Ein Schulgarten im Dschungel

Vorarlberg / 20.02.2018 • 21:04 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein spezielles Hilfsprojekt ist der Permakultur-Schulgarten, den Chay Ya Austria zur Ernährung und Ausbildung behinderter Kinder angelegt hat. chay ya
Ein spezielles Hilfsprojekt ist der Permakultur-Schulgarten, den Chay Ya Austria zur Ernährung und Ausbildung behinderter Kinder angelegt hat. chay ya

Familie Klotz im Einsatz für Chay Ya Austria in Nepal.

BIZAU, KATMANDU Sabine Klotz ist nicht zu bremsen. Als Obfrau der 2011 gegründeten Hilfsorganisation Chay Ya Austria lässt die 32-jährige Bizauerin in Nepal Schulen und Gesundheitsposten bauen, realisiert Bildungsprojekte und versorgt Tausende Flutopfer mit Hilfsgütern. Jetzt organisiert die umtriebige Fachfrau für Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe neue Hilfsprojekte in dem Land am Himalaja und hat dafür auch ihre Eltern eingespannt.

„Dank dem Land Vorarlberg und vieler privater Spenden aus Vorarlberg konnten wir über 22.000 Euro dazu verwenden, über 3000 von der Flutkatastrophe betroffene Menschen mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen. Dazu zählen Nahrungsmittel, Zeltplanen, Medikamente und sauberes Trinkwasser“, informiert Sabine Klotz. Auch drei schwer beschädigte Schulgebäude wurden renoviert und mit Möbeln ausgestattet. Nepal wurde im Sommer 2017 von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht, bei der mindestens 160 Personen starben.

Dieses Jahr wird die bereits elfte Schule fertig und mit dem Bau von zwei neuen Gesundheitsposten begonnen. Und im Tsum-Tal hat Chay Ya Austria im vergangenen Herbst die erste höhere Schule in Betrieb genommen. „Bisher konnten nur Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren zum Unterricht kommen“, erklärt Sabine. „Im Dorf Lar gibt es nun eine Schule mit Internat für 50 Kinder bis zum Alter von 15 Jahren.“ Chay Ya hat Aufbau und Ausstattung der Schlafräume finanziert und bezahlt das Gehalt der Lehrerin. „Wir nehmen aber auch die nepalesische Regierung in die Pflicht, die für eine weitere Lehrperson und das Essen für die Kinder aufkommt.“

Für ein spezielles landwirtschaftliches Hilfsprojekt hat Sabine Klotz ihre Mutter Veronika gewonnen. Die pensionierte Lehrerin hat im Herbst 2017 für eine Schule mit körperlich und geistig beeinträchtigten Kindern im Kailali-Distrikt einen Permakultur-Garten angelegt. „Ich habe mir für meinen ersten Einsatz in Nepal gleich ein sehr schwieriges Projekt ausgesucht, und zwar mitten im Dschungel einen Schulgarten zur Ernährung und Ausbildung behinderter Kinder anzupflanzen“, sagt Veronika Klotz. Schwierig sei das deswegen gewesen, „weil in Nepal Behinderung als eine Schande und schlechtes Karma angesehen wird.“ Für solche Kinder ist dort kein Platz in der Gesellschaft. Sie werden von den eigenen Eltern verstoßen.

Sabines Vater Elmar Klotz war bereits im März letzten Jahres sechs Wochen in einem Bergdorf im Einsatz. Der Pensionist – auch er war Lehrer – stellte dort für 300 Kinder Schulmöbel aus Holz her und half beim Aufbau einer Schule mit. „Mein Einsatz war in einem vom Erdbeben schwer beschädigten Dorf in den Bergen“, erzählt Elmar Klotz. „Da die meisten Häuser noch zerstört waren, habe ich mein Lager in einem Kartoffelkeller aufgeschlagen.“ Nach einem heftigen Regenfall habe es genug Wasser gegeben, um seine mitgebrachte Solardusche benutzen zu können. „Und meine Gastgeberfamilie genoss die erste heiße Dusche ihres Lebens“, erinnert er sich.

Beim letzten Einsatz waren auch Sarah Sinclair und Pauline Paterno dabei. Die beiden 19-jährigen Vorarlbergerinnen halfen bei Betreuung und Unterricht der Kinder mit.

Internat für Nomadenkinder

Auch dieses Jahr startet Chay Ya neue Projekte. Bei einem wird, Sabine Klotz zufolge, einer Frauengruppe im Solukhumbu die Grundlagen von Bio-Anbau vermittelt. „Damit erhöhen wir die Biodiversität um 50 Prozent und ermöglichen den Frauen gesunde Ernährung sowie ein Einkommen, und somit mehr Bestimmung über ihr Leben.“

Ein weiteres Projekt ist der Bau eines Nomadenkinderinternats in einem Bergdorf auf 4300 Metern Höhe. Ziel der kleinen Grundschule mit Wohnmöglichkeit ist es, rund 120 Kindern aus 15 Dörfern Bildung zu ermöglichen.

Im März reist erneut ein Chay-Ya-Team aus Vorarlberg nach Nepal, um die Projekte vor Ort zu betreuen. Für diesen nächsten Einsatz sucht Sabine Klotz noch „einen Volontär, der Kuh- und Hühnerställe bauen kann“. Er oder sie soll mindestens 25 Jahre alt sein und zupacken können. VN-HRJ

„Wir vermitteln einer Frauengruppe in Solukhumbu die Grundlagen von Bio-Anbau.“

Nepal-Vortrag von Gerda Pauler (Great Himalayan Trail) und Sabine Klotz. Freitag, 23. Februar, ab 19 Uhr, Gemeindesaal Bizau. Spenden Chay Ya Austria: Raiffeisenbank am Bodensee, BIC: RVVGAT2B431, IBAN: AT50374310000032297