Ohne Fördergeld gibt es keine Landwirtschaft

Vorarlberg / 27.06.2017 • 21:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der in den Sennereien produzierte Käse ist eines der Topprodukte der Landwirtschaft.  Foto: Berchtold
Der in den Sennereien produzierte Käse ist eines der Topprodukte der Landwirtschaft.  Foto: Berchtold

Landwirtschaftsbericht 2017: Vorarlberg will seine Eigenständigkeit weiter forcieren.

Bregenz. (VN-hk) Wenn von Vorarlbergs Landwirtschaft die Rede ist, wird immer wieder der Begriff „Ökoland Vorarlberg“ strapaziert. Regional und fair soll diese Strategie sein. Laut den Verantwortlichen ist sie das auch, „denn 3500 Bäuerinnen und Bauern sowie 6000 Forstwirte leisten einen großen Beitrag zur hohen Lebensqualität in Vorarlberg“, ist Landeshauptmann Markus Wallner (49) überzeugt.

Stärkeres Bewusstsein

Ein Beleg dafür soll der jährliche Land- und Forstwirtschaftsbericht 2017 sein. Daraus ist zu entnehmen, dass die Landwirtschaft in Vorarlberg weit mehr ist als unter diesem Namen gemeinhin verstanden wird. Moderne Landwirtschaft im Sinne der Ökolandstrategie 2020 steht nicht nur für Produktion von Nahrungsmitteln, sondern auch für Bildung, Partnerschaften, Landschaftspflege und Tourismusattraktion. „Das Bewusstsein für Qualität und Regionalität ist gestiegen, und die Menschen sind auch bereit, dafür mehr zu zahlen“, freut sich Wallner. „Vorarlberg ist ein Milch- und Käseland“, hält Landwirtschaftslandesrat Erich Schwärzler (64) unmissverständlich fest. „Wir haben in jüngster Zeit 56 Goldmedaillen für Ländle-Milchprodukte erhalten. Darauf sind wir stolz.“ Auch sei die Eierproduktion erweitert worden und in 100 Betrieben mittlerweile ein fester Bestandteil. Der Obst- und Gemüsebau spiele ebenso eine bedeutende Rolle. In diesem Zusammenhang verwies Schwärzler auch auf das Schicksal der Obstbauern in diesem Frühling, als Frostnächte große Teile der Ernte quasi über Nacht vernichteten. Schwärzler sagte den Betroffenen Hilfe zu. Es gibt Planungen für Frostberegnungsanlagen. Diese will das Land fördern und dafür auch sicherstellen, dass die notwendigen Wasserquellen bereitstehen. Klar ist für Wallner und Schwärzler: Ohne entsprechende Leistungsabgeltungen ist Landwirtschaft in Vorarlberg nicht denkbar, auch wenn der Erlös aus der Produktion in Talbetrieben 87 Prozent beträgt. In Bergregionen sind es 22 Prozent. 2016 wurden von der öffentlichen Hand 75 Millionen Euro an die Landwirtschaft überwiesen, davon kamen 35,9 Millionen vom Land, 28,9 Millionen von der EU und 10,2 Millionen vom Bund. Immerhin hat sich das bäuerliche Einkommen im vergangenen Jahr um sieben Prozent erhöht.

Neue Forstverwaltung

In der Forstwirtschaft hat im letzten Jahr die verwaltungsmäßige Aufteilung der Landesforste in den Bereich Süd und den Bereich Nord für Diskussionen gesorgt. Erich Schwärzler begrüßt diese Maßnahme. Für ihn wichtig: „Man muss wissen, wer wofür zuständig ist.“ Schwärzler möchte künftig auch die Kooperation von Jägern und Förstern forcieren, wenn es um die Koexistenz von Wild und Wald geht.

Fakten Landwirtschaft

Landwirtschaft

* 3300 Betriebe

» Davon 1.100 Milchlieferbetriebe

» 7700 Beschäftigte in der Landwirtschaft

» 70 Prozent davon Bergbauern

» 20 Prozent der Landwirte sind Vollerwerbsbauern

» 160 Millionen Liter Milche werden jährlich in Vorarlberg erzeugt

» Eine Bauernfamilie ernährt 85 Personen

Forst

» Ein Drittel der Fläche in Vorarlberg ist Wald

» Jährlich wachsen 610.000 Festmeter Holz zu

» 350.000 Festmeter davon werden genutzt

Land- und Forstwirtschaftsbericht 2017.
PDF zum Download: http://VN.AT/suc2Qw