „Bei neuen Bauvorhaben werden Retentionskörper vorgeschrieben. Regenwässer dürfen nicht mehr 1:1 abgeleitet werden“, so Jäger weiter.

Auch die Widmungen im Land sind zuletzt rückläufig.

LR Karlheinz Rüdisser