Neue Gesetze können auch Tücken haben

14.02.2018 • 20:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Betreuungsqualität im Kindergarten droht sich offenbar wegen der Gesetzesnovelle zu verschlechtern. VN
Betreuungsqualität im Kindergarten droht sich offenbar wegen der Gesetzesnovelle zu verschlechtern. VN

Kinder- und Jugendanwalt Rauch warnt vor Auswirkungen des neuen Kindergartengesetzes.

Feldkirch, Bregenz Das Vorarlberger Kindergartengesetz soll einer Novellierung unterzogen werden. So lauten die Pläne im Landtag. Anlass dafür bildet der Mangel an Kindergartenpädagoginnen und die sich zuspitzenden Probleme, Kindergartengruppen mit den gesetzlich vorgeschriebenen Kindergartenpädagoginnen zu besetzen. Die Pläne der Landespolitik stoßen nicht nur auf Zustimmung. In der Kinder- und Jugendanwaltschaft in Feldkirch wird auf die Gefahr verwiesen, „dass damit die Einsatzmöglichkeiten von weniger qualifiziertem Personal ausgeweitet werden und die Betreuungsqualität leiden wird“.

Fehlt Assistentinnen das Wissen?

Zum Hintergrund: Vor rund zwei Jahren ermöglichte der Gesetzgeber den Einsatz von Kindergartenassistentinnen anstelle von Kindergartenpädagoginnen, allerdings nur für Randzeiten. Durch die Möglichkeit einer Ausweitung auf Kernzeiten sieht der Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch die Bildungs- und Betreuungsqualität infrage gestellt. Sowohl Rauch als auch Experten weisen darauf hin, „dass Assistentinnen grundlegendes pädagogisches Wissen zur eigenverantwortlichen Führung von Gruppen fehlt“. Rauch sieht die Chancen der Kinder in Gefahr: „Jede Verschlechterung bei der personellen Ausstattung wirkt sich auf Entwicklungs- und Bildungschancen von Kindern aus.“

Schlechtere Betreuungsqualität

Eine zusätzliche Verschlechterung der Qualität werde durch die beabsichtigte Reduktion der einschlägigen Berufserfahrung von Kindergartenassistentinnen von fünf auf zwei Jahre erfolgen, warnt Rauch. „Der angekündigte Einsatz von Personal aus anderen Berufsgruppen, wie etwa der Sozialpädagogik oder einem fachverwandten Unistudium, ist dem Gesetzesentwurf nicht zu entnehmen. Vielmehr soll neben Kindergartenassistentinnen auch der Einsatz von Tagesmüttern oder Tagesvätern ermöglicht werden.“ Mit den Änderungen werde über eine Absenkung der Qualifikationsanforderungen auf einen Mangel an qualifiziertem Betreuungspersonal reagiert. Die Signalwirkung der Gesetzesänderung an alle im elementarpädagogischen Bereich tätigen Pädagogen sollte laut Jugendanwalt nicht unterschätzt werden. Rauch regt daher an, „die Rahmenbedingungen der Tätigkeit zu evaluieren, um die Attraktivität der Tätigkeit und den Verbleib im Beruf deutlich zu steigern“.

„Kinder haben das Recht auf eine entwicklungs- und lernfördernde Umgebung.“