Großprojekt Rhesi könnte zum „Rhein-Fall“ werden

07.02.2018 • 20:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Rhesi wären Gemeindeflächen im Bereich der Frutzmündung nötig. Nutzungsberechtigte sind jedoch dagegen. RHESI
Für Rhesi wären Gemeindeflächen im Bereich der Frutzmündung nötig. Nutzungsberechtigte sind jedoch dagegen. RHESI

Nutzungsberechtigte votierten Dienstagabend gegen die Dammabrückung am Rhein.

Koblach Koblach stellt sich weiter gegen das Projekt „Rhein-Erholung-Sicherheit“ (Rhesi). Das Votum der Nutzungsberechtigten am Dienstagabend fiel eindeutig aus: 32 der Nutzungsberechtigten stimmten für, 90 gegen die Dammabrückung im Bereich der Frutzmündung. „Wir sind nicht gegen eine Verbesserung des Hochwasserschutzes und auch nicht gegen Rhesi, aber wir sind gegen die Größenordnung des Projekts in Koblach“, betonte Peter Mathis, Sprecher der Nutzungsberechtigten. Aus Sicht der Gegner besteht keine Notwendigkeit für eine Verlegung des Damms und Zerstörung der Ökologie. Stichwort Nutzungsberechtigte: Von 524 Berechtigten hatten sich gerade mal 122 zu dieser „Vollversammlung“ aufgemacht.

Ball liegt jetzt in Gemeindestube

Jetzt liegt der Ball bei der Gemeindevertretung Koblach. Eine Ablehnung des Projekts wird nach diesem Nein auch dort befürchtet. „Das ist keine leichte Entscheidung, und ich denke, der Druck wurde nicht weniger damit“, sagt der Koblacher Bürgermeister Fritz Maierhofer in einer ersten Reaktion. „Mit dieser Entscheidung erhöht sich der Druck auf die Gemeindevertretung. Ich setze auf bevorstehende Gespräche“, gibt sich der Gemeindechef optimistisch.

Projektleiter Markus Mähr zeigt sich naturgemäß enttäuscht vom Ergebnis. „Wir haben uns sehr intensiv mit der Dammabrückung beschäftigt. Mit dem Flächentausch haben wir eine gute Lösung für Koblach gefunden, leider konnten wir die Nutzungsberechtigten nicht überzeugen.“ Wie es nun mit dem Jahrhundertprojekt weitergeht, ist noch offen. Die zuständige Internationale Rheinregulierung wird in den nächsten Tagen über das weitere Vorgehen beraten. Auch für LH Markus Wallner ist das Abstimmungsergebnis ein herber Rückschlag. „Im Falle einer Ablehnung in der Gemeinde steht das Gesamtprojekt auf dem Spiel.“ Er habe bereits Gespräche mit Bürgermeister Maierhofer und den Projektverantwortlichen aufgenommen. Jetzt soll intensiv an einer Lösung gearbeitet werden. „Derzeit liegt eine Maximalversion auf dem Tisch. Eine Re-Dimensionierung ist gefragt, damit wird der Sicherheit zum Durchbruch verholfen.“

Wallner und Rauch einer Meinung

Die Tragweite des Jahrhundertprojekts Rhesi sei offenbar nicht allen bewusst: „Es steht viel auf dem Spiel, es geht um Hochwassersicherheit für 180.000 Menschen im Rheintal.“ In die gleiche Kerbe schlägt LR Johannes Rauch: „Wenn 90 Gemeinschaftsgrundbesitzer mit ihrem Nein 180.000 Menschen achselzuckend den nächsten Rheinhochwässern aussetzen wollen, dann fehlen einem eigentlich die Worte. Ich setze auf die Vernunft, das Verantwortungsbewusstsein und die Weitsicht der Koblacher Gemeindevertreter, Rhesi nicht scheitern zu lassen.“ Auch für Naturschutzanwältin Katharina Lins ist das Nein nicht nachvollziehbar: „Es kann nicht sein, dass ein so wichtiges Projekt in die Geiselhaft einer Handvoll Gegner genommen wird. Schon gar nicht, wenn diese nicht einmal konkrete Gegenargumente haben.“ VN-WIM, TW

„Eine Re-Dimensionierung ist gefragt, damit wird der Sicherheit zum Durchbruch verholfen.“

„Das ist keine leichte Entscheidung und ich denke, der Druck wurde nicht weniger damit.“

Fakten zu Rhesi

Rhesi Kürzel für Rhein, Erholung und Sicherheit

Projektinhalt Hochwasserschutzprojekt für den Alpenrhein vom Illspitz bis zur Bodenseemündung auf 26 Kilometern Länge

Ziel Erhöhung der Durchflusskapazität von derzeit 3100 m3 auf 4300 m3

Geplanter Baubeginn 2022

Geplante Umsetzungsdauer 20 Jahre

Betroffen 26 Kommunen auf beiden Seiten des Rheins; 13 in der Schweiz, 13 in Österreich

Ungefähre Gesamtkosten 500 Millionen Euro