Schnepfau spielt bei der Kiesgrube die letzte Karte aus

Vorarlberg / 26.06.2017 • 21:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Fotomontage der geplanten Kiesgrube zeigt, wie es künftig am Fuße der Kanisfluh aussehen könnte.
Die Fotomontage der geplanten Kiesgrube zeigt, wie es künftig am Fuße der Kanisfluh aussehen könnte.

Die Gemeinde will das geplante Abbaugebiet als örtliches Schutz­gebiet ausweisen.

Schnepfau. (VN-ger) Schnepf­au geht im Streit um die geplante Kiesgrube nochmals aufs Ganze: Die Gemeinde will ein knapp 100 Hektar großes Gebiet in der Parzelle Enge als örtliches Schutzgebiet ausweisen. Die Unterlagen wurden in der Vorwoche an die Vorarlberger Landesregierung übermittelt. Jetzt liegt der Ball für eine Stellungnahme beim Naturschutz und bei der Raumplanung. „Für uns ist es als Notbremse zu verstehen. Wir haben derzeit das Problem, dass uns in dem Verfahren wenig Handlungsspielraum eingeräumt wird. Bei einem örtlichen Schutzgebiet hingegen wäre der Kiesabbau nur mit Zustimmung der Gemeinde möglich“, erläutert Bürgermeister Robert Meusburger die Beweggründe für diese „ziemlich drastische“ Maßnahme. 

800.000 Kubikmeter

Wie mehrfach berichtet, plant die Firma Rüf, am Fuße der Kanisfluh über einen Zeitraum von 30 Jahren rund 800.000 Kubikmeter Gestein abzubauen. Dass das Wahrzeichen des Bregenzerwaldes angegraben werden soll, sehen nicht nur die Bürgermeister von Schnepfau und Mellau äußerst kritisch. Ende März beispielsweise unterschrieben sämtliche Hoteliers aus Mellau eine gemeinsame Petition gegen das Projekt. „Wir brauchen dieses Naherholungsgebiet. Der Radweg Bregenzerwald führt direkt an der Abbaustelle vorbei und wird auch teilweise für den An- und Abtransport des Materials benutzt. Im Winter verläuft dort die Langlaufloipe. Die Staub- und Lärmemissionen durch eine Kiesgrube wären gewaltig“, machte Wirteobmann Heinz Gorbach vom Dorfgasthof Adler damals gegenüber den VN deutlich. Und die Natur sei nicht nur für 30 Jahre hin, „da geht es um zwei Generationen. Es braucht sicher wieder 30 bis 40 Jahre, bis die Grube wieder befüllt ist.“

Während der vierwöchigen Auflagefrist gingen bei der Gemeinde drei Stellungnahmen gegen die geplante Schutzgebiet-Verordnung ein – darunter eine Sammelstellungnahme von den Projektwerbern und einigen Eigentümern der Enge-Vorsäße. Natürlich gäbe es im Bregenzerwald einen gewissen Bedarf am Rohstoff Kies, räumt Meusburger ein. Auf Schnepf­auer Gemeindegebiet befänden sich allerdings schon zwei größere Abbaugebiete. Es stelle sich daher die Frage, „ob alles in Schnepfau passieren muss und vor allem, ob der Standort der richtige ist“. 

„Natur vor Einzelinteressen“

„Relativ eindeutig“ ist auch die Einschätzung von Umweltschutzlandesrat Johannes Rauch (Grüne) in der Causa. „Ich halte die Kanisfluh und die Landschaft für schützenswert und finde, dass man an diesem Ort die Naturschutzinteressen über die wirtschaftlichen Einzelinteressen eines Unternehmens stellen sollte“, sagt er. Ob ein Gebiet als örtliches Schutzgebiet ausgewiesen wird, sei grundsätzlich – sofern es sich nicht um ein Unterfangen von überregionaler Bedeutung handle – Entscheidung der Gemeinde. Diesen Umstand sieht Rauch auch in Schnepfau gegeben. „Es wird nicht der Landeskiesbedarf davon abhängen“, meint er.

Landesstatthalter und Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser war am Montag für die VN nicht erreichbar. Er hatte aber bereits im Vorfeld durchklingen lassen, dass er dem Projekt gegenüber nicht abgeneigt ist. Kies werde in der Bauwirtschaft dringend gebraucht, aus ökologischer Sicht sollte man daher die Gelegenheiten nutzen, wenn der Rohstoff „unter möglichster Schonung der Natur“ regional abgebaut werden kann, argumentierte Rüdisser im März. Ob das möglich sei, werde im Verfahren zu klären sein.

Schnepfau möchte mit der geplanten Verordnung ein „Signal setzen“. Die Argumentation für ein örtliches Schutzgebiet müsse klar und schlüssig sein. „Dass uns das gelungen ist, zeigt, wie fragwürdig der Standort ist“, ist der Gemeindechef überzeugt.

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