Hofübergabe im Mai

Vorarlberg / 05.02.2018 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Josef Moosbrugger blickt neuen Herausforderungen entgegen. Vn/Steurer
Josef Moosbrugger blickt neuen
Herausforderungen entgegen. Vn/Steurer

Josef Moosbrugger wird neuer Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich.

Dornbirn Die Freude ist groß. Die Herausforderung ebenso. Vorarlbergs Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (51) wird bald oberster Landwirt Österreichs. Am gestrigen Montag ist er von seinen Amtskollegen aus den anderen Bundesländern einstimmig zum Nachfolger des Niederösterreichers Hermann Schultes als LKÖ-Präsident nominiert worden. Die Hofübergabe soll Mitte Mai über die Bühne gehen.

Für Moosbrugger ist die Nominierung nicht nur eine Bestätigung für seine bisherige Arbeit als Obmann des Milchwirtschaftsausschusses und Vizepräsident der LKÖ, wie er im VN-Gespräch sagt. „Sondern auch eine große Herausforderung, als Westler eine wichtige Rolle in der Agrarpolitik einnehmen und diese mitgestalten zu können.“

Mehrere Punkte auf der Agenda

Mit dem Brexit, neuen Freihandelsabkommen und der Reform der bäuerlichen Sozialversicherungen kommt in nächster Zeit so einiges auf die heimische Landwirtschaft zu. Moosbrugger hat seine Agenda zu den künftigen Herausforderungen in einer ersten Stellungnahme in fünf Punkten skizziert. Dabei geht es unter anderem um eine flächendeckende Landwirtschaft und die Zusammenarbeit mit den Touristikern, Existenzsicherung und die Vereinfachung von Fördersystemen. Bei letzterem Thema gehe es darum, mehr Geld in kleinbäuerliche Strukturen zu bringen.

„Für eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft braucht es faire Wettbewerbsbedingungen“, sagt Moosbrugger weiter. Er fordert in diesem Zusammenhang eine durchgängige, verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung. Als eines der zentralen Themen für die kommenden Jahre sieht der Dornbirner auch die digitale Herausforderung. „Das ist Chance und Risiko zugleich.“ Aber es sei wichtig, Systeme effizienter zu nutzen. Außerdem sollten die Kammern seiner Meinung nach bundesländerübergreifend enger zusammenarbeiten. „Bis hin zu einer starken Bundeskammer“, sagt der designierte LKÖ-Chef.  

Rücktritt als Stadtrat

Moosbrugger hat seine Laufbahn als Interessenvertreter in der Jungbauernschaft und der Landjugend begonnen. Seit über 25 Jahren ist er Kammerrat und seit 1999 Präsident der Vorarlberger Landwirtschaftskammer. Doch dem noch lange nicht genug. Der 51-Jährige ist zudem Obmann des Vorarlberger Waldbesitzerverbandes, Vorsitzender der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH und Obmann der Viehzuchtgenossenschaft Dornbirn. Die Liste setzt sich fort mit der Rolle als Dornbirner Stadtrat und Obmannstellvertreter im Vorarlberger Bauernbund.

„Ich habe in den vergangenen Jahren immer große Unterstützung von meiner Frau und meinen Kindern bekommen“, sagt Moosbrugger, der zudem noch einen Milchwirtschaftsbetrieb in Dornbirn führt. Da die neue Funktion als Chef der österreichischen Landwirtschaftskammer mit neuen, zeitintensiven Herausforderungen einhergeht, sei darüber daheim natürlich schon gesprochen worden. „Und es ist klar, dass ich gewisse andere Aufgaben abgeben muss.“ Die Liste der Funktionen soll nun sukzessive abgebaut werden. Beschlossen hat Moosbrugger bereits, dass er im Lauf des Frühjahrs die Rolle im Dornbirner Stadtrat aufgeben wird. Hinsichtlich weiterer Pläne wollte er sich vorerst noch nicht äußern.  

In der Vorarlberger Landwirtschaftskammer wurde unterdessen am Montag nach der Bekanntgabe der Nominierung Moosbruggers von einem historischen Tag gesprochen. Auch seitens des österreichischen Bauernbundes wird die geordnete Hofübergabe positiv gesehen. „Mit seiner 18-jährigen Erfahrung als Präsident der Landwirtschaftskammer Vorarlberg genießt er unser volles Vertrauen. Er wird die notwendigen Schritte für eine zukunftsorientierte Ausrichtung der bäuerlichen Interessenvertretung im Sinne unserer bäuerlichen Familienbetriebe in Österreich weiterführen“, meint Bauernbund-Präsident Georg Strasser. Die Amtszeit von Hermann Schultes endet am 15. Mai. Dann wird Moosbrugger nach der Wahl schließlich offiziell das Zepter als oberster Landwirt Österreichs übernehmen.

„Die digitale Herausforderung wird zentrales Thema für die Landwirtschaft sein. Chance und Risiko zugleich.“

Zur Person

Josef Moosbrugger
ist seit 1999 Präsident der Vorarlberger Landwirtschaftskammer.

Geboren 30. Juni 1966 in Dornbirn

Ausbildung drei Jahre landwirtschaftliche Fachschule in Hohenems

Funktionen unter anderem Stadtrat Dornbirn, Obmann Milchwirtschaftsausschuss LKÖ, Vorsitzender Ländle Qualitätsprodukte Marketing

Familie verheiratet, drei Kinder