S-Bahn ins Fürstentum weiter auf Abstellgleis

Vorarlberg / 26.06.2017 • 19:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die S-Bahn-Verbindung nach Liechtenstein bleibt weiterhin reine Zukunftsmusik. Die Verhandlungspartner bleiben optimistisch. VN/Steurer
Die S-Bahn-Verbindung nach Liechtenstein bleibt weiterhin reine Zukunftsmusik. Die Verhandlungspartner bleiben optimistisch. VN/Steurer

Liechtensteins Minister sieht eine Einigung zur Finanzierung von „FL.A.CH“ skeptisch.

Schwarzach. In Vorwahlzeiten bleibt meist wenig Raum und Zeit für langwierige, mühsame Verhandlungen. Österreich befindet sich aktuell in einer solchen Phase. Die Verhandlungen zur Zugverbindung nach Liechtenstein ziehen sich weiter, und zwar erneut um ein paar Monate. Seit fast zehn Jahren diskutieren Politiker und Experten aus Österreich, Vorarlberg, Liechtenstein und der Schweiz über diese Zugverbindung, die sich „FL.A.CH“ nennt: Fürstentum Liechtenstein – Österreich – Schweiz. 2010 gingen die Planer davon aus, dass die Bahn ab 2015 rollt. Zu Beginn des besagten Jahres war aber noch keine Schiene gelegt. Im Gegenteil: Zwischen der österreichischen und der Liechtensteiner Bundesregierung tat sich ein Graben auf. Unstimmigkeiten über die Finanzierung gaben den Ausschlag. Seitdem änderte sich das Personal. 2016 übernahm Jörg Leichtfried das österreichische Infrastrukturministerium. Anfang 2017 folgte ein Wechsel bei den Liechtensteiner Amtskollegen: Daniel Risch leitet nun das Ressort. Er zeigt sich im VN-Gespräch offen für Verhandlungen, vor dem 15. Oktober wird es allerdings nicht dazu kommen. Bekanntlich wählt Österreich ein neues Parlament, was auch einen neuen Minister zur Folge haben könnte.

Die Erfolgsaussichten für Verhandlungen sind derzeit eher schlecht. Zumindest bei der Finanzierung sind die Fronten verhärtet. „Das Ministerium ist bezüglich einer Einigung im Moment eher skeptisch, aber natürlich offen für weitere Gespräche über eine mögliche Finanzierung“, erklärt Risch auf VN-Anfrage und fügt an: „Das Projekt ist aber ganz klar nicht ad acta gelegt.“ Für die Liechtensteiner liegen die Prioritäten allerdings woanders. „Das Ministerium sieht die Herausforderungen und Lösungsansätze für Liechtenstein eher auf der Straße. Damit sind alle Verkehrsteilnehmer gemeint: motorisierter Individualverkehr, öffentlicher Verkehr und Langsamverkehr.“

Etwas optimistischere Töne sind hierzulande zu vernehmen. Vor wenigen Wochen absolvierte der Liechtensteiner Risch seinen Antrittsbesuch im Landhaus bei Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (ÖVP), am Montag war Landesrat Johannes Rauch im Fürstentum zu Gast. Beide geben sich auf VN-Anfrage vorsichtig zuversichtlich. „Es ist positiv, dass Liechtenstein zugesagt hat, weiter zu verhandeln“, befindet Rauch.

Nun wieder Gespräche

Bis Ende des vergangenen Jahres herrschte ziemliche Funkstille zwischen Österreich und Liechtenstein, im Dezember 2016 trafen sich beide Minister. Auf diesen Gesprächen könne man aufbauen, erklärt ein Pressesprecher von Infrastrukturminister Leichtfried den VN. Und weiter: „Wir haben das Projekt natürlich weiterhin auf der Agenda.“ Die Österreichischen Bundesbahnen haben ebenfalls nicht aufgegeben. Im ÖBB-Rahmenplan für die Jahre 2017 bis 2022 sind für die Verbindung „Feldkirch – Staatsgrenze nächst Nendeln“ 35,9 Millionen Euro reserviert. Doch jetzt muss erst einmal gewählt werden.

Das Ministerium ist bezüglich einer Einigung eher skeptisch.

Daniel Risch
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