Das ganze Land vom Narrenfieber gepackt

11.02.2018 • 20:16 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
So bunt wie das Leben zeigte sich diese Gruppe am Bodensee.

So bunt wie das Leben zeigte sich diese Gruppe am Bodensee.

Tausende Mäschgerle und Zuschauer waren auf den Beinen.

bregenz, bludenz Der Himmel war grau, der Tag trotzdem kunterbunt. Dafür sorgten landauf, landab Karawanen von Mäschgerle, die Vorarlberg am vergangenen Wochenende auf Trab hielten und allerorten für viel Stimmung und noch mehr gute Laune sorgten. Auch die Landeshauptstadt Bregenz und die Bezirkshauptstadt Bludenz lagen ordentlich im Narrenfieber. Viele originelle Wagen und zahlreiche fantasievoll gekleidete Fußgruppen hatten sich für den „Ore Ore“-Umzug in Bregenz und den „Jöri-Jöri“-Umzug in Bludenz angemeldet. Zusammen mit den Besuchern, die dicht gedrängt die Umzugsstrecken säumten, brachte das närrische Geschehen im Unter- und Oberland Tausende von Menschen auf die Beine.

Wetterfestigkeit gefragt

„Wenn nur das Wetter hält“, sinnierte der Bregenzer Altprinz und Moderator des Umzugs, Roberto Kalin, mit einem skeptischen Blick in das wolkenverhangene Universum über der Festspielstadt. So ganz erfüllte sich die Hoffnung auf eine trockene Veranstaltung nicht, weil ab und an kurze Schneeschauer das Faschingsgestöber trübten. Aber die störten kaum. „Regen wäre noch blöder“, nahm es ein kunstvoll geschmückter Clown locker. Mit dieser Einschätzung stand er wohl nicht alleine da. Die übrigen Umzugsteilnehmer und Zuschauer trotzten mit einem fröhlichen Lachen im Gesicht ebenfalls den winterlichen Unbilden, zu denen sich noch eisige Kälte gesellt hatte. Doch was ein rechter Faschingsfan ist, der lässt sich von derlei Kinkerlitzchen nicht einschüchtern und erst recht nicht unterkriegen.

Enger Sicherheitskorridor

So fiel um Punkt 14 Uhr der „Ore Ore“-Startschuss, und der sehenswerte Faschingstross zog langsam vom Vorkloster los, wälzte sich gemächlich über die Bahnhofstraße und den Leutbühel, um schließlich am Kornmarktplatz zum Stillstand zu kommen.

Die Feuerwehr Bregenz, die mit mehr als 100 Freiwilligen zum närrischen Spektakel ausgerückt war, hatte während des Umzugs mit einem dicken Seil einen engen Sicherheitskorridor zwischen Zuschauern und Faschingstreibenden gelegt. „Wenn Kinder so dicht am Geschehen stehen, ist das besonders wichtig“, betonte Feuerwehr-Urgestein Johann Düringer. Fliegen nämlich die Zuckerle in rauen Mengen durch die Luft, wie das im Fasching nun einmal der Fall ist, gibt es für den Nachwuchs bekanntlich oft kein Halten mehr.

Würstchen und Brot zum Nulltarif

Deshalb stand beinahe alle zwei Meter ein Wehrmann, um die kleinen und großen Zaungäste auf gebührend Abstand zu den riesigen Wagen zu halten, die da eine Stunde lang mit Pauken und Trompeten durch die Innenstadt rollten. Der Begeisterung tat diese Vorsichtsmaßnahme keinen Abbruch. Sicherheit geht schließlich auch bei närrischen Aufläufen vor. An diesem, jedoch nur wettertechnisch trüben Faschingssonntag hielten in Bregenz zudem fast alle Gastronomiebetriebe ihre Pforten geöffnet. Aber auch das Fußvolk kam kulinarisch alles andere als zu kurz. Denn an fast jeder Ecke war an das leibliche Wohl und an durstigen Kehlen gedacht worden. Gleiches galt für die Mädchen und Buben, die sich adrett kostümiert ins fröhliche Treiben gestürzt hatten. Sie konnten sich nach dem Umzug auf dem Kornmarktplatz zum Nulltarif an Würstchen und Brot laben. Der Erlös aus den Eintrittsgeldern kommt in Bregenz wie immer dem Kinderfasching zugute.

Einfallsreiche Mäschgerle

Der größte Unzug im Oberland ging am Sonntagnachmittag traditionell in Bludenz über die Bühne, oder besser gesagt über die Straße. „Jöri, Jöri Kuttlaplätz“ hallte es entsprechend lautstark durch die Straßen und Gassen der Bludenzer Innenstadt. Zum großen Jöriumzug waren auch heuer wieder Hunderte Narren in die Alpenstadt gekommen, um das farbenfrohe Treiben hautnah mitzuerleben bzw. dabei sein zu können.

Dass die Mäschgerle ihrem Einfallsreichtum einmal mehr freien Lauf gelassen hatten, zeigte sich eindrücklich am imposanten Zug, der sich formiert hatte: Schillernde Seifenblasen, rotierende Baumhäuser, winterliches Schneegestöber und Eisköniginnen waren da ebenso zu sehen wie asiatische Drachen und die Schneckenpost. Ja sogar die venezianische Rialto­brücke hatte ihren Weg nach Bludenz gefunden und dem Fasnatfinale in der Bezirkshauptstadt ihren bunten Stempel aufgedrückt. Zum Klang der Moltaschorri Guggamusik schlängelte sich abschließend der Wagen der Bludenzer Funkenzunft im Konfettiregen durch die vom Narrenvolk gesäumte Stadtrunde. VN-MM, JS

In Bludenz durfte ein Seitenhieb auf die Probleme bei der Post nicht fehlen.

In Bludenz durfte ein Seitenhieb auf die Probleme bei der Post nicht fehlen.

Den Farben Türkis und Blau huldigte dieses Bregenzer Jung-Damen-Trio.

Den Farben Türkis und Blau huldigte dieses Bregenzer Jung-Damen-Trio.

Dieser herzige kleine Clown hatte seinen großen Auftritt in Bregenz.

Dieser herzige kleine Clown hatte seinen großen Auftritt in Bregenz.

Farbenfrohe Guggamusiken prägten das Bild beim Jöriumzug in Bludenz. VN/Steurer, Paulitsch
Farbenfrohe Guggamusiken prägten das Bild beim Jöriumzug in Bludenz. VN/Steurer, Paulitsch

Umzugstermine

Montag, 12. Februar

Alberschwende ab 10 Uhr

Nachtumzug „Schaaner Ried“ in Frastanz ab 19.30 Uhr

 

Dienstag, 13. Februar

Kennelbach ab 14 Uhr

Schwarzach ab 14.15 Uhr

Dornbirn-Haselstauden ab 14 Uhr

Kinderfasching in Feldkirch ab 10 Uhr

Kinderfasching in Feldkirch-Altenstadt ab 14 Uhr

Feldkirch-Tosters ab 14 Uhr

Schnifis ab 14 Uhr

Meiningen ab 14 Uhr

Göfis ab 14 Uhr

Nüziders ab 13.30 Uhr

Braz ab 14 Uhr

Nenzing ab 14 Uhr

St. Gallenkirch-Gortipohl ab 14 Uhr