Unter der Kanis fliegen Fetzen

Vorarlberg / 28.07.2017 • 22:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Projektgegner befürchten, dass der Kanisfluh mit dem Steinbruch eine „landschaftszerstörende Basiswunde“ zugefügt wird.
Die Projektgegner befürchten, dass der Kanisfluh mit dem Steinbruch eine „landschaftszerstörende Basiswunde“ zugefügt wird.

Primar Haller zieht IS- und Taliban-Vergleich, WKV fordert  Entschuldigung.

Mellau, Schnepfau. (VN-ger, tw) Die Gesellschafter der Firma Rüf zeigen sich empört. Die Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) spricht von einer „unhaltbaren Verunglimpfung der übelsten Sorte“. Stein des Anstoßes sind Aussagen von Psychiater Reinhard Haller anlässlich der Eröffnung der Kunstausstellung „Üsa Kanis“ gegen den geplanten Steinbruch am Fuße der Kanisfluh.

Kanisfluh und Matterhorn seien in gleichem Maße Wahrzeichen und identitätsstiftend, sagte Primar Haller am Donnerstagabend in seiner Rede in Mellau. Wenn nun versucht werde, einen Angriff darauf zu starten, dann assoziiere er damit, „was die Taliban im Jahr 2001 in Afghanistan gemacht haben“. Der gebürtige Mellauer bezog sich dabei auf die Sprengung der antiken Buddha-Statuen von Bamiyan durch die Islamisten. Als weiteres Beispiel nannte er die Zerstörung der Grabtürme von Palmyra durch den IS anno 2015. In beiden Fällen sei die Zerstörung aus einem Zeitgeist heraus geschehen. „Unsere Opportunität heißt eben Gewinnmaximierung und Ausplünderung der Landschaft – damals hat es eben geheißen, es sind irgendwelche religiösen Gründe, die momentan gerade modern sind.“

„Beleidigung“

Die Firma Rüf meldete sich am Freitag „im Namen unserer 120 MitarbeiterInnen, die aufs Tiefste beleidigt wurden“, zur Wort. „Es ist schade und beschämend, auf welchem Niveau wir von Prof. Haller angegriffen werden. Der Vergleich, dass unser Unternehmen agiert wie der IS oder die Taliban ist äußerst geschmacklos und aus jedem Zusammenhang gerissen“, heißt es in der Aussendung. Der Primar schüre damit Konflikte und verbreite zudem mit Aussagen wie „Es werden aus diesem Projekt Steine für das wichtige Projekt Rhesi verwendet“ Unwahrheiten. In dieselbe Kerbe schlägt die WKV. Die Interessensvertretung fordert Haller auf, „den empörenden IS-Vergleich gegenüber einem traditionellen Vorarlberger Familienunternehmen“ zurückzunehmen und „sich schleunigst für seine Entgleisungen zu entschuldigen“. Einen Grund dafür sieht Reinhard Haller allerdings nicht. Er habe sich bei seinem Vergleich weder auf Menschen noch auf eine Firma bezogen, sondern darauf, dass man Kulturdenkmäler und Naturwunder für immer zerstöre. Im Zusammenhang mit Rhesi habe er überdies im Konjunktiv gesprochen und gesagt: „Für mich wäre es der Gipfel der Perversion, wenn die Steine der Kanisfluh im Rhein versenkt werden würden.“ Wenn die Firma Sachlichkeit fordere, so der Primar weiter, dann solle sie bei sich selber anfangen und sachliche Informationen liefern.

Die Firma Rüf plant, im Bereich Vorsäß Enge rund 800.000 Kubikmeter Kies abzubauen und die Grube anschließend mit Aushubmaterial zu befüllen. Unlängst wurde bei der BH Bregenz der Antrag auf Einleitung des Verfahrens eingebracht. „Das ist jetzt kritisch zu prüfen und von verschiedenen Sachverständigen zu beurteilen“, meint Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser. Laut BH ist derzeit beim Land das UVP-Feststellungsverfahren am Laufen. „Ziemlich bald“ erwartet Rüdisser das Ergebnis in Bezug auf die geplante Verordnung der Gemeinde Schnepfau über das örtliche Schutz­gebiet „Engevorsäß, Kanisfluh“. Die Entscheidung sei jedenfalls von der Landesregierung zu treffen, da es den Kiesabbau betreffe und somit die Interessen mehrerer Gemeinden bzw. einer Region tangiere.

Ich habe niemanden mit IS-Terroristen verglichen.

Reinhard Haller
Die Kiesgrube würde sukzessive wieder begrünt, sagen die Betreiber. Primar Haller erinnert das Bild an die Hängenden Gärten der Semiramis.
Die Kiesgrube würde sukzessive wieder begrünt, sagen die Betreiber. Primar Haller erinnert das Bild an die Hängenden Gärten der Semiramis.
Ich halte nichts von einer Emotionalisierung. Für mich als Bregenzerwälder muss die Kanisfluh als imposantes Naturjuwel erhalten werden. Gleichzeitig muss regionalen Unternehmen die Möglichkeit zur Weiterentwicklung geboten werden. Jetzt braucht es einen sachlichen Dialog an einem Tisch. 
              Erich Schwärzler, Landesrat, VP

Ich halte nichts von einer Emotionalisierung. Für mich als Bregenzerwälder muss die Kanisfluh als imposantes Naturjuwel erhalten werden. Gleichzeitig muss regionalen Unternehmen die Möglichkeit zur Weiterentwicklung geboten werden. Jetzt braucht es einen sachlichen Dialog an einem Tisch.

Erich Schwärzler, Landesrat, VP

Einseitige Vorwürfe sind in der laufenden Diskussion und im laufenden Verfahren wenig hilfreich. Aus unserer Sicht wäre es besser, nach Alternativstandorten in der Talschaft für den Kiesabbau zu suchen, als Materialtransporte durch den Bregenzerwald akzeptieren zu müssen. 
              Daniel Allgäuer, Klubchef, FP

Einseitige Vorwürfe sind in der laufenden Diskussion und im laufenden Verfahren wenig hilfreich. Aus unserer Sicht wäre es besser, nach Alternativstandorten in der Talschaft für den Kiesabbau zu suchen, als Materialtransporte durch den Bregenzerwald akzeptieren zu müssen.

Daniel Allgäuer, Klubchef, FP

Die Kanisfluh ist mehr als ein Berg. Sie wird besungen und gilt für viele als Symbol der Heimat. Am Fuß dieses Monuments Kiesabbau anzusiedeln, wäre eine falsche Entscheidung. Ich begrüße deshalb die Bemühungen der Bürgerinitiative und der Gemeinde Schnepfau zum Schutz der Kanisfluh. 
              Daniel Zadra, Grüne

Die Kanisfluh ist mehr als ein Berg. Sie wird besungen und gilt für viele als Symbol der Heimat. Am Fuß dieses Monuments Kiesabbau anzusiedeln, wäre eine falsche Entscheidung. Ich begrüße deshalb die Bemühungen der Bürgerinitiative und der Gemeinde Schnepfau zum Schutz der Kanisfluh.

Daniel Zadra, Grüne