Seelisch Kranker wollte “nur ein Fünkle machen”

Vorarlberg / 19.06.2017 • 22:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bedingte Einweisung in Anstalt für 59-Jährigen wegen versuchter Brandstiftung.

Feldkirch. Der 59-jährige Angeklagte am Landesgericht Feldkirch hat einen technisch anspruchsvollen Beruf gelernt, doch mit 40 Jahren machte ihm eine psychische Erkrankung einen Strich durch die Rechnung. Er hatte einen Verkehrsunfall.  Neben den unfallbedingten Verletzungen kam ans Licht, dass der Patient manisch depressiv ist. Phasen von Freud- und Antriebslosigkeit wechselten mit Abschnitten voller Bewegungsdrang, Ideenreichtum und Euphorie ab.

Wenn es ihm gut ging, wollte er krankheitsbedingt nicht einsehen, warum er Medikamente nehmen soll, er fühlte sich doch gut, super gut sogar. Und das war der Fehler, die Krankheit verschlechterte sich, und er musste wieder ins Landeskrankenhaus Rankweil.

Kooperativ

Meist erkannte er die Krankheitsschübe und ging freiwillig nach Rankweil. Insgesamt war er bereits 40 Mal dort. Seit seinem 40. Lebensjahr ist der Mann frühpensioniert, will dennoch das Beste daraus machen. Sieben Jahre versuchte er auf einem geschützten Arbeitsplatz mitzuhalten, doch auch das wurde ihm zu viel.

2010 kam noch ein Schlaganfall dazu, das setzte das Hemmungsvermögen weiter herab. Dass er in jener Sommernacht vor rund einem Jahr zündelte und beinahe einen Brand entfachte, weiß er gar nicht mehr so genau. Vor Gericht kann er sich erinnern, dass er im Gasthaus war, rausgeworfen wurde und anschließend – trotz Sommerabend – fröstelte. Er sei verschwitzt gewesen und ohne Hemd im Wind gestanden. „I wollt a Fünkle macha“, erzählt er, wie er Feuer im Metallbehälter machte. Auch, dass eine Zigarette reingefallen ist, wäre möglich, so der Betroffene. Das Feuer griff auf einen Holzstapel und eine angrenzende Holzwand über, ein Anrainer konnte das Feuer mit dem Feuerlöscher unter Kontrolle bringen. 

Seit einem Jahr ist der Mann nun in Rankweil. „Der Patient zeigt sich auffallend kooperativ und einsichtig“, so Gerichtspsychiater Reinhard Haller.

Der Sachverständige erklärt, dass es in der  Familie des Betroffenen bereits früher psychische Probleme gegeben habe und dass manisch Depressive nicht „geheilt“ werden können. Dass der Mann bei seiner Zündelei hochgradig manisch war, bestätigt der Experte. Doch es gibt auch Hoffnung. Er ist derzeit gut betreut, zum Teil konnten die Regelungen gelockert werden, und es zeichnet sich ein guter Weg in Richtung betreuter Wohngemeinschaft ab. Zudem habe sich im Bereich der Medikation ein Fortschritt abgezeichnet.

Bedingte Einweisung

Somit wird der Mann zwar in eine Anstalt eingewiesen, allerdings nur dann, wenn er die Auflagen – wie zum Beispiel Kontrollen – nicht einhält. Im Übrigen müsste das derzeitige „Betreuungsnetz“ ausreichen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.