Eingreiftruppe gegen widerspenstige Bakterien

14.02.2018 • 18:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Oberärztin Gabriele Hartmann vom ABS-Team im Krankenhaus Feldkirch. KHBG
Oberärztin Gabriele Hartmann vom ABS-Team im Krankenhaus Feldkirch. KHBG

Spezialisiertes Team unterstützt Ärzte bei Antibiotikaresistenzen.

Feldkirch. Medizinisch betrachtet kommen Resistenzen gegenüber Antibiotika fast einem Super-GAU gleich. Denn bei schweren Infektionen sind diese Medikamente oft die einzige Waffe im Kampf gegen die Krankheitserreger. Viele von ihnen haben sich allerdings schon sattgefressen an dieser Kost, was zur Folge hat, dass Antibiotika nicht mehr wirken. Um Komplikationen zu vermeiden, hilft nur der gezielte Einsatz solcher Arzneimittel, und zwar in Form sogenannter „Antibiotic Stewardship (ABS)“-Programme. Dabei berät ein spezialisiertes Team die behandelnden Ärzte, ob und wann welches Antibiotikum wie lange und in welcher Dosierung gegen die widerspenstigen Bakterien verabreicht werden sollte. „Einfach gesagt geht es um den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika“, erklärt Laila Raschid von der Hygieneabteilung des Landeskrankenhauses Feldkirch. Dort existiert seit gut einem Jahr ein ABS-Team. Die Erfahrungen aus dem ersten Pilotprojekt auf der HNO-Abteilung sind positiv.

Schäden verhindern

Antibiotic Stewardship: ein sperriger Begriff, mit dem ein Laie wenig bis gar nichts anfangen kann. Umso mehr aber ein ABS-Team. In zahlreichen europäischen Krankenhäusern und Kliniken gehört eine solche Eingreiftruppe schon länger zum Standard. „Die zunehmenden Antibiotikaresistenzen stellen für das Gesundheitswesen eine enorme Herausforderung dar“, merkt Laila Raschid an, die mit Gabriele Hartmann, der Leiterin der Krankenhaushygiene, das ABS trägt. Gebildet wurde das Team im Herbst 2016 über Auftrag der Krankenhausleitung. In seinen Reihen stehen Mikrobiologen, Infektiologen, Apotheker und eben Mitglieder der Krankenhaushygiene. „Wir schulen das medizinische Personal und beraten, wenn sich Fragen zu Infektionen oder zu einer Antibiotikatherapie stellen“, erläutert Raschid. Immer gehe es darum, Kollateralschäden wie antibiotikabedingte Durchfälle oder die Schädigung des Mikrobioms bei den Patienten zu verhindern.

Leitlinien verfasst

Wie groß der Informations- und Handlungsbedarf ist, zeigt die Nachfrage. Bereits in den ersten Wochen nach Gründung des ABS-Teams wurden rund 90 Patienten mit schweren Infektionen bzw. mit Infektionen durch widerstandsfähige Erreger zusätzlich vom ABS-Team betreut. Im vergangenen Jahr startete dann ein Pilotversuch auf der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung (HNO). Gemeinsam mit einem Arzt der Station verfasste Laila Raschid entsprechende Leitlinien zu den wichtigsten, diese medizinische Disziplin betreffenden Infektionskrankheiten und bietet dazu einen Folder an. Auch die Antibiotika-Prophylaxe, wie sie vor, während und nach einem operativen Eingriff zu erfolgen hat, ist darin beschrieben. Bei wöchentlichen Besuchen in der Abteilung wurde die Therapie jeweils mit dem zuständigen Arzt besprochen. Die Hilfestellung war willkommen.

Als nächste Station soll demnächst die Unfallabteilung mit Leitlinien zur rationalen Verwendung von Antibiotika ausgestattet werden. „Wir möchten unser Wissen weitergeben an jene, die täglich in der Patientenbetreuung damit zu tun haben“, fasst Raschid die Intention ihrer Arbeit zusammen. Daneben gehören auch Anfragen zum Antibiotikaeinsatz aus den anderen Landeskrankenhäusern zum täglichen Brot des ABS-Teams.

„Die zunehmenden Antibiotikaresistenzen stellen eine enorme Herausforderung dar.“