Die Selbstvertreterwahl beginnt

18.02.2018 • 17:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die sieben Kandidaten (von links): Hans Tonich, Klaus Brunner, Dominic Gessner, Aldo Lampert, Hartwig Lorenz, Siegfried Glössl, Robert Wilhelm. Lebenshilfe
Die sieben Kandidaten (von links): Hans Tonich, Klaus Brunner, Dominic Gessner, Aldo Lampert, Hartwig Lorenz, Siegfried Glössl, Robert Wilhelm. Lebenshilfe

Rund 1000 Menschen sind zur Wahl in der Lebenshilfe aufgerufen.

Götzis In Götzis wird derzeit ein neuer Bahnhof geplant. Damit die Bahnsteige barrierefrei zugänglich sind, sollen Lifte gebaut werden, im Gegenzug verschwindet die Rampe auf der Stiege. Klaus Brunner sieht darin ein Problem. Er hat sich bereits an die ÖBB gewandt mit der Bitte, die Rampe zu erhalten. Schließlich sollen Rollstuhlfahrer auch den Zug erreichen können, wenn der Lift nicht funktioniert. Brunner ist einer von zwei Selbstvertretern der Vorarlberger Lebenshilfe. Ab heute, Montag, stellt er sich zur Wiederwahl.

1002 Menschen mit Behinderung werden derzeit von der Lebenshilfe betreut und sind somit stimmberechtigt. Sie haben nun bis Freitag Zeit, ihre Vertretung für die nächsten vier Jahre zu wählen. Sieben Kandidaten bewerben sich für zwei Selbstvertreter- und zwei Stellvertreterposten. Neben den amtierenden Selbstvertretern Klaus Brunner und Siegfried Gössl sind dies: Dominic Gessner, Aldo Lampert, Hartwig Lorenz, Hans Tonich und Robert Wilhelm. Die Kandidaten kommen aus dem ganzen Land, vom Kleinwalsertal über Batschuns bis Götzis.

Viele Aufgaben

Die Selbstvertreter bilden die Interessensvertretung für Menschen mit Behinderung. Sie sitzen etwa im Vorarlberger Monitoringausschuss und im Vorstand der Vorarlberger Lebenshilfe. Vor der Nationalratswahl organisierte die Selbstvertretung außerdem eine Informationsveranstaltung, in der die Parteien das Wahlprogramm in leichter Sprache präsentierten. Alle Kandidaten haben bereits Erfahrung in diesem Bereich, sie waren oder sind Wohnheim- oder Werkstättensprecher.

Die Lebenshilfe veranstaltete zwei Informationsnachmittage, an denen sich die Kandidaten vorstellen konnten. Alleine zur Veranstaltung im Kolpinghaus in Götzis kamen über 60 Interessierte aus dem ganzen Land. Zwei Stunden lang durften die Kandidaten ihr Programm vorstellen und beantworte­ten Fragen der Besucher. Die zweite Veranstaltung ging im Dornbirner Kolpinghaus über die Bühne.

Zudem stellen die Kandidaten ihre Forderungen schriftlich vor. Für Klaus Brunner ist es zum Beispiel wichtig, für alle da zu sein. Er und Siegfried Glössl betonen außerdem ihre Erfahrung als Selbstvertreter. Dominic Gessner möchte Klartext reden, Inklusion passiere nicht einfach so. Aldo Lampert fordert mehr Mitsprache bei Entscheidungen und der Mitarbeiterauswahl. Hartwig Lorenz möchte sich für Inklusion von allen einsetzen, Hans Tonich wiederum betont, dass er mutig Probleme ansprechen möchte. Und Wilhelm Robert fordert, dass mehr Menschen mit Behinderung in die Privatwirtschaft integriert werden, und stellt sich gegen die Kürzung des Monatsgeldes.

Stichwahl möglich

Die Wahl findet in allen Werkstätten und Betrieben der Lebenshilfe statt, auch Briefwahl ist möglich. Heute in einer Woche werden die Stimmen ausgezählt, anschließend gibt die Lebenshilfe das Ergebnis bekannt. Allerdings nur, falls es keine Stimmengleichheit gibt. Sollte dies der Fall sein, wird zwischen den betroffenen Kandidaten eine Stichwahl abgehalten.

Seit zehn Jahren wählen Menschen mit Behinderung in der Lebenshilfe ihre Selbstvertreter, das Modell gilt österreichweit und darüber hinaus als Vorbild. Zuletzt wurde 2014 gewählt, damals wählten knapp über 40 Prozent der Wahlberechtigten.

Selbstvertretungswahl Lebenshilfe Vorarlberg

1002 Menschen mit Behinderung sind aktuell in Betreuung der Lebenshilfe und wählen ab heute ihre neuen Selbstvertreter.

Vier Jahre beträgt die Amtszeit für Selbstvertreter.

2014 lag die Wahlbeteiligung bei etwas mehr als 40 Prozent. Damals wurden Klaus Brunner, Eva-Maria Lampert und Siegfried Glössl zu den Selbstvertretern gewählt.

Interessensvertretung ist nicht die einzige Aufgabe. Die Selbstvertreter sitzen im Vorarlberger Monitoringausschuss, im Selbstvertretungsbeirat der Lebenshilfe Österreich, im Netzwerk der Vier-Länder-Region und im Netzwerk der Vorarlberger Selbstvertreter. Dort sind auch  „Mensch Zuerst“, Reiz und die Caritas vertreten.

Die Kandidaten sind: Klaus Brunner (46), Dominic Gessner (47), Siegfried Glössl (58), Aldo Lampert (55), Hartwig Lorenz (50), Hans Tonich (48), Robert Wilhelm (40)

Ausgezählt wird am 26. Februar 2018