Landestopf mit viel Geld für die Kleinen

Vorarlberg / 20.02.2018 • 20:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim Ausbau der Betreuungsangebote für die Jüngsten setzt das Land neben der Quantität auch ganz stark auf Qualität.vn/ral
Beim Ausbau der Betreuungsangebote für die Jüngsten setzt das Land neben der Quantität auch ganz stark auf Qualität.vn/ral

Heuer sollen 400 neue Betreuungsplätze entstehen.

bregenz Viel Geld fließt heuer in den Ausbau der Kleinkindbetreuung. Das Land lässt sich die Förderung der Kleinsten rund 22 Millionen Euro kosten, der Bund steuert 1,5 Millionen Euro bei, macht in Summe 23,5 Millionen Euro. Das entspricht im Vergleich zu 2010 einer Vervierfachung des Budgets. Dazu kommen noch Personal- und Infrastrukturkosten im Ausmaß zwischen 30 und 40 Prozent, die von den Kommunen zu stemmen sind. Derzeit werden über 6000 Kinder in 138 Betreuungseinrichtungen und 56 Spielgruppen sowie von 100 Tageseltern betreut. In diesem Jahr sind weitere 23 Gruppen in neuen Kinderbetreuungseinrichtungen sowie acht Erweiterungen bei bestehenden im Plan. „Damit werden 400 zusätzliche Plätze geschaffen“, informierten Landeshauptmann Markus Wallner und Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker nach der Regierungssitzung.

Gemeinden als Träger

In enger Kooperation mit den Gemeinden, wie Wallner betonte, soll weiterhin an dieser Schraube gedreht werden. Viele Bürgermeister hätten erkannt, dass eine gute Kinderbetreuung nicht nur zu einem Standortfaktor geworden sei, sondern auch junge Familien damit im Ort gehalten werden können. Deshalb übernehmen immer mehr Gemeinden selbst die Trägerschaft für Kinderbetreuungseinrichtungen. „Inzwischen liegt der Anteil bei fast 40 Prozent“, erläuterte Katharina Wiesflecker, die ergänzte: „Ein Großteil der neu eröffneten Gruppen entspricht dem Vereinbarkeits­indikator Familie und Beruf.“ Dafür braucht es unter anderem eine wöchentliche Öffnungszeit von 45 Stunden oder mehr. Sehr viel zu dieser positiven Entwicklung haben die konsequente Abholung der Gelder aus der 15a-Vereinbarung sowie die bewusste Entscheidung, weiterhin auch Dreijährige in Kleinkindbetreuungen aufzunehmen, beigetragen. Das koste zwar, nehme aber viel Druck von den Kindergärten. Gleichzeitig gibt es laut Wiesflecker die Tendenz, dass die betreuten Kinder immer jünger werden. Das bestätigt auch ein Bericht des Österreichischen Instituts für Familienforschung. Laut diesem gab es bei den Ein-, Zwei- und Dreijährigen seit 2005 im Vergleich zu den anderen Altersklassen die höchsten Steigerungen.

Die wieder steigende Zahl an Geburten müsse bei der Schaffung neuer Betreuungsangebote ebenfalls berücksichtigt werden. „Das wird den Finanzreferenten wohl ins Schwitzen bringen“, meinte Katharina Wiesflecker mit einem Blick auf Markus Wallner, der ob dieses Hinweises zumindest ein süßsaures Lächeln zustande brachte.

Schwierige Personalsuche

Damit geht ein steigender Bedarf an qualifiziertem Personal einher. Solches ist, wie in der Pflege, schwer zu finden. Mit verschiedenen Qualifizierungsmodulen wird versucht, den Knoten zu lösen. Derzeit sind fast 900 Personen, vorwiegend Frauen, in Kinderbetreuungseinrichtungen beschäftigt. Ein im Entstehen begriffener pädagogischer Leitfaden soll helfen, die Qualität in den Einrichtungen selbst zu überprüfen bzw. zu verbessern. Als wichtigen Schritt bezeichnete Wiesflecker die soziale Staffelung bei den Tarifen. Laut einer deutschen Studie bringt sie Frauen eher in den Beruf und damit in die Existenzsicherung als der Gratiskindergarten. VN-MM

„Die steigenden Geburtenzahlen müssen bei der Planung ebenfalls berücksichtigt werden.“