Der Mars liegt im Oman

16.02.2018 • 15:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Analog-Astronauten des Österreichischen Weltraum Forums simulieren die Arbeitsbedingungen auf dem Mars. AFP
Die Analog-Astronauten des Österreichischen Weltraum Forums simulieren die Arbeitsbedingungen auf dem Mars. AFP

Die Dhofar-Wüste wird zum Testlabor für Analog-Astronauten.

Dhofar-Wüste Die Menschheit strebt zum Roten Planeten. Um sich vorzubereiten, werden Menschen und Maschinen in unwirtlichen Gegenden getestet, die angeblich den Bedingungen auf dem Mars ähneln sollen. In blendend weißen Raumanzügen bewegen sich die beiden Wissenschaftler durch die rotbraune, trostlose Gegend mit felsigen Ebenen und Sanddünen. Sie testen ein Bodenradar, indem sie die flache Box über den steinigen Sand ziehen. Als das Gerät zur Bodenuntersuchung aufhört zu arbeiten, gehen die beiden zu ihrem Geländefahrzeug zurück und funken ihre Kollegen in der Basisstation an, um sich neue Anweisungen zu holen.

Tests für Mars-Mission

Auch wenn es so aussieht – die Wissenschaftler bewegen sich nicht auf dem Mars, sondern auf der Arabischen Halbinsel. Die Dhofar-Wüste im Südwesten des Sultanats Oman im Grenzgebiet zum Jemen und zu Saudi-Arabien ähnelt dem Roten Planeten so sehr, dass in den kommenden vier Wochen dort mehr als 200 Wissenschaftler aus 25 Nationen in Feldversuchen die Technologie für eine bemannte Mars-Mission testen.

Öffentliche wie private Unternehmen liefern sich ein Rennen um den ersten Marsflug. Neben den USA und Russland hat mittlerweile auch China Raumfahrtambitionen in diese Richtung entwickelt.

Die Oberfläche der Wüste sei der des Mars’ so ähnlich, dass es schwerfalle, die Unterschiede zu beschreiben, sagt Kartik Kumar, einer der sogenannten Analog-Astronauten, die in der Wüste von Dhofar üben. „Aber es geht noch weiter: Die Geomorphologie, all die Strukturen, die Salzstöcke, Flussbetten, Trockentäler – all das ähnelt stark dem, was wir auf dem Mars sehen.“

Die Regierung des Oman hatte während eines Treffens des UN-Komitees zur friedlichen Nutzung des Weltalls angeboten, Gastgeber der nächsten Mars-Simulation des Österreichischen Weltraum Forums zu sein. Gernot Grömer, der bereits elf Wissenschaftsmissionen auf der Erde geleitet hat, zögerte nicht lange, sagte zu und ist nun Kommandant der Oman-Mars-Mission. Wissenschaftler aus aller Welt reichten Ideen für Experimente ein, die bei der Mission mit Namen Amadee-18 durchgeführt werden sollten. 16 Tests finden nun statt. Unter anderem wird ein neuer Raumanzug ausprobiert, der rund 50 Kilogramm wiegt und „Persönliches Raumschiff“ genannt wird, weil man darin atmen, essen und sogar wissenschaftliche Experimente durchführen kann.

Bereits vor mehr als 60 Jahren, als sich die USA und die Sowjetunion ein Wettrennen um die erste Mondlandung lieferten, testeten die beiden Supermächte verschiedene Szenarien auf der Erde. Gegenden mit unwirtlichen Bedingungen wie Arizona oder Sibirien wurden genutzt, um die Raumkapseln zu verbessern. Die Raumfahrtbehörden sprechen in einem solchen Fall von Analogien, weil sie den Extremen im Weltall ähneln.

„Du kannst Systeme an solchen Orten testen und sehen, wo sie zusammenbrechen. Du kannst sehen, wann Dinge versagen und welche Optionen man anwenden muss, damit sie nicht auf dem Mars versagen“, erklärt João Lousada, einer der Leiter der Mission im Oman. Sonst ist er für die Flugkontrolle der Internationalen Raumstation ISS zuständig.

Trotzdem gebe es noch immer so viele Unbekannte, dass die Simulation keinesfalls ein Ersatz dafür sein könne, wirklich auf dem Mars zu sein.

„Die Oberfläche der Wüste ist der des Mars’ so ähnlich, dass es schwerfällt, die Unterschiede zu beschreiben.“