Jagd nach dem verlorenen Schatz

09.02.2018 • 19:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Bild aus dem Jahr 2009: Im Skimuseum Vaduz gab es alles Mögliche zu bestaunen. Archiv/HB
Ein Bild aus dem Jahr 2009: Im Skimuseum Vaduz gab es alles Mögliche zu bestaunen. Archiv/HB

Hundert Jahre Skigeschichte haben sich offenbar in Luft aufgelöst.

Vaduz An Olympischen Spielen teilzunehmen, ist der Traum jedes Sportlers. Medaillen zu gewinnen, ebenso. Während die besten Skifahrer der Gegenwart derzeit in Südkorea um Edelmetall rittern, sind etliche ehemalige Athleten und Angehörige von Skilegenden schon seit Längerem auf der Suche nach früheren Errungenschaften. Sie haben nämlich ihre Skier, Medaillen oder Rennanzüge einst dem Liechtensteiner Noldi Beck für sein Vaduzer Skimuseum zur Verfügung gestellt. Doch nach dem plötzlichen Tod des ehemaligen Skiläufers im Jahr 2014 haben sich die Erinnerungsstücke offenbar in Luft aufgelöst. Tausende Skier, alte Bindungen, Medaillen, Rennanzüge, Pokale, Schlitten, Startnummern. Alles ist weg. Hundert Jahre Skigeschichte wie vom Erdboden verschluckt. Zumindest offiziell. Jäger des verlorenen Schatzes vermuten die Sachen nämlich in Kitzbühel.

Verschiedene Theorien

Der Liechtensteiner Noldi Beck hatte die Ausstellungsstücke über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen. Nach seinem überraschenden Tod wurden die Exponate verkauft, weil das Museum nicht mehr weiterfinanziert werden konnte. „Wir haben Noldi Becks Sammlung in Bausch und Bogen für einen Pauschalbetrag verkauft“, wird Guntram Wolf, Anwalt und Stiftungsrat der Noldi-Beck-Stiftung zur Bewahrung von Skikulturgut in liechtensteinischen Medienberichten vom Frühjahr 2016 zitiert. Käufer soll der Förderverein Museum Kitzbühel gewesen sein. Die Bestände seien wie vereinbart abgeholt worden. Dazu seien mehrere Lastwagen nötig gewesen. Doch irgendwo zwischen Liechtenstein und Tirol verlor sich die Spur. Denn Signe Reisch, Präsidentin des Fördervereins und Tourismusdirektorin, dementierte den Kauf. In Liechtenstein hat man mit dem Thema schon längst abgeschlossen. Auch Anwalt Guntram Wolf war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In Kitzbühel wird behauptet, dass die Sammlung schließlich in den Besitz der Familie Reisch gegangen sei.

Die ganze Sache sei schon irgendwie rätselhaft, meint Christian Lingenhöle, Begründer des Skimuseums Damüls. „Keiner weiß so richtig Bescheid, was mit den Exponaten passiert ist.“ Offenbar hatten auch zahlreiche Vorarlberger Noldi Beck Utensilien wie Skier, Pokale, Medaillen oder Rennanzüge als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Darunter auch Olympiasieger Patrick Ortlieb. Für die einstigen Besitzer sei die Situation natürlich nicht gerade angenehm, meint Lingenhöle. Da es aber weder Verträge noch eine genaue Inventarliste gab, dürften die Exponate wohl schwer zurückzubekommen sein. Die schriftliche Dokumentation der Ausstellungsstücke hatte Beck zwar in Angriff genommen, konnte diese aber bis zu seinem frühen Ableben nicht fertigstellen.

Während in Vorarlberg offenbar nicht aktiv nach dem verlorenen Schatz gesucht wird, hat eine Schweizer Gruppe Aufrufe im Internet gestartet. Immer mehr Betroffene melden sich, die ihre „Leihgaben“ zurück wollen, berichtet die Toggenburgerin Liselotte Schlumpf im VN-Gespräch. „Wir waren alle gutgläubig. Man hat den Noldi gekannt und war froh, dass die Sachen irgendwo ausgestellt werden“, erklärt sie weiter. Die Betroffenen seien enttäuscht, dass sie nicht über den Verkauf informiert worden seien. „Inzwischen gehen wir davon aus, dass die Sachen in einem bestimmten Gebäude in Kitzbühel sind. Und ich kann nicht verstehen, warum sich niemand dazu äußern will“, sagt Schlumpf und hofft in diesem Zusammenhang auf Menschlichkeit. Auch die Toggenburger Skilegende Willi Forrer, seines Zeichens bester Abfahrer der 1960er-Jahre, hatte bislang kein Glück. Allein 400 Ausstellungsstücke stammen von ihm. Darunter auch Pokale von Schülerskirennen. Sein ganzes Lebenswerk – einfach weg. Forrer wollte unlängst in Kitzbühel wieder das Gespräch suchen. Doch er bekam nicht einmal Antwort. Fragt sich also: Was wollen Kitzbüheler mit Schülerskirennen-Pokalen aus dem Toggenburg?

„Für die einstigen Besitzer ist die Situation natürlich nicht gerade angenehm.“