Frauen erst nach 60 in Pension

Vorarlberg / 25.08.2017 • 21:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Durchschnittliche Neupensionen betrugen im Vorjahr bei Vorarlbergerinnen gerade einmal 965 Euro. So wenig wie in keinem anderen Bundesland.
Durchschnittliche Neupensionen betrugen im Vorjahr bei Vorarlbergerinnen gerade einmal 965 Euro. So wenig wie in keinem anderen Bundesland.

Antrittsalter steigt kontinuierlich und liegt in Vorarlberg bereits über 60. Dafür gibt es zahlreiche Gründe.

Wien. (joh) Ehe man über eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters von 65 bei Männern und 60 bei Frauen diskutiere, möge man schauen, dass die Masse wenigstens an diese Altersgrenzen herankomme, lautet ein gängiges Argument. Zumindest in Vorarlberg und einigen anderen Bundesländern gilt es aber nur noch bedingt: Seit geraumer Zeit arbeiten Frauen, die nicht in die Invaliditätspension gehen müssen, über den 60. Geburtstag hinaus. Und das hat gute Gründe, wie eine VN-Recherche zeigt.

Wer einigermaßen gesund ist, hat kaum noch Möglichkeiten, sich vorzeitig zur Ruhe zu setzen. Die klassische Frühpension, die einst die Regel war, läuft nach langen Übergangsfristen im heurigen September endgültig aus. Daneben gibt es noch Sonderregelungen wie die Hackler- und die Korridorpension. Sie sind aber mit Bedingungen verbunden, die nur erfüllt, wer seit Jahrzehnten versichert und als Mann mindestens 62 Jahre alt ist. Frauen bleiben sie de facto überhaupt verwehrt.

Antrittsalter steigt

Eine Folge davon ist, dass das durchschnittliche Pensionsantrittsalter bei all jenen, die keine Invaliditätspension in Anspruch nehmen müssen, auch in Vorarlberg kontinuierlich steigt. Wobei sich jedoch eine Unterscheidung nach dem Geschlecht lohnt: Gegenüber 2014 hat das Zugangsalter bei den Männern in der sogenannten Alterspension minimal auf 63,05 Jahre zugenommen. Bei den Frauen dagegen ist es verhältnismäßig stark von 59,81 auf 60,25 Jahre gestiegen; das entspricht immerhin etwas mehr als fünf Monaten.

Dieses Antrittsalter von 60,25 Jahren muss eigens hervorgehoben werden: Es liegt über dem gesetzlichen Wert von 60 Jahren. Im Bundesländervergleich ist das erst in Kärnten (60,02), Tirol (60,28) und Wien (60,42) der Fall. Sonst ist es überall niedriger. Burgenländerinnen gehen um ein Dreivierteljahr früher in Pension als Vorarlbergerinnen. Doch auch bei ihnen ist die Tendenz steigend.

Das Phänomen, dass länger gearbeitet wird als es rein gesetzlich wirklich nötig wäre, scheint neu zu sein: Untersucht worden sei es noch nicht, heißt es im Sozialministerium: „Dazu müsste man erst eine eigene Studie machen.“ Der Chef der Servicestelle des Ressorts in Bregenz, Martin Staudinger, nennt aber Gründe, die naheliegend sind: Aufgrund der vergleichsweise guten Arbeitsmarktlage ist es hierzulande eher möglich, länger im Job zu bleiben. Schreiben an die Versicherten, was ihnen das finanziell einmal mehr bringen würde, schaffen einen zusätzlichen Anreiz, das zu tun. Und dann gebe es auch einen Vorteil für die Unternehmen: „Wenn Arbeitnehmer über das gesetzliche Pensionsalter hinaus beschäftigt werden, ist nur noch der halbe Pensionsbeitrag fällig.“

Kleine Pensionen

All das gilt jedoch für beide Geschlechter gleichermaßen. Bei Frauen muss also noch mehr dahinterstehen. Und das ist wohl Finanzielles: Die durchschnittliche Neupension betrug bei ihnen im vergangenen Jahr hierzulande gerade einmal 965,58 Euro. So wenig wie in keinem anderen Bundesland. Männer kamen dagegen auf doppelt so viel: 1998,04 Euro. Das Frauenministerium bestätigt in einer eigenen Broschüre, was Frauen zu schaffen macht: Berufsunterbrechungen und allenfalls Teilzeitjobs etwa. So kommen weniger Beiträge zusammen, die letztlich in einem niedrigeren Pensionsniveau münden. Das Ressort weiß dafür jedoch eine Lösung, die aus der Not heraus ganz offensichtlich zunehmend in Anspruch genommen wird: „Wenn man den Pensionsantritt über das Regelpensionsalter aufschiebt, wird die Pension mit einem besonderen Zuschlag (von 4,2 Prozent pro Jahr) berechnet.“

Pensionsantritte in Vorarlberg 2016

 Frauen Männer

Zahl der
Pensionsantritte

Alterspension* 1566 1101

Inv.pension 210 365

Durchschnittliches
Antrittsalter

Alterspension* 60,25 63,05

Inv.pension 53,35 55,81

Durchschnittliche
Pensionshöhe (brutto)  Alterspension*  965,58 €  1998,04 €

Inv.pension  798,45 €  1267,92 €

   

* Aterspension = normale (ab 65 bei Männern, 60 bei Frauen) und vorzeitige (z.B. Korridorpension ab 62)

Quelle: Sozialministerium,
 gesetziche Pensionsversicherung

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