Pläne sorgen für „dicke Luft“ im Rathaus

Vorarlberg / 21.11.2017 • 18:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 8. November 2017.
VN-Bericht vom 8. November 2017.

Zentraler Parkplatz: Vizebürgermeisterin Schoch fühlt sich von der Abtei Mehrerau übergangen.

Bregenz Ein gewerbebehördlicher Antrag zur Genehmigung eines bewirtschafteten Zentralparkplatzes bei der Mehrerau erregt derzeit die Gemüter im Bregenzer Rathaus. Schon morgen, Donnerstag, soll die mündliche Verhandlung über die Bühne gehen. Davon erfahren hat die für Stadtplanung, Mobilität und Umwelt zuständige Vizebürgermeisterin Sandra Schoch (46) aus den VN. Hier werde versucht, ein ordentliches Verfahren der Stadt Bregenz zu umgehen, macht die Grün-Politikerin ihrem Unmut Luft.

Die Mehrerau sei mit ihrem Anliegen auf die Stadt zugekommen. Es habe im März und Mai Begehungen gegeben. Dabei, so erklärt Schoch, sei ersichtlich geworden, dass es unterschiedliche Auffassungen gebe. „Danach wurde der Austausch abgebrochen“, so die Vizebürgermeisterin. Mit den jetzt eingeleiteten Verfahren bei der Bezirkshauptmannschaft versuche die Abtei Mehrerau, an der Stadt vorbei eine Genehmigung durchzubringen. Schoch spricht von einer „durchsichtigen Geschichte“ und einem unhöflichen Akt, nach kritischen Gesprächen eine ausschließlich juristische Lösung zu suchen. „Die Bevölkerung der Stadt wird beiseitegeschoben. Dabei geht es hier um einen sensiblen Naturraum und ein wichtiges Naherholungsgebiet.“ Und noch etwas ärgert Schoch: „Wir haben eine Erhebung in Auftrag gegeben, die zeigen soll, wie viel Parkraum es in Bregenz tatsächlich braucht.“ Ein Zwischenergebnis sei für Jänner angekündigt. Von den Verantwortlichen des Klosters erwarte sie, dass man den Bürgern mit Respekt gegenübertrete und an den Verhandlungstisch zurückkehre. „Man kann unterschiedliche Standpunkte haben, sich gegenseitig kritisieren, aber sich auf juristischem Weg einer Diskussion zu entziehen, finde ich nicht in Ordnung“, so Schoch, die auf eine baurechtliche Prüfung des Vorhabens durch die Stadt hofft.

Stadt in Kenntnis gesetzt

Auf VN-Anfrage kontert die Abtei Mehrerau in einer schriftlichen Stellungnahme. Sie habe keinen wie auch immer gearteten Bauantrag an die Stadt Bregenz gestellt, weil sie den behördlich und gesetzlich vorgegebenen Weg beschreite und die entsprechenden Anträge bei der Bezirkshauptmannschaft eingebracht habe. Zudem sei der Bregenzer Bürgermeister selbstverständlich persönlich von Abt Anselm van der Linde über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt worden, heißt es weiter.

168 Stellplätze geplant

Wie die VN vor zwei Wochen berichteten, plant das Kloster Mehrerau einen zentral bewirtschafteten Parkplatz für 168 Fahrzeuge. Die bestehenden Parkflächen sollen zurückgebaut werden, wodurch neue Grünflächen entstünden, so die Abtei. Die Bregenzer Vizebürgermeisterin Sandra Schoch spricht indes von einer Verdoppelung der bestehenden Parkflächen. „Fast 200 Parkplätze direkt am See sind eindeutig zu viel.“ Um den tatsächlichen Bedarf zu kennen, müsste man die laufende Erhebung abwarten. Mit den Anträgen an die BH sei die Abtei dem allerdings zuvorgekommen. vn-mig

„Es ist offensichtlich: Hier wird versucht, an der Stadt vorbei etwas durchzubringen.“

VN-Bericht vom 8. November 2017.
VN-Bericht vom 8. November 2017.