Lechzen nach Sommerregen

Vorarlberg / 23.06.2017 • 18:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auf den Alpen machen sich die Älpler Sorgen um die anhaltende Qualität des Grases.  Foto: Berchtold
Auf den Alpen machen sich die Älpler Sorgen um die anhaltende Qualität des Grases.  Foto: Berchtold

Noch trotzen Natur
und Tierwelt tapfer
der sengenden Hitze. Aber nicht mehr lange.

Schwarzach. Der tägliche Blick auf die Wetterkarten geschieht für Älpler, Bauern und Privatgärtner mit zunehmender Nervosität. Wann kommt endlich Regen? Wiesen, Gemüsefelder, die nach dem Frühlingsfrost noch übriggebliebenen Obstplantagen und die Alpen lechzen mittlerweile nach einem ausgiebigen Sommerregen, von den hitzegeplagten Menschen ganz zu schweigen.

Es wächst kaum mehr Gras

„Die Situation ist nicht dramatisch, aber angespannt“, beschreibt Christian Meusburger (45), bei der Vorarlberger Landwirtschaftskammer für Pflanzenbau und Fütterung zuständig, die derzeitigen Sorgen. Meusburger konkret: „Es gehen viele Meldungen von Landwirten ein, die Probleme mit dem zweiten bzw. dritten Grasschnitt haben. Der Ertrag wird immer geringer.“ Das Ausmaß der sich anbahnenden Schäden ist laut Meusburger von Ort zu Ort unterschiedlich. „Dort, wo eine geringe Erdschicht vorliegt und gleich darunter der Schotter kommt, macht sich die Wasserknappheit stärker bemerkbar als auf Böden mit dickerer Erdschicht.“ Kein lebenspendendes Nass, kein Wachstum – so ist die Gleichung. Zerstört ist allerdings noch nichts. „Bei einer günstigen Wetterentwicklung kann das Wachsjahr noch sehr gut enden“, zeigt sich Meusburger optimistisch.

Gefährlich wird die Situation langsam für jene Bergbauern, die auf steilen Hängen mähen. „Weil dort die Stollen der Traktorräder langsam nicht mehr auf dem trockenharten Boden greifen.“

Alpen im Wandel

Auch den Alpen macht die vorherrschende Trockenheit zu schaffen. Einige Standorte haben schon jetzt zu wenig Wasser, sodass dieses vom Tal auf den Berg geschafft werden muss. Ein weiteres Problem. „Das Gras ist mit dem Wachstum weit voraus und verwelkt, wenn es nicht regnet. Das heißt: Man muss mit viel Aufwand mähen, um einen neuen Wuchs zu ermöglichen“, schildert Alpenfachmann Christoph Freuis (38) das Dilemma vor dem Hintergrund der Fütterung der Alpkühe. Überhaupt bereitet die sich früher entwickelnde Vegetation den Alpen zusehends Probleme, wenn das Gras zwar am Beginn des Sommers üppig vorhanden ist, danach aber immer kärglicher wird. „Da müssen wir uns auf einen längerfristigen Wandel einstellen“, skizziert Freuis ein Zukunftsproblem.

Problem Kartoffeln

Noch keine Panik will man bei den Gemüseproduzenten aufkommen lassen. Harald Rammel (49), Referent für Gemüsebau: „Überall dort, wo eine Bewässerung möglich ist, gibt es noch keine Probleme. Dort, wo man das nicht kann, wird es langsam problematisch.“ Rammel bezieht sich in diesem Zusammenhang vor allem auf den Kartoffelanbau, wo eine Bewässerung schwierig ist. „Die Kartoffelpflanzen würden dringend Wasser brauchen.“

Ähnlich die Lage beim Obstbau. Dort hat man nach dem Aprilfrost die Katastrophe mit fatalen Auswirkungen bereits hinter sich. „Den Äpfeln und Birnen, die es noch gibt und die derzeit ununterbrochen direkt der heißen Sonne ausgesetzt sind, droht ein Sonnenbrand“, berichtet Obstbaureferent Ulrich Höfert (55). Sehr schnell müsse man bei der Durchführung der Beerenernte sein, um die Früchte in guter Qualität zu erhalten.

Arme Möpse

Zu den Leidtragenden der derzeitigen Hitzewelle gehören auch zahlreiche Haustiere. „Es leiden dabei vor allem übergewichtige Hunde und Katzen. Und von denen gibt es immer mehr“, weiß Veterinär Erik Schmid (60). Auch Hunden mit verkürzter Nase, wie etwa Möpse, würde die derzeitige Hitze schwer zu schaffen machen. Schmid: „Hunde und Katzen schwitzen nicht. Ihr Kondensator ist die Nase. Und wenn diese wie bei den Möpsen quasi weggezüchtet ist und daher unterentwickelt, haben die Tiere ein Problem.“ Gar kein Problem hätten Wildtiere. Die sind sehr anpassungsfähig und würden erst dann in Schwierigkeiten geraten, wenn sie kein Wasser mehr haben.

Hoffnung besteht nun endlich für alle, die sich nach Regen sehnen: Für morgen, Sonntag, sind kräftige Regengüsse prognostiziert.

Überall dort, wo im Gemüsebau eine Bewässerung möglich ist, gibt es noch keine Probleme.

Harald Rammel