Vorarlberger brauchen mehr Geld

Vorarlberg / 04.02.2018 • 19:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vor allem „Wohnen“ treibt die Lebenshaltungskosten in die Höhe.

SCHWARZACH Soll es für Kinder in Vorarlberg mehr Familienbeihilfe geben als etwa im Burgenland? Noch ehe das zu einem Diskussionsthema werden konnte, hat die ÖVP klargestellt, das es keines für sie ist: „Niemand in der neuen Volkspartei – auch nicht die ÖVP-Delegation in Brüssel – will eine regionale Indexierung der Familienbeihilfe innerhalb Österreichs. Das kommt nicht infrage.“ Der EU-Abgeordnete Heinz Becker hatte das für einen Moment in den Raum gestellt; doch mit der Klarstellung seiner Partei war es wieder weg.

Wenig verfügbare Daten

Die Frage, wie es um die Lebenshaltungskosten nach Bundesländern tatsächlich bestellt ist, ist trotzdem spannend: Wie viel braucht man etwa im Westen der Republik, um allein, in einer Partnerschaft oder mit Kind und Kegel über die Runden zu kommen, wie viel im Osten? Viele Daten gibt es nicht dazu. Statistik Austria erhebt zwar regelmäßig Preise vom Boden- bis zum Neusiedlersee, wie Michaela Maier von der volkswirtschaftlichen Abteilung erklärt: Eine Aufschlüsselung nach Bundesländern gebe es dazu aber nicht. Und in Vorarlberg hat die Landesstatistik vor zwölf Jahren aufgehört, einen eigenen Lebenshaltungskostenindex zu führen.

Die Familienbeihilfe soll nach EU-Mitgliedstaaten indexiert werden. Das ist relativ einfach, sind dazu doch Anknüpfungsmöglichkeiten in Hülle und Fülle vorhanden. Für 100 Euro bekommt man beispielsweise in Bulgarien doppelt so viel wie in Österreich; mit rund 50 Euro kann man an der Schwarzmeerküste also gleich viel anfangen. Die Beihilfe könnte demnach halbiert werden.

Doch zurück zu den Bundesländern: Vorarlberg ist in vielerlei Hinsicht relativ teuer. Man braucht hier folglich mehr Geld. Im Alltag zumindest gefühlt, wenn man etwa auswärts essen geht. In ländlicheren Gebieten im Süden und Osten der Republik ist es einfacher, ein Gasthaus zu finden, in dem ein Schnitzel keine zehn Euro kostet. Daten dazu, die das untermauern würden, liegen jedoch nicht vor.

Was die Statistik Austria veröffentlicht, ist aber immerhin etwas, was einiges über die Lebenshaltungskosten aussagt: Angaben über die Wohnkosten nämlich. Sie machen mit Abstand am meisten aus. Alles in allem entfällt ein Drittel der durchschnittlichen Haushaltsausgaben auf sie. Zum Vergleich: Verkehr, inklusive Autobeschaffung und -erhaltung sowie Bus und Bahn-Tickets bringen es nur auf ein Siebentel.

Die Wohnkosten werden im Rahmen einer Erhebung namens „EU-SILC“ regelmäßig erfasst. Wobei Miet-, Betriebs-, Energie- und Instandhaltungskosten ebenso berücksichtigt werden, wie Finanzierungskosten bei Eigentum. Ergebnis, Stand 2016: Summa summarum liegt Vorarlberg sowohl pro Haushalt als auch pro Kopf mit 545 bzw. 320 Euro monatlich über dem österreichweiten Durchschnitt (510 bzw. 315 Euro). Dieser wird freilich praktisch nur durch Wien stark gehoben. In sechs Ländern liegen die Werte darunter. Und im Burgenland sind die Kosten mit 434 bzw. 247 Euro überhaupt am niedrigsten. Sprich: Dort lässt es sich am günstigsten leben, braucht man für vergleichbare Wohnverhältnisse im Schnitt also um ein Viertel weniger Geld als in Vorarlberg. JOH