Von der Montfortstadt zum Mars

23.02.2018 • 17:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michel G. Breitfellner arbeitet seit 22 Jahren am Science Operation Center Madrid.
Michel G. Breitfellner arbeitet seit 22 Jahren am Science Operation Center Madrid.

Der Feldkircher Michel G. Breitfellner forscht nach Leben auf dem Mars.

Feldkirch Zugegeben: Von der Montfortstadt aus zum Mars zu gelangen, ist schon ein wenig weit. Selbst für einen Astrophysiker wie Michel G. Breitfellner, der als Mitglied der ESA-Satellitenmission „Mars Express“ den roten Planeten erforscht. Wirft man jedoch einen Blick in die 800-jährige Geschichte Feldkirchs, ist der Tisner nicht der einzige, der nach den Sternen greift. Auch Georg Joachim Rheticus stammte von hier. Ohne ihn wäre Kopernikus‘ revolutionäre Theorie, wonach sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, nie gedruckt worden.

Nicht minder spannend sind die heutigen Forschungsergebnisse Breitfellners. Nicht zuletzt, weil die Suche nach Leben in unserem Sonnensystem zu einem der interessantesten Themen der Menschheit zählt.

Star-Trek-Fan

„Der Mars ist das naheliegendste Objekt für diese Suche“, sagt Breitfellner. Der nach dem römischen Gott des Krieges benannte Planet sei in unserem Sonnensystem der Erde am ähnlichsten. Als Nachbarplanet zieht er seine Bahnen jedoch nicht in unmittelbarer Nähe. Im günstigsten Fall beträgt die Distanz immer noch stolze 56 Millionen Kilometer.

Für den dreifachen Vater und Star-Trek-Fan genügte jedoch eine Strecke von 1790 Kilometern um bei der Marsforschung dabei zu sein. Denn so weit ist das ESA-Gelände im spanischen Villarfranca da Castillo von seiner Heimatstadt entfernt. 350 Wissenschaftler beschäftigen sich dort mit dem Weltraum. Breitfellner, der einem Team von 28 Mitarbeitern vorsteht, steckt derzeit mitten im Projekt „Trace Gas Orbiter“ (TGO). „Dabei geht es um die Suche nach Methangas “, erzählt er und ruft einen Aha-Effekt hervor. Nicht zuletzt, weil aktuell ganz irdische Schlagzeilen die Milchkuh und ihren CO2-Ausstoß als Klimaschädling Nummer eins betiteln. Es ist also naheliegend, dass der Astrophysiker auch auf dem Mars Leben vermutet. Natürlich nicht in Form von Kühen oder anderen Tieren, sondern mikrobielles Leben.

Auf der Erde stammt das Methan zu 90 Prozent von lebenden Organismen, zum Beispiel von Bakterien. „Ob diese lebenden Organismen noch existieren oder vor langer Zeit existiert haben, sollen unterhalb der Permafrostschicht, also zwei Meter tief im Gestein, die Instrumente des TGO analysieren.“

Apropos Instrumente: Breitfellner ist ein leidenschaftlicher Musikfan. Als Keyboarder ist er Teil der Science-Operation-Center-Band. Geprobt wird derzeit das Musikalbum „Wish You Were Here“ der englischen Rockband Pink Floyd. Ob die Klangwellen wohl eine geheime Botschaft an das ExoMars-Projekt sind?

Botschaft: Überleben

Doch wie immer das Ergebnis ausfallen wird: Die Astronomie bewegt sich in erster Linie im Dienst der Menschen. „Die zentrale Botschaft aus der Erforschung des Weltalls zeigt auf, dass aller Science Fiction zum Trotz ein Leben auf keinem anderen der sieben Planeten unseres Sonnensystems möglich ist“, sagt der Astrophysiker aus Feldkirch und mahnt: „Wir müssen deshalb auf unsere Erde sehr gut aufpassen, denn es geht ums Überleben.“

Nichtsdestotrotz freut er sich auf die Ausstrahlung der Mars-Trilogie von Kim Stanley Robinson im Fernsehen, bei der die Menschen 2027 den Mars besiedeln werden. Der Bezug zur Realität? Der Regisseur verwendet für den Film Bilder, die während der ESA-Satellitenmission vom Mars entstanden sind. Somit ist die Arbeit des Vorarlberger Astrophysikers in gewisser Weise sogar hollywoodreif. CRO