Steuermumie aus dem Mittelalter

Vorarlberg / 28.06.2017 • 18:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Unser Steuersystem ist nicht bloß maßlos kompliziert, womit es für eine Menge wirtschaftlich unproduktiver und gesellschaftlich letztlich nutzloser Arbeit sorgt. Vor allem führt es dazu, dass nicht jeder Bürger nachvollziehen kann, woher das Geld kommt und wohin es fließt. Unser Steuersystem passt vorne und hinten nicht mehr zu unserer hochgradig arbeitsteiligen und international verflochtenen Wirtschaft. Es ist ein bürokratisches Monster, übermäßig und unnötig kompliziert, ineffizient und intransparent. Es ist ein teures Relikt aus der Zeit der Selbstversorger aus dem Mittelalter. Genau diese Einstellung ist es, die das Denken unserer ÖVP-Finanzminister-Mumien über Steuern bis heute bestimmt.

Die Lohn- und Einkommensteuer ist im Grunde eine Art Zehent 4.0. Nur dass wir eben längst nicht mehr in einer Gesellschaft weitgehender Selbstversorgung leben, sondern in einer Gesellschaft vollständiger Fremdversorgung. Alles, wirklich alles, was wir verbrauchen, stellen andere für uns her. Oder wir für andere. Für die evolutionsmäßig rückständig gebliebenen Politiker unserer jahrzehntelangen SP-VP-Regierungen kein Grund für neue Hirnaktivitäten.

Neue und fortschrittlich denkende Kandidaten sollten darum endlich die alte Idee aufgeben, dass es am besten ist, Steuern vom Ertrag abzugreifen. Steuern sollen die Menschen zahlen, wenn sie Leistungen aus dem Wertschöpfungsstrom entnehmen, nämlich beim Konsum. Nicht aber, solange sie ihren Beitrag zu diesem leisten. Es bestraft die Leistungen von Arbeitnehmern, Selbstständigen, Unternehmern und Unternehmen, und die Gewerkschaften verhalten sich wie die drei Affen: Augen, Ohren, Mund zu. Es subventioniert den Einsatz von Maschinen und Technik. Es verteuert dafür im Verhältnis die Arbeit von Menschen, was sich überall dort rächt, wo deren Tätigkeit unverzichtbar ist: in vielen Bereichen der Dienstleistung, in der Erziehung, der Kultur oder der Pflege. Wer verbietet AK-Präsident Kaske, ÖGB-Chef Foglar, WKÖ-Chef Leitl und ihren Nadelstreiffunktionären, ein längst fälliges neues und für alle Leistungsträger gerechtes Steuersystem einzufordern? Ärmliche Sozialpartner.

Darum sind laut namhaften Ökonomen alle Steuern abzuschaffen, bis auf eine! Nämlich eine Steuer, die ausschließlich dann greift, wenn Menschen dem Wirtschaftskreislauf Leistung entnehmen: beim Einkaufen, beim Konsum. Aber nicht, wenn sie ihre Leistung, ihre Arbeit, ihre Ideen, ihre Kraft und Energie in das soziale Gefüge namens Wirtschaft einbringen.

Darum sind laut namhaften Ökonomen alle Steuern abzuschaffen, bis auf eine!

fritz.amann@vn.at
Fritz Amann ist Unternehmer und ehemaliger FPÖ-Politiker