“Ich war dem Tod bereits sehr nahe”

Vorarlberg / 28.06.2017 • 19:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Fünf Tage nach dem Herzinfarkt trat George Nussbaumer (vorne in der Mitte) mit Kollegen beim Krebshilfe-Benefizkonzert auf. Foto: franc
Fünf Tage nach dem Herzinfarkt trat George Nussbaumer (vorne in der Mitte) mit Kollegen beim Krebshilfe-Benefizkonzert auf. Foto: franc

Der blinde Musiker George Nussbaumer überlebte im Dezember einen Herzinfarkt.

alberschwende. In Vorarlberg erleiden jährlich rund 800 Menschen einen Herzinfarkt. George Nussbaumer, der seinen Lebensunterhalt seit 1980 als Sänger, Pianist, Interpret und Songwriter bestreitet, hatte Glück im Unglück. Sein Infarkt wurde rechtzeitig erkannt.

Keine Angst vor dem Sterben

„Mich plagte Sodbrennen. Deswegen habe ich einen Arzt aufgesucht.“ Ein EKG brachte zutage, wie ernst die Situation war. „Die Rettung brachte mich mit Blaulicht ins Spital in Feldkirch. Dort wurde mir sofort ein Stent eingesetzt“, erzählt der blinde Musiker.

In der darauffolgenden Nacht ging ihm viel durch den Kopf. „Mir wurde bewusst, wie nah ich dem Tod war. Ich freute mich darüber, dass ich noch am Leben war. Aber es wäre für mich auch okay gewesen, wenn ich gehen hätte müssen. Ich hätte meinen Tod akzeptieren können, weil ich schon so viel erlebt und gemacht habe. Auf beruhigende Weise wurde mir bewusst, dass ich keine Angst vor dem Sterben habe.“

Vermeidet negativen Stress

Fünf Tage später stand Nussbaumer bei einem Benefizkonzert für die Krebshilfe bereits wieder auf der Bühne. „Ich spielte fünf Lieder. Danach ging ich überglücklich heim. Es war ein schöner Auftritt. Er nahm mir alle Sorgen. Denn er zeigte mir, dass ich noch fähig war, Musik zu machen.“

Aber der Herzinfarkt bewog ihn, sein Leben zu ändern. Der Musiker und Kabarettist aus Alberschwende schont sich jetzt mehr, macht keine drei Tourneen mehr im Jahr und versucht, negativen Stress zu vermeiden.

Früher konnte er nur schlecht Nein sagen. Heute aber sucht der Künstler sich noch gezielter aus, wo und wann er auftritt. Außerdem hat der 54-Jährige Bewegung in seinen Alltag eingebaut. „Ich achte mehr auf mein Gewicht und gehe jeden Tag eine Stunde aufs Laufrad.“

Glückliche Fügungen

Das Schicksal, so meint er, habe es immer gut gemeint mit ihm. Denn in seinem Leben habe es wundersame Fügungen gegeben. „Ich erkrankte mit vier Monaten an Netzhautkrebs. Wenn meine Eltern sich nicht gegen eine Bestrahlung meiner Augen entschieden hätten, wäre ich heute nicht mehr am Leben“, ist er sich sicher, „denn jene, die damals bestrahlt wurden, sind heute tot.“ Seine Blindheit hat Nussbaumer nie als Schicksalsschlag empfunden. „Ich kenne nichts anderes. Für mich ist es eine Lebensform.“

Dass er jetzt den Herzinfarkt überlebt hat, schreibt er ebenfalls einer glücklichen Fügung zu. „Es war ein faszinierendes Zusammenspiel von mehreren Komponenten.“ Im November sei er noch auf Tournee in Deutschland gewesen. „Da wäre ich bestimmt nicht zum Doktor gegangen. Es ist ein Glück gewesen, dass ich daheim war, als es passierte und ich Silvester ohne lästiges Sodbrennen feiern wollte.“

Dem Schicksal dankbar

Der Musiker kann dem Herzinfarkt auch Gutes abgewinnen. „Dank ihm gewann ich einen neuen Freund.“  Nussbaumer teilte im Krankenhaus das Zimmer mit einem Mann, den dasselbe Schicksal ereilt hatte wie ihn und der auf den Tag genau gleich alt ist wie der Entertainer. Die beiden waren auch zusammen auf Reha. Der Künstler ist dem Schicksal dankbar dafür, dass daraus eine schöne Freundschaft entstanden ist.

Dass er sich heute körperlich wesentlich besser fühlt als vor dem Herzinfarkt, stimmt ihn auch zufrieden. Seelisch ging es ihm trotz der gesundheitlichen Krise dank seines sonnigen Gemüts nie schlecht.

„Dass ich so eine Psyche habe, ist eine Gnade.“ Nussbaumer sprüht vor Lebenslust und will, sehr zur Freude seiner zahlreichen Fans, „weiterhin mein Ding machen“. 

Ich hätte meinen Tod akzeptieren können, weil ich schon so viel erlebt und gemacht habe.

George Nussbaumer
Fünf Tage nach dem Herzinfarkt trat George Nussbaumer (vorne in der Mitte) mit Kollegen beim Krebshilfe-Benefizkonzert auf. Foto: franc
Fünf Tage nach dem Herzinfarkt trat George Nussbaumer (vorne in der Mitte) mit Kollegen beim Krebshilfe-Benefizkonzert auf. Foto: franc