Der Sport als Lokomotive

Wetter / 09.02.2018 • 20:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mario Reiter gewann 1998 Vorarlbergs letzte Olympiamedaille.

Rankweil Heute vor 20 Jahren am 10. Februar 1998 legte Mario Reiter bei den Olympischen Winterspielen in Nagano mit seiner Bestzeit im Torlauf die Basis für seinen späteren Olympiasieg in der alpinen Kombination. Bis es so weit war, musste er allerdings drei Tage warten. „Es war ein extremer Spannungsbogen“, erinnert er sich heute. Doch Reiter meisterte die psychische Extrembelastung, auch wenn er „keine großen Selbstzweifel“ hatte, wie er erzählt. „Natürlich war ich weit davon entfernt, 100 Prozent von mir überzeugt zu sein. Das kann ein Marcel Hirscher. Aber meine Saison damals war bis dahin grottenschlecht. Und für das war mein Selbstvertrauen eigentlich ein Wahnsinn.“ Der gebürtige Rankler aber krönte seine „vierten guten Saisonen“ (Reiter) mit dem Olympiasieg.

Olympiagold etwas Besonderes

Es sollte die bislang letzte olympische Medaille für Vorarlberg bleiben. Für den ehemaligen Skirennläufer, der nunmehr seit neun Jahren als Marketingmann für den österreichischen Skiverband arbeitet, damals „einfach nicht vorstellbar“. Umso größer ist seine Freude darüber, dass sich im Vorarlberger Verband in den vergangenen Jahren einiges bewegt hat.

Den Stellenwert eines Olympiasieges definiert er auch damit, dass es nach wie vor viele Sportarten gibt, die gerne olympisch wären. So bleibe es doch ein elitärer Kreis, auch wenn er die Bekanntheit eines Olympiasiegers nicht immer nur am Namen aufgehängt sehen will. Aber der Titel eines Olympiasiegers mache einen Sportler in nahezu jedem Land zu einem Champion. Damals wie heute sei es auch das Bestreben eines jeden, die Goldmedaille wirtschaftlich zu vermarkten. „Nur die Form der Vermarktung hat sich halbwegs verändert. Wir waren mehr in Sachen klassischer Werbung unterwegs. Heute sind sowohl Inhalte als auch Möglichkeiten deutlich breiter gestreut.“

Veränderungen, so Reiter, seien auch im Sport ein normaler Prozess. Für ihn ist der „Leistungssport die Lokomotive“. Gerade das Streben, immer besser zu sein wie der Gegner, führe zu einem permanenten Entwicklungsprozess. „Das war auch zu unserer Zeit so. Jeder Sportler hat zeitlich nur einen begrenzten Horizont. Nur wenn er besser als sein Mitbewerber ist, kann er auch existieren.“

Besondere Momente

Mit einem Blick zurück auf seine Karriere, so der zweifache Familienvater, zählt er neben dem Olympiasieg den Gewinn der beiden WM-Medaillen als „meine besonderen Momente“ auf. „Ich hatte mir drei große Ziele gesetzt“, erzählt Reiter: „Einen Kitzbühel-Sieg sowie Olympia- und WM-Gold. Zwei davon habe ich mit sehr gut erledigt, eines mit gut.“ Nach seiner aktiven Karriere wurde er vom damaligen Sport-LR Siegi Stemer in den Sportservice geholt. „Damals war es noch ein Anhängsel beim Sportgymnasium“, erinnert er sich an seinen ersten Arbeitsplatz. „Wir haben im Kleinen versucht, Strukturen für den Sport aufzubauen. Es war auch nicht abschätzbar, welche Möglichkeiten sich später durch den Ausbau zum Olympiastützpunkt ergeben werden.“

Dass die nächsten Wochen wegen den Winterspielen doppelt intensiv werden, bestreitet er nicht – weil: „Die wichtigen Entscheidungen will ich in der Nacht live erleben.“ VN-cha

„Mit dem Titel Olympiasieger ist man nahezu in jedem Land ein Champion.“

Zur Person

Mario Reiter
Mit dem Erreichten in meinen vier guten Jahren als Aktiver darf ich mehr als zufrieden sein.

Geboren 5. November 1970 in Rankweil

Beruf Leitung Marketing im Österreichischen Skiverband

Sportliche Erfolge Olympia-Gold Kombination 1998, WM-Silber Slalom 1996, WM-Bronze Kombination 1997

Familie Gattin Natascha, zwei Kinder (Moritz und Julius) VN/cha