Die unvergessene Tragödie von Egg

Vorarlberg / 07.02.2018 • 22:12 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Elf Schätze“ nannte Pfarrer Ronald Waibel die Todesopfer der Brandkatastrophe in Egg. Kurz darauf starb eine zwölfte Heimbewohnerin. VN/Hartinger
„Elf Schätze“ nannte Pfarrer Ronald Waibel die Todesopfer der Brandkatastrophe in Egg. Kurz darauf starb eine zwölfte Heimbewohnerin. VN/Hartinger

Brandkatastrophe im St.-Vinzenz-Heim jährt sich zum zehnten Mal.

Egg Am 8. Februar 2008 geriet das Seniorenheim St. Vinzenz in Egg in Brand, elf Bewohner kamen an Ort und Stelle ums Leben, eine 92-Jährige starb Tage später im Spital. Als einer der verheerendsten Brände Vorarlbergs überhaupt prägte sich das tragische Unglück tief in das Gedächtnis der Bevölkerung ein.

Zwölf Todesopfer

Das Unglück im 140 Jahre alten Vinzenzheim nahm mit dem Brand­alarm um 18.40 Uhr seinen Lauf. In Todesangst liefen viele der 24 Bewohner aus ihren Zimmern, um aus dem Haus zu gelangen. Dabei wurde der stark verrauchte Gang zur Todesfalle. Die zwölf Opfer – sechs Männer, sechs Frauen – starben ausnahmslos an Rauchgasvergiftung. Fünf weitere Senioren wurden verletzt, einige davon lebensgefährlich. Die übrigen Bewohner und zwei Pflegekräfte konnten unverletzt gerettet werden.

300 Helfer von Feuerwehr, Rettung, Polizei und aus der Bevölkerung standen in der Nacht im Einsatz, um alles Menschenmögliche für das Überleben der Bewohner zu tun. Auch der damalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der wegen eines Termins in Vorarlberg weilte, machte sich noch am Unglücksabend ein Bild vom Geschehen und zeigte sich tief betroffen.

Rund 1000 Trauernde

Fünf Tage später verabschiedete sich die Öffentlichkeit im Rahmen eines Trauergottesdienstes in der Pfarrkirche Egg von den Verstorbenen. Rund 1000 Trauernde – in und vor der Kirche – gedachten der Opfer, darunter Benno Elbs als damaliger Generalvikar der Diözese Feldkirch und Landeshauptmann Herbert Sausgruber. Bürgermeister Norbert Fink erzählte, wie ihm das Erlebnis der Weihnachtsfeier im Vinzenzheim, an der er jedes Jahr teilgenommen hatte, fehlen werde. „Die Menschen waren, wie sie waren, und sie konnten auch so sein“, sagte Fink.

Die Brandermittler arbeiteten schnell und eruierten Zigarettenreste oder Asche in einem Abfall­kübel im ersten Stock als Brandursache. Die Flammen und der Qualm hatten rasch auf weitere Räume übergegriffen. Ein „Schuldiger“ für die Brandkatastrophe wurde nicht ausfindig gemacht. Die Staatsanwaltschaft Feldkirch stellte die Ermittlungen wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst mit Todesfolge nach über einem halben Jahr ein. Es habe sich um ein tragisches Unglück gehandelt, strafbare Handlungen seien niemandem nachweisbar, hieß es.

Nach dem Unglück, das große Bestürzung und Trauer in Vorarlberg auslöste, wurden alle Seniorenheime Vorarlbergs hinsichtlich des Brandschutzes überprüft, später auch die Krankenhäuser und Therapiestationen. Das Vinzenzheim hatte den vorgeschriebenen Bestimmungen entsprochen, daher wurden in der Folge die Brandschutz-Standards verbessert.

Neues Sozialzentrum

Für das Vinzenzheim selbst bedeutete das Feuer das Ende. Im Mai 2008 wurde die Brandruine abgerissen, laut Bürgermeister Fink sowohl aus baulichen als auch aus Pietätsgründen. Die Gemeinde Egg errichtete an ihrer Stelle ein neues modernes Sozialzentrum. Das neue Pflegeheim mit 30 Betten und einem angegliederten Gebäude für betreutes Wohnen wurde im Oktober 2011 eröffnet. In der hauseigenen Kapelle steht zum Gedenken an die Toten ein Kreuz, das noch aus dem alten Heim stammt. 

Am Abend des 8. Februar 2008 stand das Vinzenzheim in Brand. 300 Helfer waren bei den Löscharbeiten im Einsatz. L. Berchtold
Am Abend des 8. Februar 2008 stand das Vinzenzheim in Brand. 300 Helfer waren bei den Löscharbeiten im Einsatz. L. Berchtold

Gedenkgottesdienst

In der Kapelle im neuen Egger Sozialzentrum, wo vorher das Vinzenzheim stand, wird am heutigen Donnerstag anlässlich des Jahrestags ab 18.45 Uhr ein Gedenkgottesdienst gefeiert: „Wir wollen mit Respekt und Würde der Opfer gedenken, den unzähligen Helfern noch einmal danken und gleichzeitig den Blick auf das lenken, was entstanden ist“, schreiben Paul Sutterlüty, Finks Nachfolger als Gemeindechef, und Sozialzentrum-Geschäftsführer Wilhelm Sutterlüty in der im Gemeindeblatt veröffentlichten Einladung an die Bevölkerung.