Ein Leben für die moderne Hormonforschung

Vorarlberg / 11.02.2018 • 18:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der aus Hohenems stammende Wissenschaftler Dr. Eugen Steinach schuf mit seinen Forschungen die Grundlagen zur Entwicklung der Antibabypille. Stadt Hohenems
Der aus Hohenems stammende Wissenschaftler Dr. Eugen Steinach schuf mit seinen Forschungen die Grundlagen zur Entwicklung der Antibabypille. Stadt Hohenems

Hohenemser lieferte Vorarbeit für die Entwicklung der Antibabypille.

hohenems Eugen Steinach entstammte einer jüdischen Familie aus Hohenems, deren Wurzeln bis ins
19. Jahrhundert zurückreichen. Er vertrat die letzte Generation einer Dynastie von hoch angesehenen Ärzten – begründet von Wilhelm Steinach (1796–1867) und fortgeführt von seinem Sohn Simon (1834–1904) –, die beide in Hohenems als Ärzte tätig waren. In dritter Generation wurde Eugen Steinach am 27. Jänner 1861 in Hohenems geboren, wo er die Volksschule besuchte, um in Feldkirch am Gymnasium seine schulische Ausbildung fortzusetzen.

Danach studierte er in Genf und Wien, wo er sich besonders für Physiologie interessierte. Er promovierte 1886 zum Doktor der Medizin, begann seine akademische Laufbahn als Assistent in Innsbruck und erwarb rasch die Lehrbefugnis. Eugen Steinach arbeitete als Assistent an der deutschen Universität in Prag, wo er 1895 zum Professor ernannt wurde.

1910 kehrte Steinach an die Universität nach Wien zurück. Dort wurde er Leiter der biologischen Versuchsanstalt, die im Vivarium untergebracht war. Während seiner Zeit in Wien, wo er 28 Jahre verbrachte, verfasste er eine große Zahl wissenschaftlicher Publikationen, die 1920 in seinem Hauptwerk „Verjüngung durch experimentelle Neubelebung der alternden Pubertätsdrüse“ gipfelte.

Experimentelle Forschungen

Mit seinen Forschungen zur Verjüngung des Menschen reihte er sich in eine Reihe von Wissenschaftlern ein, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts versuchten, den Alterungsprozess des Menschen zu verlangsamen. Als die Nationalsozialisten 1938 sein Büro in Wien stürmten und sein wissenschaftliches Werk auf brutale Weise ausradierten, befand sich Steinach auf einer Vortragsreise in der Schweiz, von der er aufgrund der politischen Umstände nicht mehr nach Wien zurückkehren konnte. Nachdem seine Frau Antonie 1938 in Zürich Selbstmord begangen hatte, lebte er noch bis 1944 zurückgezogen in Territet (Montreux) am Genfer See.

Wenn der Name eines Wissenschaftlers sogar als Verb in der Weltliteratur Verwendung findet, ist das ein untrüglicher Beweis für seinen Bekanntheitsgrad. So verwendet etwa Alfred Döblin 1929 in seinem Roman „Berlin Alexanderplatz“ das Wort „steinachen“ in Zusammenhang mit einem plötzlich sehr jugendlich auftretenden Menschen. Um Steinach und seine oft prominenten Patienten rankten sich wilde Anekdoten, die seinen Bekanntheitsgrad steigerten. So sorgten mehrere Berichte in der „New York Times“ für Aufsehen. Zur Popularität des Wissenschaftlers hatte auch der Steinach-Dokumentarfilm von 1922 beigetragen.

Im Rückblick werden die Forschungen von Eugen Steinach sehr widersprüchlich bewertet: So wird die verjüngende Wirkung seiner Eingriffe heute eher bezweifelt, andererseits gilt er als Begründer der modernen Hormonforschung.

Elfmal nominiert

Steinach begann in Zusammenarbeit mit der Firma Schering in Berlin bereits 1923 solche Erkundungen und lieferte damit wesentliche Grundlagen für die Entwicklung der Antibabypille, die dann 1960 erstmals die Zulassung in den USA erhielt. Für seine bahnbrechenden Forschungen wurde Steinach zwischen 1921 und 1938 insgesamt elf Mal für den Nobelpreis für Physiologie und Medizin nominiert, ohne den Preis jedoch zu erhalten. Die Universität Potsdam zeichnete Eugen Steinach als „Dr.phil.h.c.“ aus.

Heute erinnert nur noch die Dr.-Steinach-Straße in Hohenems an den sonst weitgehend vergessenen Wissenschaftler. BET