Die heimtückische Falle beim „schwarzen Felsen“

Vorarlberg / 06.02.2018 • 22:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Alpinpolizist musste sich am Montag vom Polizeihubschrauber zu zwei in der Felswand in Not geratenen Brüdern aus Israel abseilen. Polizei
Ein Alpinpolizist musste sich am Montag vom Polizeihubschrauber zu zwei in der Felswand in Not geratenen Brüdern aus Israel abseilen. Polizei

Unheimliche Häufung von schweren Stürzen im freien Skiraum von Zürs.

Zürs Man nennt sie „schwarzer Felsen“ oder auch „großer Felsen“: Jene senkrechte Felswand abseits der gesicherten roten Piste Nr. 134 nahe der Trittkopfbahn in Zürs. An diesem schroffen Felsen kam es innerhalb der vergangenen drei Wochen mehrfach zu dramatischen Ereignissen. Zu Unfällen mit Schwerverletzten und zu Rettungsaktionen in buchstäblich letzter Sekunde.

So auch am vergangenen Montagmittag, als vier befreundete norwegische Skisportler einen schwerwiegenden Fehler begingen. Sie fuhren von der Piste 134 in den freien Skiraum ein. Und missachteten dabei die Hinweisschilder „Achtung Sturzgefahr“, die nur wenige Tage kurz zuvor hier aufgestellt wurden – aus gutem Grund, wie sich alsbald zeigen sollte.

Ein plötzlicher Schrei

Der Steilhang lockte, doch immerhin einer der vier Norweger wurde argwöhnisch. Er fuhr in einem weiten Bogen um die steile Stelle herum. Die anderen hingegen gingen das Wagnis ein. Ein 52-jähriger Snowboarder der Dreiergruppe fuhr voraus. Von ihm haben die Nachfolgenden plötzlich nur noch einen Schrei vernommen. Der Snowboarder war ein Stück die annähernd senkrechte Felswand abgerutscht, überschlug sich dann, stürzte anschließend den 12 Meter hohen Felsen ab, schlug mit dem Kopf voraus im Tiefschnee ein und erlitt eine Wirbelfraktur. Die alarmierte Pistenrettung Lech überstellte den Verletzten nach Zürs.

Und schon der nächste Einsatz

Noch während die Alpinpolizei an Ort und Stelle mit der Unfallaufnahme beschäftigt war, näherten sich zwei israelische Brüder mit ihren Snowboards von der Trittkopfbahn dem „schwarzen Felsen“. Herabfallender Schnee, von einem der Snowboarder ausgelöst, machte einen Alpinpolizisten auf die nahenden Wintersportler aufmerksam. Der Beamte rief den Israelis zu, nicht mehr weiterzufahren.

Doch beinahe zu spät: Auch wenn die beiden noch rechtzeitig zum Stehen kamen, so konnten sie im steilen Gelände weder vor noch zurück und drohten ebenfalls abzustürzen.

Ein Alpinpolizist seilte sich von oben zu den Brüdern ab. Ein 31-jähriger Snowboarder konnte von dem Beamten anschließend aus der Gefahrenzone befreit werden, sein 28-jähriger Bruder musste vom Polizeihubschrauber Libelle mittels Seilbergung aus dem Felsen geborgen werden.

Zusätzliche Hinweistafeln

Wegen der Häufung von Abstürzen am „schwaren Felsen“ wurden bereits einige Tage zuvor nochmals vier zusätzliche Hinweistafeln „Absturzgefahr“ oberhalb der Gefahrenstelle aufgestellt. VN-GS

Nicht der erste Unfall

20. Jänner 2018: Beim „schwarzen Felsen“ stürzt ein 39-jähriger polnischer Snowboarder ab und wird schwer verletzt. Sein 30-jähriger Bruder muss aus der Wand geborgen werden.

3. Februar 2018: Ein 53-jähriger deutscher Skifahrer rutscht über eine Felsrinne beim „schwarzen Felsen“ ab, erleidet eine Wirbelfraktur und muss ins Spital eingeliefert werden.