Im „Lift“ zu höherer Bildung

Vorarlberg / 25.06.2017 • 20:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
1971 hatten 1,7 Prozent der Vorarlberger eine Hochschule absolviert, heute sind es 13,2 Prozent.  Foto: APA
1971 hatten 1,7 Prozent der Vorarlberger eine Hochschule absolviert, heute sind es 13,2 Prozent. Foto: APA

Immer weniger Vorarlberger haben maximal die Schulpflicht absolviert, immer mehr studiert.

Schwarzach. (joh) Es gibt viele Möglichkeiten, um darzustellen, wie sehr sich die Gesellschaft auch in Vorarlberg wandelt. Eine davon ergibt sich aus den Zahlen, die die Statistik Austria zum Bildungsstand der 25- bis 64-Jährigen führt. Was das betrifft, ist nicht viel geblieben, wie es einmal war: Das Niveau ist stark gestiegen. Verfügten 1971 noch zwei Drittel maximal über einen Pflichtschulabschluss, so sind es heute nur noch 23,1 Prozent. Zugenommen hat der Anteil der Absolventen einer Lehre sowie einer Berufsbildenden Mittleren Schule, etwa einer Handelsschule. Geradezu vervielfacht hat sich jedoch der Anteil derer, die erfolgreich eine Universität, Fachhochschule oder Akademie besucht haben – von 1,7 auf 13,2 Prozent nämlich.

Für die Bildungsforscherin Gudrun Quenzel von der Pädagogischen Hochschule in Feldkirch ist das nicht verwunderlich. „Das ist ein internationales Phänomen“, sagt sie und erklärt, dass das vor allem auf die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen sei: „Wer über die Pflichtschule nicht hinausgekommen ist, also auch keine Lehre gemacht hat, wird für zunehmend schlechter bezahlte und weniger sichere Hilfstätigkeiten eingesetzt.“ Wer mehr will, muss also weiter die Schulbank drücken und dann vielleicht noch auf eine Uni gehen. Wobei in vielen Fällen ein eigener Antrieb hinzukommt, wie Quenzel von Untersuchungen weiß, die sie durchgeführt hat: „Jugendliche streben heute nach einem Beruf, der sie erfüllt und glücklich macht.“ Und solche Tätigkeiten sind eben eher mit höheren Ansprüchen verbunden, die man erst erfüllen muss.

Der starke Anstieg des Akademikeranteils könnte zur Vermutung führen, dass eine Behauptung ganz und gar falsch ist, die in der politischen Debatte immer wieder aufkommt. Dass Bildung nämlich vererbt werde. Beziehungsweise dass die Kinder denselben Abschluss machen wie ihre Eltern. Quenzel sieht da sehr wohl einen Zusammenhang, auch wenn er nicht ganz so extrem ist: Sie spricht von einem „Fahrstuhleffekt“: Hilfsarbeiterkinder machen demnach eine Lehre, Facharbeiterkinder eine Matura etc. Von Generation zu Generation geht es immer nur eine Stufe weiter. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Dieser Fahrstuhleffekt könnte schneller gehen und gleich mehrere Ebenen überspringen. Dazu wäre jedoch auch ein durchlässigeres Bildungssystem nötig. Experten verweisen diesbezüglich gerne auf Südkorea. Vor gar nicht allzu langer Zeit war das noch ein Entwicklungsland. Heute zählt es zu den führenden Industrienationen. Laut OECD verfügen in Südkorea ganze 45 Prozent der Menschen über einen Hochschulabschluss.

Frage des Wohnortes

Doch zurück nach Österreich: Der Bildungsstand ist hier auch eine Frage des Wohnortes und des Geschlechts. In Wien ist der Anteil der Hochschulabsolventen mit 24,4 Prozent fast zwei Mal höher als in Vorarlberg. In Vorarlberg ist auf der anderen Seite auch ganz besonders der Anteil der Frauen, die maximal die Schulpflicht erfüllt haben, mit 26,6 Prozent höher als im bundesweiten Schnitt (22,7 Prozent). Wofür es laut Quenzel viele Gründe geben könnte, darunter „möglicherweise“ ein traditionelleres Geschlechterbild sowie sehr wahrscheinlich auch das Fehlen einer Universität.

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