„Eine Verschiebung wäre grob fahrlässig“

Vorarlberg / 26.06.2017 • 19:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Pionierbrücke über die Rappenlochschlucht, eigentlich ein Provisorium, ist in die Jahre gekommen.
Die Pionierbrücke über die Rappenlochschlucht, eigentlich ein Provisorium, ist in die Jahre gekommen.

Stadtvertretung beschließt Sanierung von Rappenloch und Staufensee.

Dornbirn. (ha) Die einen sehen dringenden Handlungsbedarf, andere wollen weitere Abklärungen: In der Dornbirner Stadtvertretung scheiden sich die Geister über Sanierungsmaßnahmen im Rappenloch, die nach dem Felssturz vor sechs Jahren anstehen. Nach langer und teils heftiger Debatte fiel eine eindeutige Entscheidung: Mit großer Mehrheit wurde das Gesamtkonzept für die nachhaltige Sanierung des Rappenlochs und des Staufensees beschlossen.

„Es geht dabei vorwiegend um die Sicherheit sowohl für die Rappenlochbrücke als auch für den Staufensee, der in den vergangenen Jahren zunehmend verlandet ist“, sagt Bürgermeisterin Andrea Kaufmann. Die Umsetzung des Projektes, das unter anderem die Sicherung des Widerlagers der Rappenlochbrücke, die Sprengung eines Felsüberhanges hoch über der Schlucht und die Entfernung von Felsmassen unterhalb der Staumauer umfasst, hängt nun davon ab, wie die notwendigen Behördenverfahren über die Bühne gehen.

Die Forderung der Grünen und der Neos, weitere Gutachten einzuholen und somit den Start möglicher Baumaßnahmen weiter zu verzögern, lehnt Tiefbaustadtrat Gebhard Greber ab: „Eine Verschiebung wäre grob fahrlässig, es besteht dringender Handlungsbedarf.“ Er begründet seine Forderung nach einem schnellen Beginn der Sanierungen mit einem Gutachten des Geotechnik-Büros Denz: „Die geologischen Expertisen sprechen eine eindeutige Sprache.“ Dazu kommt, dass die Staubeckenkommission im Ministerium für Forst- und Landwirtschaft die Stadt aufgefordert hat, bis 11. August 2017 ein Sanierungskonzept für den Staufensee vorzulegen. Dieser See zwischen Rappenloch und Alploch konnte seit dem Felssturz nicht mehr gespült werden, weil die dafür notwendigen Tunnelfallen verschüttet sind. Die Folgen sind deutlich sichtbar: Die Verlandung des Naturjuwels schreitet rasch voran, vom ursprünglichen Fassungsvermögen von 130.000 m3 sind nur mehr 25.000 m3 übrig geblieben. Sollten keine Spülungen mehr möglich sein, wären 10.000 Lkw-Fuhren erforderlich, um den Schlamm abzutransportieren, rechnet Greber vor. Wenn die Verlandung des Staufensees weiter fortschreitet, wäre auch das direkt am See liegende Kleinkraftwerk Ebensand, eines der ältesten Kraftwerke Österreichs, in Gefahr, befürchten die Betreiber.

Dass Gefahr im Verzug ist, glaubt Stadträtin Juliane Alton von den Grünen nicht. Sie will ebenso wie Neos-Stadtvertreterin Elisabeth Feuerstein zuerst klären, welche Funktion der See überhaupt erfüllen soll. Ihr sei versichert worden, dass die Staumauer auch dem zunehmenden Druck durch Schlammmassen standhalte.

Brückenplanung

Seit nunmehr sechs Jahren überspannt  nach dem Brückenabsturz eine Ersatzbrücke, erstellt von Pionieren des Bundesheeres, das Rappenloch. Fachleute empfehlen, den Brückenkopf umgehend durch Anker zu sichern, bis ein neues Bauwerk über die 120 Meter tiefe Schlucht überspannen wird. Lange wird man nicht mehr zuwarten können, denn die Pionierbrücke ist in die Jahre gekommen. Laut Stadtplaner Markus Aberer können Materialermüdungen nicht ausgeschlossen werden.

Der Staufensee droht nach dem Felssturz vor sechs Jahren zu verlanden. Fotos: ha
Der Staufensee droht nach dem Felssturz vor sechs Jahren zu verlanden. Fotos: ha