Kein Urteil nach Lawinentod

Vorarlberg / 26.07.2017 • 22:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 17. Jänner 2017.
VN-Bericht vom 17. Jänner 2017.

Prozess gegen Skiführer nach Tod eines niederländischen Wintertouristen wurde vertagt.

Feldkirch. (ec) Es ist der 16. Jänner 2017, als die dreiköpfige Gruppe, zwei Niederländer und ein Tiroler Berg- und Skiführer, in Zürs im Bereich der Gamsmulde unweit der Trittkopf-Bergstation im freien Gelände unterwegs sind. Es ist Mittagszeit, als sich eine Lawine löst und einen der Gäste begräbt. Der 33-jährige Arzt wird rund eineinhalb Meter tief verschüttet und nach fünf bis zehn Minuten vom Guide ausgegraben. Doch für das Lawinenopfer kommt jede Hilfe zu spät. Es starb vermutlich an einem Genickbruch. Der zweite Gast, ein Berufskollege des Verstorbenen, hat Glück. Er entkommt der Lawine. Bezüglich ihm klagt die Staatsanwaltschaft nur Gefährdung der körperlichen Sicherheit an, denn auch dieser Gast befand sich laut Anklage in großer Gefahr.

Immer schwierig

Wie kompliziert die Beurteilung einer Situation ist, macht der erste Zeuge beim Prozess am Landesgericht Feldkirch deutlich. Der 27-jährige ist für die Lawinensprengungen zuständig. „Ob ein Hang befahren werden kann oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab und muss jeden Tag, manchmal sogar mehrmals täglich, neu beurteilt werden“, so der Sprengfachmann. Wind, Temperatur, Sprengerfolge vom Vortag, dies und noch vieles mehr nehmen Einfluss auf die Entscheidung.

Der angeklagte Skiführer selbst erklärt, dass er Abrisskanten von abgesprengtem Schnee gesehen habe und davon ausgegangen sei, dass der Hang sicher wäre. Den Lawinenlagebericht habe er sehr wohl gekannt, die Beurteilung vor Ort sei aber noch einmal etwas anderes. Zudem sei die Skiroute unterhalb des Unfallortes frei­gegeben gewesen – für ihn damals ebenfalls ein Hinweis, dass keinerlei Gefahr drohe. Zu den Anschuldigungen bekennt sich der Mann nicht schuldig.

Gutachter kontert

In seinem Gutachten spricht Lawinenexperte Andreas Pecl hingegen von „hohem Risiko“ und von einem „Tabu“, in einen solchen Hang einzufahren. „Das einzig Richtige wäre gewesen, die Einfahrt zu unterlassen“, so der Sachverständige. Pecl betont, dass er bei den bisherigen Einvernahmen die Stellungnahmen des Skiführers gehört habe, im Prozess aber Neues, zum Alten Widersprüchliches aufgetaucht sei. Diese neuen Angaben und Darstellungen in Plänen und Unterlagen müsse er nochmals gründlich untersuchen und beurteilen. „Das kann ich nicht in dreißig Sekunden“, so der Sachverständige. Im Prozess wird auch erörtert, ob in der betreffenden Rinne durch die Sprengung der gesamte Schnee abgegangen war oder ob ein Teil noch am Berg haftete und somit Gefahr barg. Für Gutachtensergänzungen wurde der Prozess vorerst auf unbestimmte Zeit vertagt.