Wenn Teenager töten

19.02.2018 • 21:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 25. September 2017.
VN-Bericht vom 25. September 2017.

Nur wer unmündig ist, genießt das Privileg der Straffreiheit.

Götzis September 2017. An einem Wochenende nimmt eine Familientragödie ihren Lauf. Ein knapp 14-Jähriger greift zum Küchenmesser, geht ins Wohnzimmer und sticht auf den dort schlafenden 51-jährigen Vater ein. Die Mutter wird wach und eilt zu Hilfe, doch auch die 52-Jährige wird von ihrem Sohn attackiert und mit dem Messer schwer verletzt. Der Vater überlebt die mehrfachen Bauchstiche nicht, die Mutter hat mehr Glück. Die Stiche in den Rücken sind nicht tödlich.

Danach schneidet sich der Jugendliche selbst zwei Mal mit dem Messer in den Hals. Die Nachbarn rufen die Polizei, der Junge wird festgenommen. Doch was tun mit einem bislang unbescholtenen Teenager, der den Vater tötete und die Mutter schwer verletzte?

Eindeutig geregelt

Der Paragraph 4 Jugendgerichtsgesetz (JGG) beantwortet die Frage: Unmündige, die eine mit Strafe bedrohte Handlung begehen, sind nicht strafbar. Das heißt, Menschen, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, gehen straffrei aus, wenn sie gegen ein Gesetz verstoßen. Das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet bedeutet: ab dem 14. Geburtstag ist es soweit, es gilt Verantwortung zu übernehmen. Immer wieder werden Fälle publik, in denen in den USA sogar Kinder strafrechtlich belangt werden. In Österreich ist das ausgeschlossen. Ist der Teenager trotz Altersvoraussetzung nachweislich unreif, also nicht fähig, das Unrecht einzusehen, kann er nach dem JGG ebenfalls nicht bestraft werden.

Vorgezeichnetes Prozedere

Somit sind bei dem 14-jährigen Jungen aus Götzis zunächst dieselben Fragen zu beantworten wie bei einem Erwachsenen. Die Ermittlungen wegen Mordes und versuchten Mordes sind im Gange. Derzeit sind die medizinischen und das psychiatrische Gutachten allerdings noch nicht eingelangt. Der bislang unbescholtene Schüler galt als unauffällig, Probleme innerhalb der Familie sind keine bekannt. Da der Attacke offensichtlich kein Streit voranging, muss auch eine Geisteskrankheit oder eine psychische Störung in Betracht gezogen werden.

Keine Seltenheit

Immer wieder sind psychische Störungen verantwortlich für Attacken. Und immer wieder erörtert Gerichtssachverständiger Reinhard Haller, dass der Angreifer „Stimmen hörte“, sich verfolgt fühlte, das Gegenüber für den Teufel oder eine Geheimagentin hielt.

Häufig geistern derartige Gedanken durch die Köpfe der Angreifer. Die Ursachen sind vielfältig. Was im Kopf des 14-Jährigen in jener Nacht vor sich ging, ist selbst der Staatsanwaltschaft noch ein Rätsel. Somit heißt es warten auf das Gutachten. Dann kommt im Fall einer Unzurechnungsfähigkeit auch bei diesem Jungen eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher in Betracht. Dafür bedarf es eines Antrags auf Einweisung und anschließend ein Unterbringungsverfahren.

Dabei geht es um Heilung oder fachgerechte Betreuung einerseits und um Sicherheit für die Bevölkerung andererseits.