„Nur keine Frau in einer Burka“

Vorarlberg / 19.06.2017 • 19:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Ehepaar Waibel aus Dornbirn mit den Flüchtlingskindern Sabanat, Shahrom und Shahzad.
Das Ehepaar Waibel aus Dornbirn mit den Flüchtlingskindern Sabanat, Shahrom und Shahzad.

Heute ist Weltflüchtlingstag. Das Ehepaar Waibel nahm eine Flüchtlingsfamilie aus Afghanistan auf.

Dornbirn. (VN-kum). Reinhard Waibel (70) und seine Frau Stefanie (70) sind nicht nur auf dem Papier Christen. Das Ehepaar lebt seinen Glauben. Waibel engagierte sich schon in jungen Jahren ehrenamtlich für die Kirche. Er gestaltete die Jugendarbeit in der Pfarre Schoren in Dornbirn mit. Auch als er später selbstständig wurde und mehrere Geschäfte (Blitzschutz) betrieb, riss das Band zur Pfarre nie ab.

Wenn ich noch fünf Jahre hätte

16 Jahre war er als Kaufmann tätig. Als ihn ein Betriebsberater fragte, was er tun würde, wenn er nur mehr fünf Jahre zu leben hätte, antwortete Waibel nach längerem Nachdenken: „Dann würde ich für die Kirche arbeiten.“ Diese an ihn gerichtete Frage entschied über sein weiteres berufliches Schicksal. Denn danach verwirklichte Waibel seinen Traum. Der Unternehmer gab seine Betriebe auf und begann hauptberuflich als Diakon in der Pfarre Schoren in Dornbirn zu arbeiten. 30 Jahre sind seitdem vergangen. Und Waibel ist noch immer Diakon mit Leib und Seele. Nach wie vor kümmert sich der Dornbirner um die Alten, Notleidenden und Kranken in Stadt und Land. Es ist ein Beruf, der ihn erfüllt und seinem Leben großen Sinn gibt. Als Diakon gründete Waibel auch die Gruppe „Trost und Trauer“. Die neun Mitglieder – darunter auch seine Frau Stefanie – machen Trauerbesuche. Sie suchen das Gespräch mit Angehörigen von Verstorbenen und spenden Trost.

Mitmenschlichkeit ist für die Waibels nicht nur ein Schlagwort. Auch im Jahre 1987 stellten sie diese unter Beweis, als sie einen Flüchtling aus Rumänien bei sich aufnahmen. „Wir gaben ihm ein Zimmer. Der junge Mann lebte eineinhalb Jahre bei uns und war voll in unsere Familie integriert“, erinnert sich der Vater von drei erwachsenen Kindern.

Menschen- und Christenpflicht

Als im Herbst 2015 der Flüchtlingsstrom nach Europa massiv einsetzte, war für die Waibels klar, dass sie einen Beitrag leisten wollten. Anstatt wie geplant aus dem Keller einen Fitnessraum zu machen, bauten sie ihn zu einer Wohnung um.

„Wir sahen es als unsere Menschen- bzw. Christenpflicht an, einen Teil unseres Wohnraumes an Flüchtlinge zu vergeben.“ Das Ehepaar hatte keine Bedenken. „Nur mit einer vollverschleierten Frau hätte ich große Mühe gehabt“, gibt Waibels Frau zu, „denn die Burka ist für mich ein Symbol für Frauenunterdrückung.“

Umzug nach Wien

Im März des Vorjahres zog eine fünfköpfige Familie aus Afghanistan in die 70 Quadratmeter große Kellerwohnung ein. „Ich hatte mit diesen Mietern keine Probleme. Nur den Müll zu trennen mussten sie lernen“, zieht Waibel nach mehr als einem Jahr eine positive Bilanz. Auch seine Frau streut der Familie, der vor Kurzem der Flüchtlingsstatus zuerkannt wurde, Rosen: „Die Kinder sind sehr gut erzogen.“ Sie bedauert, dass die Familie demnächst nach Wien zieht. „Denn unsere Enkel haben sich mit den Flüchtlingskindern angefreundet.“

Die Waibels können sich gut vorstellen, ihre Kellerwohnung wieder an Flüchtlinge zu vermieten. Sie haben sogar schon jemanden ins Auge gefasst: einen befreundeten Asylwerber aus Ruanda, der in seiner Heimat verfolgt wurde, weil er für Menschenrechte eingetreten war.

Unsere Enkel freundeten sich mit den Flüchtlingskindern an.

Stefanie Waibel