Von Spatzen und Föderalisten

Vorarlberg / 16.06.2017 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Denkt offenbar an künftige Amtsübergabe: Wilfried Berchtold. VN
Denkt offenbar an künftige Amtsübergabe: Wilfried Berchtold. VN

Generalstabsmässig. In der Montfortstadt Feldkirch pfeifen es längst die Spatzen von den Dächern: Langzeitbürgermeister Wilfried Berchtold (62, VP) bereitet offenbar hinter den Kulissen generalstabsmäßig seinen Rückzug aus dem Rathaus vor. Über die Bühne gehen soll der Abgang in der zweiten Hälfte 2018. Berchtold wolle, glauben langjährige Funktionäre der Volkspartei zu wissen, die Feierlichkeiten rund um „800 Jahre Stadt Feldkirch“ sowie die Durchführung des bundesweiten Städtetags für seinen Rückzug von der kommunalpolitischen Bühne nutzen. Wem der vierfache Vater nach 26 Jahren den Chefstuhl im Rathaus überlassen wird, steht jedoch noch in den Sternen. Während für die einen die derzeitige Vizebürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Barbara Schöbi-Fink (56, VP) „längst die Nase vorn hat“, ist für andere Benedikt König (38, VP) „als Erbe nicht vom Tisch“. König arbeitet in einer Anwaltskanzlei in Liechtenstein und ist Klubchef der Stadtpartei, die bei der letzten Gemeindewahl allerdings die absolute Mehrheit verlor.

 

Pinke Landtage. „Landtage abschaffen – wie man den Föderalismus für eine bessere Zukunft gestaltet muss.“ So lautet der Titel einer Podiumsdiskussion, zu der die Neos mit dem Klostertaler Parteigründer Matthias Strolz (44) am 20. Juni ins Museumsquartier nach Wien laden. Neben Gastgeber Strolz werden auch Verfassungsjurist Theodor Öhlinger (77) und Arno Gasteiger (69, VP), einst Vizelandeshauptmann von Salzburg, und der Vorarlberger „Föderalismus-Papst“ Peter Bußjäger (54) am Podium Platz nehmen. Seine Zusage zur „pinken Debatte“ hindert Bußjäger jedoch nicht daran, die Thematik des Abends in sozialen Medien verbal kräftig zu zerpflücken. „Kann mir jemand erklären, weshalb eine Partei, die die Landtage abschaffen will, bei jeder Landtagswahl kandidiert?“ Oder: „Abschaffung der Demokratie auf Landesebene ist echt dämlich.“ Und Bußjäger an die Neos-Mandatare in den Landtagen: „Kritik ist immer angebracht, aber wie kann ich vierzehn Mal mehr als 5000 Euro kassieren und sagen, eigentlich sollte der Landtag abgeschafft werden.“

 

Wartezeit. Die Präsidenten aller deutschsprachigen Landtage trafen sich auf Einladung von Harald Sonderegger (53, VP) in Feldkirch. Auf der Mappe für die anschließende Pressekonferenz setzten sie ihre Werte in Szene: „Demokratie, Bürger, Europa, Länder, gemeinsame Beschlüsse“; Pünktlichkeit war darauf nicht zu lesen. Aus gutem Grund: Die Landtagspräsidenten setzten die Pressekonferenz für 12.15 Uhr mittags an. Kurz nach halb eins schaute Organisator und Pressesprecher Mathias Bertsch (39) zu den daumendrehenden Journalisten, konnte aber keine Auskunft über den Beginn geben. Mit mehr als einer halben Stunde Verspätung trudelte Sonderegger, gefolgt von Landtagsdirektorin Borghild Goldgruber-Reiner (47) und zwei Vertretern aus Brandenburg ein. Die Pressekonferenz selbst dauerte gerade mal 20 Minuten.

Zitate der Woche

Für mich ist Rot-Schwarz nicht gestorben.

Michael Häupl, SP, Stadtchef

Wir werden eine kraftvolle Überraschung des 15. Oktober sein.

Matthias Strolz, Neos

Das BZÖ dümpelt inzwischen in Österreich nur mehr so dahin.

Johanna Trodt-Limpl, BZÖ, Parteichefin

Rot-Blau pauschal abzulehnen, hat uns in der Vergangenheit erpressbar gemacht.

Christian Kern, SP, Kanzler

Für Diplomatie bin ich nicht gebaut.

Christian Konrad,
Ex-Flüchtlingskoordinator