Sie sagt Ungeziefer jeder Art den Kampf an

Vorarlberg / 30.07.2017 • 18:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Annika Machnik packt einen Schokokuss in die Marderfalle, damit werden die Tiere angelockt. Foto: VN/Hofmeister
Annika Machnik packt einen Schokokuss in die Marderfalle, damit werden die Tiere angelockt. Foto: VN/Hofmeister

Annika Machnik bestand als erste Vorarlbergerin die Meisterprüfung Schädlingsbekämpfung.

Andelsbuch. (VN-jun) Wenn Schaben durch die Küche laufen, Mäuse den Keller belagern, eine Ameisenstraße durch die Wohnung führt oder Wespen direkt am Fenster ein Nest bauen, dann ist Annika Machnik zur Stelle. Die 20-Jährige ist ausgebildete Schädlingsbekämpferin mit Meistertitel. „Ich bin in ganz Österreich die Jüngste, die das jemals geschafft hat und in Vorarlberg die einzige Meisterin in diesem Beruf“, erzählt Machnik stolz.

Schon früh wusste die Andelsbucherin, dass sie einmal Schädlingsbekämpferin werden möchte. Der Berufswunsch wurde ihr sozusagen in die Wiege gelegt, schließlich hat schon ihr Großvater Küchenschaben, Ameisen und Wespen bekämpft. Auch ihr Vater ist als Kammerjäger tätig. So ist Machnik bereits als Achtjährige mit ihm auf Ungezieferjagd gegangen. „Ich ekle mich überhaupt nicht vor den Tieren. Das sollte man aber auch nicht, wenn man diesen Job macht“, sagt sie und lacht.

Arbeit im Familienbetrieb

Nach der Schule begann Machnik die Lehre als Schädlingsbekämpferin und schloss direkt die Meisterausbildung an. Vor zwei Wochen absolvierte sie ihre Abschlussprüfung mit Erfolg. Nun arbeitet sie als Meisterin der Schädlingsbekämpfung im Familienbetrieb in Andelsbuch mit, den sie später einmal in dritter Generation weiterführen möchte. Auch für weitere Fortbildungen auf dem Gebiet der Ungeziefer und Schädlinge ist Machnik offen. „Eventuell möchte ich mich später noch als Desinfektor ausbilden lassen, aber das hat noch Zeit“, sagt die 20-Jährige. „Jetzt möchte ich erstmal arbeiten.“ Während sich ihre Mutter um Bürotätigkeiten kümmert, befreien sie und ihr Vater Anton Privathaushalte und Gewerbebetriebe von Schädlingen aller Art. Derzeit wird das Team bis zu 20 Mal pro Tag zu Einsätzen gerufen. „Es sind vor allem Wespen, Ameisen und Fliegen, die uns im Sommer Arbeit bescheren“, informiert die junge Frau. „Im Frühjahr und Herbst sind es wiederum die Mäuse.“ Die häufigsten Schädlinge in Vorarlberg seien neben Mäusen, Wespen und Ameisen die Getreideblattkäfer. Mit ihnen hätten vor allem Landwirte zu kämpfen.

Anders als die meisten Leute denken, hat Ungeziefer nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. „Das versuche wir den Leuten schon lange beizubringen. Jeder kann Ungeziefer im Haus haben“, klärt Machnik auf. Gibt es einen Schädlingsbefall, beispielsweise durch Küchenschaben, rät sie, nicht allzu lange zu warten. „Lieber möglichst schnell einen Kammerjäger rufen. Wir wissen, mit welchen Mitteln wir welches Ungeziefer bekämpfen müssen.“ Ein Anruf und die Schädlingsbekämpferin rückt mit ihrem Kleinbus voller Utensilien am Ort des Geschehens an. Der Kofferraum ist voll mit Mitteln gegen Ungeziefer, Schutzmänteln, Handschuhen, Mause- und Marderfallen. „Oft weiß ich nur, dass ich irgendwo Ungeziefer entfernen soll, aber nicht um welche Tiere es sich handelt. Deshalb muss ich alles dabei haben, was ich brauchen könnte.“

Beruf stirbt aus

Was ihr an dem Beruf als Schädlingsbekämpferin gefällt? „Er ist sehr abwechslungsreich. Jeder Einsatz ist anders. Oft muss ich auch selbst an den Spuren ablesen, welches Ungeziefer im Haus ist, erzählt sie. Leider gebe es in dieser Berufsgruppe aber keinen Nachwuchs in Österreich. Vor allem der Ekel vor den Tieren würde viele Jugendliche abhalten. „Die Ausbildung wird aussterben. Momentan gibt es österreichweit keinen einzigen Lehrling. Das Berufsfeld muss für junge Leute attraktiver werden.“