Kampf um Leben und Job

02.02.2018 • 20:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Krebskranke profitieren bislang nur wenig von sanfter Wiedereingliederung.

Feldkirch Es gibt gute und weniger gute Nachrichten von der Krebsfront. Gut ist, dass die Überlebensraten steigen, weil die Behandlungsmöglichkeiten immer besser und genauer werden. Weniger gut ist, dass Betroffene durch die Krankheit in ihrer Berufsausübung häufig sehr eingeschränkt sind, die am 1. Juli 2017 eingeführte Wiedereingliederungsteilzeit bislang aber nur acht Personen mit einer Krebserkrankung in Anspruch genommen haben. Der Präsident der Vorarlberger Krebshilfe und Russ-Preis-Träger Prof. Gebhard Mathis hält deshalb eine bessere Information sowie eine Anpassung des aus seiner Sicht etwas komplizierten Gesetzes für dringend erforderlich.

Große Herausforderung

Morgen, Sonntag, steht der Weltkrebstag im Kalender. In Vorarlberg werden jährlich 1700 Neuerkrankungen registriert. Insgesamt leben etwa 16.000 Personen mit der Diagnose. „Der Kampf gegen Krebs ist und bleibt eine große Herausforderung für alle Beteiligten“, bringt es Primar Holger Rumpold, Leiter der Inneren Medizin II im Landeskrankenhaus Feldkirch, auf den Punkt. Denn noch immer verlieren pro Jahr rund 800 Betroffene diesen Kampf. Dank des medizinischen Fortschritts verbessern sich die Chancen aber zumindest für jene, die neu erkranken. Laut Rumpold stieg die Überlebensrate von früher 35 bis 45 Prozent auf heute 60 bis 70 Prozent. Als Grund nennt er verbesserte Therapiemöglichkeiten sowohl im operativen wie medikamentösen Bereich. „Aber immer braucht es dazu die Strukturen sowie eine intensive Zusammenarbeit jener Disziplinen, die bei Krebsbehandlungen notwendig sind“, betont der Onkologe und ergänzt: „Was das betrifft, sind die Patienten in Vorarlberg gut aufgehoben.“

Neue Medikamente

Mit der sogenannten personalisierten Medizin hat sich die Herangehensweise zur Behandlung von Krebserkrankungen wesentlich geändert. So wird ein Tumor heute histologisch und molekularbiologisch untersucht. „Die Informationen über die Biologie des Tumors entscheiden über die Art der Therapie“, erläutert der Experte. Auf diese Weise kann jene Behandlungsmethode gewählt werden, die den größtmöglichen Erfolg verspricht. Als sehr interessant gelten in diesem Zusammenhang sogenannte Marker, mit denen sich ein Ansprechen auf eine Immuntherapie vorhersagen lässt. Rumpold: „Es geht nicht mehr darum, welcher Art die Krebserkrankung ist, sondern welchen Marker der Tumor hat.“ Auf Basis dieser Erkenntnisse wird demnächst auch in Europa ein entsprechendes Medikament zugelassen. Im Unterschied zu anderen Mitteln, die jeweils nur auf einzelne Tumorarten ansprechen, lässt sich das neue Präparat auf verschiedenste Tumoren anwenden. Auch die Nebenwirkungen moderner Substanzen werden als deutlich geringer als bei klassischen Chemotherapien beschrieben.

Vorsorge nutzen

Die Medaille der steigenden Überlebensraten hat jedoch eine Kehrseite. „Krebs wird zunehmend zu einer chronischen Erkrankung, die die Ausübung eines Berufs wesentlich einschränkt“, beschreibt sie Krebshilfe-Präsident Gebhard Mathis. Betroffene können dadurch schnell in die Armutsfalle geraten, wie die Erfahrungen zeigen. Derzeit sind 123 krebskranke Personen bei der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) im Dauerkrankenstand gemeldet (mehr als 29 Tage), 46 Personen befinden sich bereits über 182 Tage in dieser Situation. Schon vor Jahren hat sich die Krebshilfe für eine berufliche Teilzeitlösung eingesetzt. Das Modell der Wiedereingliederungsteilzeit wird allerdings als zu kompliziert eingeschätzt. Bisher wurden 67 Anträge bewilligt. Die häufigsten Diagnosen betreffen psychische Erkrankungen, nur acht entfallen auf Krebserkrankungen. Mathis wünscht sich eine verstärkte Aufklärung und Vereinfachung der Zugangsmöglichkeiten.

Vor der Erkrankung stehen aber noch Vorsorge und Früherkennung. Darauf weist die GKK hin. Damit können Krebsarten wie Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Darmkrebs oder Haut- und Prostatakrebs oft rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden. Vorarlberger sollten diese Angebote stärker nutzen, lautet der Appell. VN-MM  

„Der Kampf gegen Krebs ist und bleibt eine große Herausforderung.“